WEBZEN INC ADR
- DER AKTIONÄR

Freispiel!

Der Kursverlauf bei Webzen ist in etwa so erfreulich wie eine Darmspiegelung. Nach dem Erreichen der 10-Dollar-Marke Anfang 2006 bröckelte die Notierung kontinuierlich ab und erreichte im August ihr Tief bei 3,56 Dollar. Aktuell wechseln die Papiere zu 3,90 Dollar den Besitzer. Die Kursniveau erscheint attraktiv, denn Webzen geht es keineswegs so schlecht, wie es der Chartverlauf unterstellt.

Beim Spieleentwickler Webzen lief in der Vergangenheit einiges schief. Jetzt soll eine neue Strategie die Wende einleiten.

Der Kursverlauf bei Webzen ist in etwa so erfreulich wie eine Darmspiegelung. Nach dem Erreichen der 10-Dollar-Marke Anfang 2006 bröckelte die Notierung kontinuierlich ab und erreichte im August ihr Tief bei 3,56 Dollar. Aktuell wechseln die Papiere zu 3,90 Dollar den Besitzer. Die Kursniveau erscheint attraktiv, denn Webzen geht es keineswegs so schlecht, wie es der Chartverlauf unterstellt.

Was fehlt, ist ein Hit

Webzen entwickelt sogenannte MMOs, die Kurzform für Massively Multiplayer Online Game. MMOs sind Computerspiele im Internet, an denen gleichzeitig Tausende von Spielern teilnehmen können. Mit den Rollenspielen „MU“ und „Soul of the Ultimate Nation“ hatten die Koreaner 2004 und 2005 große Erfolge, die Nachfolger konnten die hochgesteckten Erwartungen aber nicht erfüllen. Das erklärt zumindest teilweise auch den Kursverfall, denn Game-Entwickler werden nun einmal am Erfolg ihrer Spiele gemessen. Was viele Anleger zudem irritiert, ist das Säbelrasseln der nordkoreanischen Regierung. Die Provokationen des völlig außer Kontrolle geratenen Diktators Kim Jong Il haben die Stimmung am Aktienmarkt schwer belastet und den südkoreanischen Leitindex im Sommer in die Tiefe gerissen.

Allerdings spricht einiges dafür, dass es mit Webzen schon bald wieder bergauf gehen könnte. So verfügt die Firma über mehr als 150 Millionen Dollar an Cashreserven, das entspricht fast 90 Prozent der Marktkapitalisierung. Anders ausgedrückt: Anleger zahlen für das operative Geschäft – inklusive einer vielversprechenden Spiele-Pipeline – gerade einmal zehn Prozent. Webzen ist also nicht nur nicht von der Pleite bedroht, sondern kann auch kräftig in neue Titel investieren. Darüber hinaus erzielt das Unternehmen mit seinen früheren Top-Titeln noch immer gute Umsätze. Mit dem MMO „All Points Bulletin“ (APB) hat die Firma zudem einen Pfeil im Köcher. „APB“ wurde von den Machern des Baller-Spektakels „Grand Theft Auto“ programmiert und soll im vierten Quartal 2007 auf den Markt kommen. Der Erfolg des Games, das dem Spieler unter anderem die Wahl lässt, ob er als Polizist für Recht und Ordnung oder als Mitglied einer Gang für Chaos sorgt, scheint vorprogrammiert.

Neue Märkte

Während die Gamer auf „APB“ warten, erschließt Webzen neue Märkte. Lag der Fokus des Managements bislang vor allem auf Asien, so expandiert man nun in Richtung Nordamerika. Jüngst wurden vier Schlüsselpositionen besetzt, um die Entwicklung schneller voranzutreiben. Wie es zudem heißt, sei Webzen auch an einer Ausweitung seiner Aktivitäten in den europäischen Raum interessiert. Es könnte allerdings ein wenig dauern, bis sich erste Erfolge einstellen, denn die kulturellen Unterschiede – weniger die sprachlichen als vielmehr die spielerischen – müssen erst einmal überwunden werden. Glückt aber der Einstieg in die neuen Märkte, dann könnte Webzen auf ein Portfolio bestehender Titel zurückgreifen und müsste nicht erst völlig neu entwickeln.

Sekt oder Selters

Die Aktien sind günstig bewertet und eignen sich als spekulative Depotbeimischung. Produziert Webzen auch nur einen Hit, dann dürfte es zu einem Kursfeuerwerk kommen. Aber selbst wenn es nicht sofort klappt, gehen bei den Koreanern nicht sofort die Lichter aus.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 47/2006.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zum Magazin.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema: