FERRARI
- Jochen Kauper - Redakteur

Ferrari: Aktie des Rendite-Monsters ist weiter im Aufwind

Ferrari gilt als Vorbild unter den Luxusautobauern. Freilich, Luxusautos bauen können sie mittlerweile alle. Audi mit dem R8, Mercedes mit dem AMG, Aston Martin oder Porsche.Kein anderer Hersteller schafft es allerdings, dass bei jedem verkauften Auto letztendlich so viel Geld unter dem Strich kleben bleibt wie Ferrari. Ferrari verdient pro Auto schlappe 23.967 Euro. Porsche liegt bei 16.639 Euro pro Fahrzeug. Zum Vergleich: In der Premium-Klasse der Autobauer werden in punkto Marge weitaus  kleinere Brötchen gebacken. BMW, Audi und Mercedes liegen zwischen 3.100 Euro und 3.750 Euro Gewinn je Auto.

Soll heißen: begehrte Autos zu hohen Preisen verkaufen, eine Kunst, die Ferrari quasi aus dem Effeff beherrscht. Keine andere Automarke der Welt hat ein besseres Image, (fast) kein anderer Hersteller legt die Meßlatte in punkto Rendite derart hoch, keine andere Marke kann für ihre Autos derart hohe Preise verlangen.

Gute Zahlen

Das zeigte sich erneut bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal. 1.882 Renner hat Ferrari von Januar bis März verkauft, 15 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz ist um 8,8 Prozent auf 675 Millionen Euro geklettert, der Nettogewinn auf 78 Millionen Euro gestiegen, plus 19 Prozent. „Dies ist das beste erste Quartal aller Zeiten - wir sind auf dem Weg zu einem neuen Rekordjahr", hieß es aus Maranello. Grund sind die neuen Achtzylinder-Modelle 488 GTB und 488 Spider. 8.000 Autos sind das Ziel, nach 7.322 im Vorjahr. Rund 30 Prozent der Renner gehen nach Europa, 30 Prozent in die USA, 9 Prozent nach China und Hongkong.

Das Auto-Geschäft soll stabil bleiben, besser gesagt, sogar leicht wachsen. Luxus bleibt in Mode. Das zumindest erwarten die Experten des CAR-Institut Sie prognostizieren ein Wachstum von derzeit 127.500 verkauften Autos im Luxus-Segment weltweit (2015) auf 163.000 Fahrzeuge im Jahr 2020.

Wechsel an der Spitze

Gleichzeitig gibt es eine Wachablösung ab der Spitze von Ferrari. Amedeo Fedisa ging mit 69 Jahren in Rente. Er war seit 2008 Denker und Lenker von Ferrari. Den Traumjob „erbt“ Fiat Chrysler-Chef Sergio Marchionne. Marchionne übernahm im Oktober 2014 bereits den Vorsitz im Ferrari-Verwaltungsrat. So schön es auch klingen mag, auf dem Chefsessel von Ferrari zu sitzen, auf ihn wartet kein leichter Job.

Der Verkauf mit Sportwagen, von denen Ferrari bewusst nur eine limitierte Anzahl baut, ist kein Geschäft mit hohen Wachstumsraten. 2016 sollen knapp 8.000 PS-Monster an die vermögende Kundschaft ausgeliefert werden. Der Gewinnhebel sitzt deshalb in einem anderen Segment: Das Geschäft mit Luxusgütern wie Uhren, Jacken Taschen ecetera soll massiv angekurbelt werden. Ferrari hat dazu auf der letzten Hauptversammlung vorgesorgt: Erfahrene Manager diverser Luxus-Labels wurden in den Aufsichtsrat gewählt.

 

Frischer Wind

Etwa Delphine Arnault, Vizepräsidentin von LMVH Louis Vuitton Moët Hennessy oder Adam Keswick, Chef der Holding der Mandarin Oriental Hotelgruppe. Ebenso Lapo Elkann.  Sohn der berühmten Agnelli-Familie – die die Mehrheit an Ferrari hält - ist Designer und Unternehmer. Elkann hat sein eigenes Modelabel, ist für seine kreativen Ideen und neuen Wege bekannt. Fakt ist: Ferrari braucht neue Wege, neue, frische Ideen um weiter zu wachsen. Denn, mit den roten Kraftprotzen aus der Motorenschmiede aus Maranello wird es in Zukunft nicht getan sein. Sprich: harte Arbeit steht Marchionne und seinen neuen „Beratern“. Dafür aber auch eine interessante Chance: Denn, andere Luxuslabels scheffeln Milliarden mit edlen Parfüms, coolen Sonnenbrillen oder stylischen Uhren.

 

An der Ausweitung der Marke hapert es noch

Noch hat Ferrari die Ideallinie in die High-Class der Luxus-Labels nicht gefunden. Gucci, Hermès oder Louis Vuitton sind einen Schritt voraus. Ferrari aber hat erste Schritte eingeleitet, das Geschäft neben seinen Luxus-Schlitten auszubauen. Der Gewinn pro Aktie soll 2017 auf 1,99 Euro klettern. Ferrari weißt dadurch ein KGV von rund 18 auf. Sportlich, keine Frage! LVMH wird mit 20 bewertet, Kering wird von der Börse gar ein KGV von 25 eingeräumt. Schafft es die Nobelmarke Ferrari, die Geschäfte außerhalb der Autoproduktion anzukurbeln, sind bei der Aktie durch 20 bis 25 Prozent nach oben drin.

Dabei bleiben

Die Aktie hat nach der Empfehlung in DER AKTIONÄR Ausgabe 20/2016 deutlich zugelegt. Der Aufwärtstrend ist intakt. Nächstes Ziel ist die alte Widerstandszone zwischen 45 und 46 Euro. Wird diese überwunden, hat das Papier Potenzial bis 50 Euro. Halten!

 

 

 

 

 

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