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- DER AKTIONÄR

Fernsehen war gestern

Der gewaltsame Tod des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein sollte eigentlich hinter verschlossenen Türen stattfinden. Dass trotzdem Hunderttausende von Menschen Augenzeugen der Hinrichtung wurden, ist einem seiner Henker zu „verdanken“, der sie erst mit seinem Handy aufzeichnete und den Videoclip anschließend ins Internet stellte. Der Vorgang zeigt deutlich, mit welcher Geschwindigkeit die diversen Medien miteinander verschmelzen.

Video-on-demand ist der neue Boomsektor im Internet. DER AKTIONÄR verrät, welche Aktien die Anleger jetzt im Auge behalten müssen.

Der gewaltsame Tod des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein sollte eigentlich hinter verschlossenen Türen stattfinden. Dass trotzdem Hunderttausende von Menschen Augenzeugen der Hinrichtung wurden, ist einem seiner Henker zu „verdanken“, der sie erst mit seinem Handy aufzeichnete und den Videoclip anschließend ins Internet stellte. Der Vorgang, so makaber er auch gewesen sein mag, zeigt deutlich, mit welcher Geschwindigkeit die diversen Medien miteinander verschmelzen. Diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten und wird weitere Bereiche, beispielsweise das Fernsehen, erfassen. Alles dreht sich darum, den Nutzern Videoinhalte zu jedem beliebigen Zeitpunkt, an jedem beliebigen Ort und über jedes beliebige Medium verfügbar zu machen. Die Industrie hat verstanden. Sie hat verstanden, dass sich mit Video-on-demand (VoD) und Internetfernsehen als Triebfeder zukünftig das große Geld machen lässt. Das ist auch der Grund, weshalb Kabelnetzbetreiber wie Comcast oder Time Warner Cable massiv in ihre Systeme investieren und ihr VoD-Angebot erhöhen. Die Marktforscher von In-Stat rechnen damit, dass allein in den USA das Volumen für VoD-Dienste im Kabelnetz bis 2009 auf knapp 1,3 Milliarden Dollar zulegen wird – von 700 Millionen im Jahr 2005. Zu diesem Zeitpunkt werden 27 Millionen US-Haushalte VoD-Dienste in Anspruch nehmen.

Im Internet geht die Post ab

Aber nicht nur Kabelnetzbetreiber und Medienkonzerne wollen vom VoD-Boom profitieren. Auch Firmen wie Internap Networks beanspruchen Stücke des Kuchens für sich. Das Unernehmen hat lange Zeit Lösungen für das Traffic-Management im Internet angeboten und ist im Kern dabei als Wiederverkäufer für den Branchenriesen Akamai aufgetreten. Anfang Oktober hat Internap für 217 Millionen Dollar VitalStream, einen Konkurrenten von Akamai, gekauft und damit die Seiten gewechselt. Vitalstream dürfte 2006 rund 27 Millionen Dollar Umsatz erzielt haben, 2007 sollen es bereits bis zu 45 Millionen Dollar sein. Hauptgrund für die Akquisition ist das explosionsartige Wachstum bei Videostreams gewesen. Allein 2005 wurden 18 Milliarden Clips heruntergeladen. Und mit neuen Technologien, die beispielsweise die Einbindung von Werbung erlauben und dem zusätzlichen Angebot an Kino- und Fernsehfilmen ist es unwahrscheinlich, dass dieses Wachstum mittelfristig nachlässt. Und auch bei Internap Network sieht es weiter sehr gut aus. Für das Gesamtjahr 2006 rechnet die Firma mit einem Anstieg der Erlöse um 15 bis 17 Prozent und einem Nettogewinn von bis zu drei Millionen Dollar.

Smart Modular entpuppt sich erst auf den zweiten Blick als VoD-Play, denn das Unternehmen produziert im Kerngeschäft Flash-Speicher. Diese Speicher werden beispielsweise in Notebooks verbaut, allerdings kommen sie auch in Video-Netzwerken, wie sie die großen Contentanbieter benutzen, zum Einsatz. Im selben Tempo, mit dem die Medienkonzerne und Telekomgesellschaften ihre Infrastruktur aufmotzen, ist die Nachfrage nach den Speichertechnologien von Smart Modular gestiegen. Dieser Schub verhalf der Firma im letzten Quartal (bis 30.November) zu einem Umsatzsprung von 50 Prozent auf 238 Millionen Dollar. Der Gewinn legte um 60 Prozent auf 14,6 Millionen Dollar zu. Die Markteinführung eines neuen 4-Gigabyte-Speichermoduls sollte das Wachstum weiter ankurbeln und zudem die Margen verbessern. Einziger Haken an der Sache: Smart Modular erzielt weit mehr als die Hälfte der Erträge mit zwei Großkunden.

Starke Tochter

Das Medienunternehmen Lions Gate verfügt über die Rechte an 3.000 Filmen und mehr als 2.500 Fernsehepisoden. Die ansehnliche Bibliothek könnte sich zukünftig noch stärker als bisher auszahlen, denn über das Tochterunternehmen CinemaNow treibt Lions Gate den margenstarken VoD-Bereich nach vorne. Neue Kooperationen mit Sendern wie Showtime Networks ermöglichen der Firma den Zugriff auf populäre Serien, darunter auch „L Word“. Die Episoden sollen für 1,99 Dollar angeboten werden.

VoD kommt!

Video-on-demand ist „heiß“. Besonders aussichtsreich erscheinen die Papiere von Internap Networks und Smart Modular.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 03/2007.

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