Lufthansa
- Nikolas Kessler - Redakteur

Gegen den Trend: Lufthansa und Ryanair nach Air-Berlin-Insolvenz weiter im Aufwind

Im schwächelnden Gesamtmarkt ist die Aktie der Lufthansa am Montag der größte Gewinner im DAX. Die Anleger spekulieren darauf, dass sich die Airline einige Filetstücke des insolventen Konkurrenten Air Berlin zum Schnäppchenpreis sichern kann. Auch Branchen-Favorit Ryanair legt zu.

Bereits in der Vorwoche hatte sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt dafür ausgesprochen, dass die Lufthansa einen Großteil der insolventen Airline übernimmt. „Wir brauchen einen deutschen Champion im internationalen Luftverkehr“, so der Minister. „Deswegen ist es dringen geboten, dass Lufthansa wesentliche Teile von Air Berlin übernehmen kann“.

Auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries befürwortet eine Stärkung der Lufthansa. „Ich würde es begrüßen, wenn die Lufthansa größere Anteile von Air Berlin übernimmt“, sagte die SPD-Politikerin dem Handelsblatt. Ein Sprecher ihres Ministeriums hatte zuvor aber betont, dass er keine Vorfestlegung gebe und die Bundesregierung nicht mit am Verhandlungstisch sitze.

Experten warnen vor Monopolstellung

Achim Wambach, der Vorsitzende der Monopolkommission, hat sich derweil gegen eine politisch motivierte Bevorzugung der Lufthansa bei der Verwertung der Flugrechte und sonstiger Vermögensbestandteile von Air Berlin ausgesprochen. Auch in Teilen der EU-Kommission wird Dobrindt Vorstoß kritisch kommentiert.

Die Gründe liegen auf der Hand: Bei innerdeutschen Verbindungen und Flügen ins EU-Ausland kontrolliert die Lufthansa mit ihren Töchtern Eurowings und Germanwings schon heute rund die Hälfte des Marktes. Mit Air Berlin und deren Tochter Niki würde der Anteil auf 63 Prozent steigen. Innerhalb Deutschlands könnte der Marktanteil der Lufthansa laut Zahlen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sogar auf bis zu 96 Prozent steigen.

Airline soll zerschlagen werden

Es gilt daher als wahrscheinlich, dass Air Berlin zerschlagen und unter mehreren Interessenten aufgeteilt wird. Trotzdem drückt Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann aufs Tempo: „Spätestens im September“ soll die Übernahme der Airline abgeschlossen sein.

Nach Informationen der BILD-Zeitung will die Lufthansa zusätzlich zu den 38 bereits geleasten Flugzeugen bis zu 70 weitere Air-Berlin-Maschinen und 3.000 Crew-Mitarbeiter für ihren Billigflieger Eurowings übernehmen. Darüber hinaus spreche Air Berlin nach eigenen Angaben mit zwei weiteren Interessenten. Dabei könnte es sich um den britischen Billigflieger Easyjet, Tuifly oder die Thomas-Cook-Tochter Condor handeln.

Neben Maschinen und Personal geht es vor allem um die Zeitfenster für Start und Landungen an Flughäfen, sogenannte Slots. Vor allem an den Drehkreuzen Berlin und Düsseldorf verfügt Air Berlin über zahlreiche Slots in den begehrten Morgen- und Abendstunden.

Ryanair nicht unter den Interessenten

Dass auch Ryanair Teile von Air Berlin erwirbt, um an weitere Slots in Deutschland zu gelangen, gilt als weniger wahrscheinlich. Denn dafür müsste der irische Billigflieger auch Personal von Air Berlin übernehmen, was Ryanair-Chef Michael O’Leary zu teuer sein dürfte. Stattdessen hat er rechtliche Schritte gegen eine Bevorzugung der Lufthansa angekündigt.

Platzhirsch bleibt Favorit

Die Lufthansa-Aktie profitiert zu Wochenbeginn von der Aussicht auf Schnäppchen aus der Insolvenzmasse. Favorit des AKTIONÄR im Airline-Sektor bleibt aber Konkurrent Ryanair, dessen Papiere ebenfalls moderat zulegen können. Auch ohne die Übernahme signifikanter Air-Berlin-Teile dürfte der Billigflieger seine Vormachtstellung in Europa weiter ausbauen. Zudem rechtfertigen eine günstige Bewertung und das attraktive Chartbild weiterhin einen Einstieg.

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| Thorsten Küfner | 0 Kommentare

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