- DER AKTIONÄR

Finanzstarker Riese

Die Deutsche Telekom kann auf ein erfolgreiches Jahr 2004 zurückblicken. Doch es liegt noch viel Arbeit vor dem Dax-Schwergewicht.

Die Deutsche Telekom kann auf ein erfolgreiches Jahr 2004 zurückblicken.

Von Markus Horntrich

In den Jahren 2002 und 2003 ging es auf der Hauptversammlung der Deutschen Telekom hoch her. Milliardenverluste und der Ausfall der Dividende schlugen den "Volksaktionären" auf die Gemüter. In diesem Jahr dürfte es wieder zufriedene Gesichter geben. Die Telekom-Aktionäre können sich über gute Zahlen und nach zwei dividendenlosen Jahren wieder auf eine Ausschüttung freuen.

Zweitgrößter Gewinn seit Gründung

Deutschlands größtes Telekommunikationsunternehmen setzte im vergangenen Jahr mit 57,9 Milliarden Euro 3,7 Prozent mehr um als im Vorjahr und steigerte den Gewinn von 1,3 auf 4,6 Milliarden Euro. Damit erzielte der ehemalige Monopolist den zweitgrößten Gewinn seit der Gründung vor zehn Jahren. Da konnte auch die Tatsache, dass der Gewinn durch Sondereffekte in Höhe von 3,75 Milliarden Euro begünstigt war, das positive Bild nicht trüben. Auch ohne die Zuschreibungen beim Wert der US-Mobilfunklizenzen, dem Verkauf der Anteile am russischen Mobilfunkbetreiber MTS, an SES Global und weiteren Unternehmen verzehnfachte sich der Gewinn auf 2,2 Milliarden Euro. Konzernchef Kai-Uwe Ricke will daher auch die Aktionäre am Unternehmensgewinn beteiligen. Pro Anteil sollen 0,62 Euro als Dividende ausgeschüttet werden, was beim aktuellen Kurs einer ansehnlichen Dividendenrendite von 3,9 Prozent entspricht.

Schuldenberg wird kleiner

Ein gutes Stück vorangekommen sind die Bonner auch beim Abtragen ihres Schuldenberges. 2003 trübten noch 46,6 Milliarden Euro an Nettofinanzverbindlichkeiten die Bilanz. Im vergangenen Jahr generierte die Telekom jedoch einen freien Cashflow von 10,2 Milliarden Euro, so dass sich die Finanzschulden zum 31. Dezember um 11,4 Milliarden auf 35,2 Milliarden Euro reduzierten. Standard & Poor's reagierte dementsprechend mit einer Anhebung des Kreditratings. Doch die Zahlenvorlage förderte nicht nur Positives zu Tage. Während das Mobilfunkgeschäft - insbesondere in den USA - zu den Wachstumstreibern zählte, bereitet neben Sorgenkind T-Systems auch der Festnetzbereich (T-Com) Kummer, wo der Umsatz trotz hoher Zuwachsraten im DSL-Geschäft mit 4,4 Prozent auf 27,8 Milliarden Euro rückläufig war. Umbrüche im Telekommunikationsmarkt machen den Bonnern zu schaffen.

Umbruch im Telekommarkt

Das Festnetzgeschäft wurde insbesondere durch hohen Wettbewerb durch Pre-Selection- und Call-by-Call-Anbieter beeinträchtigt. Auch im laufenden Jahr ist damit zu rechnen, dass der Preisdruck bei Telefonminuten weiter zunimmt. Hinzu kommen technische Innovationen wie Internettelefonie, die das Festnetzgeschäft nicht einfacher machen. Die zunehmende Verbreitung von IP-Telefonie und Breitbandtechnik (DSL) wird mittelfristig zu einer Verschmelzung der verschiedenen Bereiche führen. Medien, Unterhaltung und Telekommunikation wird es aus einer Hand geben. Das heißt, dass TV-Konzerne auch Internetzugangs- und Telefonieprodukte anbieten werden, während Telekomunternehmen Musik- und Filmdownloads sowie andere Entertainmentdienste in ihr Portfolio integrieren werden.

Für die Deutsche Telekom bedeutet dies, dass sie ihren bestehenden Festnetzkundenstamm langfristig binden muss, etwa über Angebotspakete, die Breitbandzugang, Internettelefonie, Zusatzservices wie elektronische Mailboxen und Entertainmentprodukte enthalten. Die Integration von T-Online ist ein erster Schritt in diese Richtung. Durch die weitere Verbreitung von DSL-Anschlüssen, gemeinsam mit der Expansion ins Ausland sollte es den Bonnern gelingen, den Umsatzrückgang im Festnetztelefoniegeschäft mindestens auszugleichen. Nicht umsonst hat der Konzern bereits angekündigt, in Frankreich und Spanien einen Marktanteil von 15 bis 20 Prozent erreichen zu wollen. Auf den Umbruch im Markt ist der ehemalige Staatskonzern also gut vorbereitet und hat die ersten strategischen Schritte bereits unternommen.

Bund sorgt für Unsicherheit

Fazit: Die Aktie der Deutschen Telekom ist aktuell mit einem 2005er-KGV von 12 moderat bewertet. Zudem sorgt die hohe Dividendenrendite von 3,9 Prozent für eine Absicherung nach unten. Allerdings herrscht Unsicherheit über die Anteile, die noch im Besitz des Bundes sind, was den Kurs derzeit lähmt und einen Höhenflug trotz günstiger Bewertung unwahrscheinlich erscheinen lässt. Dennoch sind auf Jahressicht Kurse von über 18 Euro realistisch. Anleger, denen die Aktie des Telekomriesen zu langweilig ist, sollten sich untenstehenden Call-Optionsschein näher ansehen.

Finanzstarker Riese

Deutsche Telekom

 

ISIN DE0005557508
Kurs am 21.03.2005 15,40 €
Empfehlungskurs 15,40 €
Ziel 18,00 €
Stopp 14,00 €
KGV 05e 12
Chance/Risiko 4/3

 

Artikel aus DER AKTIONÄR #12/05

 

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