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Fit für das Depot?

Worauf sollten defensive Anleger achten, damit nur Aktien solider Unternehmen in ihr Depot wandern? DER AKTIONÄR hilft mit einer Checkliste für den langfristigen Vermögensaufbau weiter.

Worauf sollten defensive Anleger achten, damit nur Aktien solider Unternehmen in ihr Depot wandern? DER AKTIONÄR hilft mit einer Checkliste für den langfristigen Vermögensaufbau weiter.

Von Sebatian Grebe

Anleger, die an der Börse langfristigen Vermögensaufbau anstreben, möchten natürlich möglichst solide Aktien im Depot haben. Anders als bei der Spekulation geht es beim defensiven "Value"-Investieren nicht um schnelle Gewinne mit riskanten Papieren, sondern um kontinuierliche Kapitalvermehrung. Gleichzeitig soll das Risiko, durch einen Fehlgriff einen großen Teil des Kapitals einzubüßen, möglichst minimiert werden. Die Auswahl von geeigneten Aktien erfolgt zumeist mit den Methoden der Fundamentalanalyse.

Fundamental gut?

Anders als die technische Analyse, die Chartmuster und Indikatoren analysiert, beschäftigt sich die Fundamentalanalyse mit grundsätzlichen Fragen rund um das Unternehmen. Das Spektrum reicht dabei von der Marktstellung über das Marktpotenzial und die Qualität des Managements bis hin zu Bilanz- und Bewertungskennzahlen. Schwerpunkt einer fundamentalanalytischen Bewertung sind die Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung. Zugegeben, eine solche "Untersuchung" eines Unternehmens kann in vielen Fällen für den Privatanleger nur mit sehr viel Zeit und Aufwand durchgeführt werden - das ist auch einer der Gründe für die Beliebtheit der Technischen Analyse. Dennoch gibt es einige Messgrößen, die jeder relativ unkompliziert herausfinden und berechnen kann und die Rückschlüsse auf die Qualität eines Unternehmens erlauben.

Ein Gewinner?

Aktien sind Anteile an einem Unternehmen. Macht dieses Gewinne, so vermehrt sich sein Kapital. Somit erhöht sich auch der fundamentale Wert seiner Anteile. Im Gegenzug heißt das: Die Aktie einer Gesellschaft, die Verluste produziert, hat in einem sicherheitsorientierten Portfolio nichts verloren. Natürlich steigen auch solche Papiere oftmals stark an - meistens in jungen Wachstumsbranchen mit viel Zukunftsfantasie. Solche Wachstums- oder "Growth"-Aktien gehören jedoch nicht in ein defensives "Value"-Portfolio.

Billig oder teuer?

Vergleicht man den Gewinn eines Unternehmens mit seinem Börsenwert, so ergibt sich eine Kennzahl, mit der man die Bewertung der Aktie einschätzen kann: das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es wird berechnet, indem man den aktuellen Börsenkurs durch den erwarteten Gewinn pro Aktie teilt. Allgemein gilt: Je niedriger das KGV, desto "billiger" die Aktie. Isoliert betrachtet sagt das KGV jedoch nicht allzu viel aus. Interessanter ist der Vergleich mit ähnlichen Unternehmen. Wenn innerhalb einer solchen "Peer-Group" bei ansonsten gleichen Gegebenheiten ein Unternehmen deutlich günstiger bewertet ist als die anderen, dann sollten Anleger hellhörig werden.

Ebenfalls wichtig ist es, das KGV in Relation zum Gewinnwachstum zu sehen. Eine Faustregel besagt, dass das KGV ungefähr so hoch sein darf wie das geschätzte Gewinnwachstum in Prozent. Dann ist eine Aktie "fair" bewertet.

Eine Kennzahl, mit der dieser Sachverhalt ausgedrückt wird, ist das Price-Earnings-Growth-Ratio (PEG). Zu seiner Berechnung teilt man das KGV durch das Gewinnwachstum in Prozent. Liegt das PEG unter eins, so ist das KGV kleiner als das Gewinnwachstum. Dann gilt die Aktie als günstig bewertet.

