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Geh' endlich ran!

Nervig, aber erfolgreich. Mit Klingeltönen für Mobiltelefone lässt sich ein Vermögen verdienen. Welche Unternnehmen der "Dudel-Branche" profitieren? DER AKTIONÄR stellt seine Favoriten vor.

Nervig, aber erfolgreich. Mit Klingeltönen für Mobiltelefone lässt sich ein Vermögen verdienen. Welche Unternnehmen der "Dudel-Branche" profitieren? DER AKTIONÄR stellt seine Favoriten vor.

Von Andreas Deutsch

Heutzutage gibt es wohl kaum etwas Nervigeres als klingelnde Handys. Beinahe überall grunzt, quakt, rattert und dröhnt es. Der Jugendsender Viva strahlt mittlerweile fast mehr Werbespots für Klingeltöne aus als Musikvideos. Jugendliche opfern ihr Taschengeld, um sich zum Beispiel mit dem Jamba-Monatspaket zu versorgen. Mit anderen Worten: Der Branche geht es ausgezeichnet. Nachdem vor kurzem der britische Klingelton-Anbieter itouch von For-side.com gekauft wurde, gibt es zudem jede Menge Übernahmefantasie. Immerhin waren die Japaner bereit, für itouch eine Prämie von knapp 23 Prozent zu bezahlen. der aktionär stellt die Titel vor, die den Anlegern gewiss noch viel Freude machen werden.

Milliarden für Töne

Fast 250 Millionen Euro haben allein die Deutschen im Jahr 2004 für Klingeltöne ausgegeben. In diesem Jahr sollen es über 360 Millionen Euro werden. Die Experten von Juniper Research gehen davon aus, dass der Markt für Handymelodien und -geräusche in den nächsten fünf Jahren weltweit um 50 Prozent auf 4,85 Milliarden Dollar zulegen wird. Aber nicht nur die Klingeltöne lassen bei den Anbietern die Kassen klingeln, auch Handyspiele, Animationen, Hintergrundbilder, Musikdownloads etc. sorgen für steigende Erlöse. So wird sich das Umsatzvolumen im Markt für Mobile Games bis 2009 voraussichtlich auf 18,5 Milliarden Dollar fast versechsfachen.

Buongiorno Vitaminic

 

ISIN IT0001488607
Kurs am 15.06.2005 2,30€
Empfehlungskurs 2,65€
Ziel 4,00€
Stopp 2,25€
KGV 06e 13
Chance/Risiko 4/3

 

Deswegen wundert es kaum, dass immer mehr Unternehmen nicht ausschließlich Klingeltöne, sondern auch Spiele, Musikdownloads und vieles mehr für Handys anbieten. Eine der aussichtsreichsten Firmen ist Jamdat. Das US-Unternehmen hat der aktionär seinen Lesern bereits in Ausgabe 13/2005 empfohlen. Seitdem hat die Aktie sage und schreibe 63 Prozent zugelegt. Ein Grund für die starke Performance waren die sensationellen Zahlen für das erste Quartal: Die Umsätze schossen gegenüber dem Vorjahr um 115 Prozent auf 15,1 Millionen Dollar, der Nettogewinn vervierfachte sich auf 2,7 Millionen Dollar und lag damit weit über den Prognosen der Analysten.

Echter China-Kracher

Ebenfalls hohe Kurschancen verspricht ein Investment in Hurray! Holding. Das chinesische Unternehmen, das erst seit Februar dieses Jahres an der Nasdaq notiert ist, profitiert vom Heißhunger der Chinesen auf mobile Dienstleistungen aller Art. Das Marktvolumen im Reich der Mitte wird für 2005 auf rund 800 Millionen Dollar geschätzt. Im nächsten Jahr soll die Milliardengrenze überschritten werden.

Hurray!'s großer Pluspunkt ist, dass das Unternehmen mit den beiden Mobilfunkanbietern China Mobile und China Unicom zusammenarbeitet. Dadurch hat sich Hurray! eine starke Marktstellung gesichert, die durch weitere Akquisitionen ausgebaut werden soll. Im laufenden Jahr wird Hurray! voraussichtlich 65 Millionen Dollar umsetzen und einen Gewinn je Aktie von einem Dollar erzielen. Für 2006 gehen die Analysten von 1,29 Dollar pro Anteilschein aus, womit sich ein KGV von lächerlichen 7 ergibt.

Monster und Vitamine

Während sich Hurray! (noch) auf den chinesischen Markt beschränkt, ist Buongiorno Vitaminic in Europa, Lateinamerika, Australien, Asien und in den USA aktiv. Das italienische Unternehmen mit dem wunderschönen Namen arbeitet mit vielen renommierten Telefongesellschaften wie Vodafone, T-Mobile und Telefonica sowie mehreren großen Medienkonzernen wie Endemol und der Prisa Group zusammen. Buongiorno Vitaminic erwartet im laufenden Jahr einen Umsatz von 120 Millionen Euro - nach 81 Millionen Euro im Vorjahr - und einen Nettogewinn von neun Millionen Euro. Damit würde das Unternehmen zum ersten Mal schwarze Zahlen schreiben.

Dagegen arbeitet MonsterMob schon seit längerem profitabel. Das britische Unternehmen bietet neben Klingeltönen unter anderem auch Video-on-Demand, Java Games und SMS-Dienste an - und dies überaus erfolgreich: Im laufenden Jahr wird MonsterMob den Gewinn wohl um über 50 Prozent auf 4,92 Millionen Britische Pfund steigern. Auf Basis des für 2006 geschätzten Gewinns von 6,29 Millionen Britische Pfund ergibt sich ein KGV von 17, womit MonsterMob nicht teuer ist.

Hurray! Holding

 

ISIN US4477731024
Kurs am 15.06.2005 7,95€
Empfehlungskurs 7,66€
Ziel 15,00€
Stopp 5,75€
KGV 06e 7
Chance/Risiko 5/4

 

Jamba ist zwar nicht börsennotiert, wohl aber die Muttergesellschaft Verisign. Der IT-Sicherheitsspezialist kaufte im vergangenen Jahr das Berliner Unternehmen für 223 Millionen Euro, was angesichts der unangefochtenen Marktführerschaft in Deutschland nicht viel ist. Doch nicht nur das Klingelton-Geschäft läuft gut, auch die anderen Sparten haben keinen Grund zur Klage, wie die jüngsten Geschäftszahlen zeigen: Im ersten Quartal konnte Verisign den Gewinn auf 49,2 Millionen Dollar fast verfünffachen. Der Umsatz sprang von 229 auf 401 Millionen Dollar und lag damit über den Erwartungen der Analysten.

Die Favoriten

Dass man mit nervigen Geräuschen und Song-Ausschnitten gutes Geld verdienen kann, beweisen derzeit Jamba, MonsterMob und Co. Die größten Kurschancen bieten momentan wohl Hurray! und Buongiorno Vitaminic. Nach der fulminanten Kursrallye bei Jamdat könnte es in nächster Zeit zu Gewinnmitnahmen kommen. Da die US-Firma glänzend dasteht, wie die letzten Quartalszahlen bewiesen haben, sollten Anleger Kursrücksetzer als Kaufchance nutzen. Liquider Handel findet bei allen vorgestellten Aktien an den Heimatbörsen (beziehungsweise bei Hurray! und Linktone in New York) statt.

Artikel aus DER AKTIONÄR (24/05).

 

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