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Die Electronic Entertainment Expo, kurz E3, war für Spielefreaks bislang das, was für Technikbegeisterte die CEBIT ist: einer der Höhepunkte des Jahres. Dieses Jahr aber war alles anders. Angeblich aus Kostengründen wurde die Messe verkleinert, rein kamen die Aussteller wenn überhaupt nur noch mit einer entsprechenden Einladung.

Die etablierte Videospielszene steht vor einer weiteren Revolution – dem Mobile Gaming.

Die Electronic Entertainment Expo, kurz E3, war für Spielefreaks bislang das, was für Technikbegeisterte die CEBIT ist: einer der Höhepunkte des Jahres. Dieses Jahr aber war alles anders. Angeblich aus Kostengründen wurde die Messe verkleinert, rein kamen die Aussteller wenn überhaupt nur noch mit einer entsprechenden Einladung. Mit dramatischen Folgen: Lediglich rund 5.000 Besucher verirrten sich in die über ganz Los Angeles verteilten Ausstellungshallen. Und wer nach den Anbietern von Handyspielen suchte, wurde praktisch komplett enttäuscht. Insbesondere Start-up-Firmen aus diesem Bereich waren erst gar nicht eingeladen worden.

Milliardenmarkt Mobile Gaming

Der Ärger in der Branche über den Ausschluss ist verständlich, denn das Mobile Gaming – dazu zählen Spiele für Sonys PSP, Nintendos DS und auch Handy-Games – ist längst mehr als ein Nischenmarkt, in dem sich nur Jugendliche und Freaks tummeln. So schätzen die Marktforscher von Gartner, dass das Mobile Gaming schon 2007 Umsätze von 4,7 Milliarden Dollar generieren wird – auch Kleckerbeträge, wie sie bei Handy-Games anfallen, summieren sich. Im Jahr 2011 soll die Branche sogar elf Milliarden Dollar umsetzen. Hauptgrund für das enorme Wachstum insbesondere im Handysegment ist die schnell steigende Zahl an Handys und deren Evolution zu Multimedia-Endgeräten.

Electronic Arts mit Vorreiterrolle

Während die Messeveranstalter der E3 so tun, als fände diese Entwicklung überhaupt nicht statt, haben einige etablierte Konzerne die Zeichen der Zeit längst erkannt. So kaufte der Spieleriese Eletronic Arts bereits Ende 2005 die US-Firma Jamdat Mobile und katapultierte sich damit an die Spitze bei Handy-Games. Neben dem Evergreen „Tetris“ umfasst die aktuelle Produktpipeline für Handys Top-Titel wie „Medal of Hornor“, „Need for Speed“ oder auch „Harry Potter“. Zusätzliches Absatzpotenzial verspricht zudem ein Deal mit Apple. So können Nutzer des iPods sich über iTunes für 4,95 Dollar Eletronic Arts „The Sims Bowling“ herunterladen. Die Geschwindigkeit, mit der Eletronic Arts seine Mobile-Sparte ausbaut, findet ihre Begründung in den Geschäftszahlen. Während sich das Umsatzwachstum im letzten Jahr mit plus fünf Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar insgesamt bescheiden ausnahm, schossen die Erlöse mit Handy-Games um rund 140 Prozent auf 139 Millionen Dollar in die Höhe.

Die kleine Softwareschmiede Glu Mobile hat sich sogar ganz den Handysegment verschrieben und fährt damit bislang ausgezeichnet. Um möglichst viele Nutzer zu erreichen, vermarktet Glu Mobile seine derzeit 140 Spieletitel an mehr als 150 Mobilfunkprovider. Tendenz steigend. Jüngster Deal ist eine Kooperation mit dem Content-Vermarkter Bplay, der wiederum Research in Motion (Blackberry) mit Glu-Titeln wie „Monopoly“ oder „Transformers“ beliefert. Neben eigenen Produktionen setzt die Firma vor allem auf Kooperationen mit Softwareherstellern wie Activision, Atari und auch Microsoft. Die aggressive Expansion zeigt Wirkung: Im letzten Quartal verdoppelten sich die Umsätze auf annähernd 16 Millionen Dollar, gleichzeitig sank der Verlust um drei Viertel auf 750.000 Dollar. Für die laufende Berichtsperiode rechnen Experten mit einem leichten Umsatzanstieg und dem Breakeven.

"Power-Play"

Das Mobile Gaming ist auf dem Vormarsch und der Spielegigant Eletronic Arts wird sich von dem Kuchen ein ordentliches Stück abschneiden. Die Aktien sind vor allem für konservativere Investoren interessant. Mit Glu Mobile – aber auch dem Pac- Man-Erfinder Namco Bandai – wählen die Anleger die spekulativere, gleichzeitig aber auch gewinnträchtigere Alternative.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 31/2007.

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