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General Motors - Der Riese wankt

Die Krise bei General Motors gewinnt immer mehr an Brisanz. Nun nimmt die amerikanische Börsenaufsicht SEC die Bilanzierungspraktiken des angeschlagenen Autobauers genauer unter die Lupe.

Die Krise bei General Motors gewinnt immer mehr an Brisanz. Nun nimmt die amerikanische Börsenaufsicht SEC die Bilanzierungspraktiken des angeschlagenen Autobauers genauer unter die Lupe.

Von Steffen Eidam

Beim angeschlagenen Automobilkonzern General Motors (GM) ist es fünf Minuten vor Zwölf. Der Aktienkurs des Autoherstellers fiel gestern um mehr als sechs Prozent zurück, nachdem die US-Börsenaufsicht eine detaillierte Untersuchung der Bilanzen angekündigt hatte. Auch die Kurse der Anleihen fielen um bis zu zwei Prozent, was für Bonds ein massiver Wert ist.

Verdacht auf Bilanzfälschung

Dem ohnehin schon arg gebeutelten Autobauer GM steht das Wasser bis zum Hals. Gestern teilte der Konzern mit, dass sich die Börsenaufsicht SEC genauer mit der Bilanz beschäftigen wolle. Das Gremium verlangt insbesondere genaue Angaben über Pensionszahlungen und Transaktionen mit dem insolventen Zulieferer Delphi. Bei der Abspaltung des Zulieferers im Jahr 1999 verpflichtete sich GM, Pensionszahlungen in Höhe von maximal zwölf Milliarden Dollar zu übernehmen, falls Delphi vor 2007 zusammenbricht. Die Prüfung der SEC bezieht sich in erster Linie auf die Bewertung von langfristigen Verpflichtungen in der Pensions- und Krankenversorgung. "Die Verlockung, mit solchen Schätzungen zu manövrieren, ist immer gegeben, weil sich damit der Cash-Flow steuern lässt", weiß der ehemalige SEC-Anwalt Peter Henning. Offensichtlich ist die SEC mit dem zum Jahresende 2004 ausgewiesenen Pensionsvermögen in Höhe von 91 Milliarden Dollar nicht einverstanden. Wie sonst ließen sich die angekündigten Nachuntersuchungen erklären. Aber auch die Finanztochter GMAC, die als Rückgrat des Unternehmens gilt, ist in das Blickfeld der Behörde gerückt. Dort werde man sich mit der Rechtmäßigkeit bestimmter Versicherungstransaktionen beschäftigen.

Erdrückende Delphi-Altlast

In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres musste der Mutterkonzern von Opel fast vier Milliarden Dollar Verluste ausweisen. Mit einem großangelegten Restrukturierungsprogramm versucht GM zu retten, was noch zu retten ist. Letztlich gilt es auch bei den Ratingagenturen verlorenen Boden gut zu machen, denn zuletzt fiel die Kreditwürdigkeit auf den Status Schrottanleihen zurück. Der Sparplan des in Detroit ansässigen Unternehmens sieht unter anderem einen massiven Personalabbau sowie Fabrikschließungen aber auch den Verkauf von Beteiligungen vor. Die größten Probleme hat GM-Chef Rick Wagoner auf dem Heimatmarkt USA, wo das Unternehmen stetig Marktanteile verliert und seine Autos mit hohen Rabatten in den Markt drücken muss. Während viele Aktionäre angesichts der jüngsten Entwicklung die Notbremse ziehen und sich von ihren Papieren trennen, bahnt sich ein weiteres Desaster an. Denn bliebe General Motors tatsächlich nur noch der Gang zum Insolvenzrichter, so würde dies die Vernichtung von Tausenden von Arbeitsplätzen bedeuten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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