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Genentech stößt Amgen vom Sockel

Wachablösung: Genentech hat dank einer fulminanten Kursrallye in den letzten fünf Wochen den Konkurrenten Amgen als größtes Biotechunternehmen abgelöst. Lohnt jetzt noch der Einstieg?

Wachablösung: Genentech hat dank einer fulminanten Kursrallye in den letzten fünf Wochen den Konkurrenten Amgen als größtes Biotechunternehmen abgelöst. Lohnt jetzt noch der Einstieg?

Von Martin Weiß

Es klingt nach wundersamer Geldvermehrung: Da hat sich der Börsenwert einer Biotechfirma binnen fünf Monaten nahezu verdoppelt. Für sich allein genommen taugte das dennoch kaum als Nachricht - Kursverdoppler, besonders im Small- und Microcap-Segment - gehören an der Wall Street zum Alltag. Was der Nachricht nun Pepp verleiht, ist der Umstand, dass es sich bei dem Highflyer um Genentech handelt und der Konzern schon vor der Kursrallye einen Börsenwert von gut 40 Milliarden Dollar (ca. 31 Milliarden Euro) stemmte. Nun sind es knapp 76 Milliarden Dollar und damit fünf Milliarden Dollar mehr, als die bisherige Nummer eins, Amgen, auf die Waage bringt. Aktueller Kurs der Genentech-Aktie: 72,55 Dollar. Im frühen US-Geschäft hatte sich Genentech am Dienstag bei 75,95 Dollar auf ein neues Rekordhoch geschwungen.

Eine Flut an guten Nachrichten

Alles nur heiße Luft? Mitnichten. Auslöser der mehrwöchigen Kursrallye ist eine Reihe positiver Forschungsergebnisse im Zusammenhang mit zwei Krebsmedikamenten. So berichtete der Konzern im März über die Wirksamkeit von Avastin bei der Behandlung von Lungenkrebs. Avastin war im Februar 2004 ursprünglich zur Behandlung von Darmkrebs zugelassen worden. "Eine Zulassung von Avastin bei Lungenkrebs bedeutete für Genentech zusätzliche Umsätze von bis zu zwei Milliarden Dollar pro Jahr", schätzt Biotech-Experte Frank Phillipps. "Was die Sache für die Anleger so interessant macht, ist, dass sich mit Avastin vielleicht weitere Krebsarten behandeln lassen." Zusätzlichen Auftrieb erhielt das Papier durch die Meldung von Schering, dass PTK/ZK, ein potenzielles Konkurrenzprodukt zu Avastin, in der klinischen Phase enttäuschend abgeschnitten hat. Das Tüpfelchen auf dem "i" ist nun die Meldung, wonach das Krebsmittel Herceptin seine Wirksamkeit bei der Behandlung von Brustkrebs unter Beweis gestellt hat.

Kurs der Realität davon gelaufen

"Die Euphorie ist leicht nachzuvollziehen, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Biotech- und Pharmabranche in den letzten Monaten fast nur Hiobsbotschaften produziert hat", sagte Phillipps. Allerdings würde der Autor des Biotechreports die Titel jetzt nicht mehr kaufen. Genentech benötige dringend eine Verschnaufpause, das Papier sei der Realität weit vorausgeeilt. Das Intraday-Reversal vom Dienstag - die Aktien endeten nach einer starken Eröffnung leicht im Minus - macht Phillipps ebenfalls skeptisch. "Genentech wird Schwierigkeiten haben, die hohen Erwartungen zu erfüllen, selbst wenn die erhofften Zulassungen für Avastin und Herceptin kommen.

Fazit: Genentech ist mit dem 10fachen Jahresumsatz (05e) üppig bewertet, das KGV beträgt stramme 65. Mit diesen Kennzahlen ist der Konzern zum Erfolg verdammt. Langfristig gesehen sind die Titel sicher interessant, kurzfristig ist die Luft aber raus.

Weitere Artikel:

Genentech - Steilpass für die Branche (12.04.2004)

 

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