Wem gehört das Unternehmen?

Um Hinweise auf die finanzielle Stabilität eines Unternehmens zu erhalten, kann man die Eigenkapitalquote überprüfen. Sie sagt aus, wie hoch der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital ist. Gesellschaften mit einer zu geringen Eigenkapitalquote haben hohe Schulden und sind nicht als solide einzustufen.

Leider kann im Gegenzug von einer besonders hohen Eigenkapitalquote nicht automatisch auf ein ausgezeichnetes Investment geschlossen werden. Hintergrund: Wenn sich in einem Unternehmen immer mehr Geld ansammelt, das nicht investiert wird, dann kann das beispielsweise ein Hinweis darauf sein, dass der Markt erschöpft und eine weitere Expansion nicht mehr möglich ist. So eine Aktie ist uninteressant. Die Eigenkapitalquote macht somit für Value-Investoren vor allem als Ausschlusskriterium Sinn.

Ist die Firma "flüssig"?

Ein Unternehmen sollte jederzeit in der Lage sein, seine Rechnungen zu begleichen. Kurzfristigen Verbindlichkeiten wie Lieferantenkrediten sollten auch kurzfristig verfügbare Mittel gegenüberstehen. Wenn man von "Liquidität" spricht, dann meint man in diesem Zusammenhang die "Nähe zum Geld". Bargeld oder Sichteinlagen können jederzeit zur Schuldentilgung verwendet werden. Ein Grundstück muss erst verkauft werden, bevor es zu Geld gemacht werden kann - es kann also lediglich als "Gegengewicht" für länger laufende Kredite herhalten. Als Faustregel kann gelten, dass allen Verbindlichkeiten entsprechend ihrem Zeithorizont liquidierbare Mittel gegenüberstehen sollten. Ist dies nicht der Fall, so sollten defensive Anleger die Finger von der Aktie lassen. Die entsprechenden Daten finden sich in der Bilanz des Unternehmens.

Bezahlt das Unternehmen "Zinsen"?

Dividenden sind für Anleger wie Zinsen. Aktiengesellschaften können auf ihrer Hauptversammlung beschließen, einen bestimmten Betrag pro Aktie an ihre Aktionäre auszuschütten: die Dividende. Studien haben gezeigt, dass Dividendenzahlungen gerade bei langfristigen Anlagestrategien einen guten Teil der anfallenden Gewinne ausmachen. Daher sind Dividendenaktien besonders für langfristig orientierte Anleger interessant. Vergleichbar werden die Dividenden verschiedener Unternehmen durch die Dividendenrendite. Sie errechnet sich aus der bezahlten Dividende pro Aktie geteilt durch den Aktienkurs.

Was ist sonst wichtig?

Wie steht das Unternehmen in seiner Branche da? Ist es Marktführer und verfügt über entsprechende Marktmacht, oder ist es ein Neueinsteiger, der sich erst einen Namen machen muss? Wie ist es um die Qualität und die Erfahrung des Managements bestellt? Auch die Antworten auf diese Fragen liefern deutliche Hinweise darauf, ob sich ein Unternehmen für eine defensive und langfristige Anlagestrategie eignet.

Die guten ins Töpfchen...

Neben den genannten Kennzahlen und Faktoren gibt es unzählige weitere Größen, die auf den Erfolg eines Unternehmens Einfluss nehmen. Zudem ist an der Börse der Erfolg des Unternehmens nicht immer direkt mit dem Aktienkurs verknüpft. Es gibt also kein Geheimrezept für "Buy and Hold", das eine Versicherung gegen Verluste darstellt. Mit den beschriebenen Kriterien können Anleger jedoch im Vorfeld bereits die Kandidaten aussortieren, die für eine langfristige und defensive Anlagestrategie ungeeignet sind. Ebenfalls bewährt hat sich das Rezept von Warren Buffett, dem "Papst" aller Value-Investoren: "Kaufe nur Aktien von Unternehmen, die Du kennst und deren Produkte Du verstehst!"

 

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