SEACHANGE
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Fernsehen nach Maß

Video-on-demand ist auf dem Vormarsch. Nach anfänglichen Zweifeln der großen Sendeanstalten haben diese nun ihre Meinung geändert. Für Seachange ist dies ein echter Befreiungsschlag.

Video-on-demand ist auf dem Vormarsch – für Seachange ein echter Befreiungsschlag.

Fernsehen ist eigentlich eine feine Sache, dumm nur, dass mittlerweile jede zehnte Ehe wegen Streitereien um das Programm geschieden wird. Die US-Firma Seachange könnte Scheidungsanwälten aber das Geschäft vermiesen, denn mittels ausgefuchster Technik lässt sich das Fernsehprogramm nun den eigenen Wünschen anpassen. Das Zauberwort heißt Video-on-demand (VOD).

24 Stunden Wunschkonzert

Digitale Festplattenrekorder, mit denen sich Sendungen per Knopfdruck aufzeichnen und archivieren lassen, beziehungsweise die ein zeitversetztes Fernsehen erlauben, sind schon länger bekannt. Video-on-demand geht aber noch einen Schritt weiter. Der Zuschauer muss Sendungen nun nicht mehr aufzeichnen, ganz einfach deshalb, weil sie ständig zum Abruf bereit stehen – 24 Stunden am Tag. Für den Datenstrom sorgen dabei spezielle Mediaserver wie die von Seachange, die bei den Sendeanstalten installiert sind und auf welche die Kunden letztlich zugreifen. Die 18-Uhr-Nachrichten verpasst? Kein Problem, dann schaut man sie eben um 21 Uhr an. Aber VOD bietet noch mehr: Die Interaktivität kann beispielsweise dazu genutzt werden, sich beim Lieblingsitaliener mal eben eine Pizza zu bestellen.

Obwohl die Vorteile von VOD nicht von der Hand zu weisen sind, ist die Marktdurchdringung noch vergleichsweise gering. Das liegt vor allem daran, dass sich die Sendeanstalten, die für die Programminhalte sorgen, lange Zeit kaum für die neue Technologie erwärmen konnten. Die Konzerne bangten offenbar um ihre Werbeeinnahmen. Im zweiten Quartal 2006 haben sich die Ansichten aber anscheinend geändert, denn wie aus dem Nichts heraus ist die Nachfrage bei Seachange in die Höhe geschnellt. Die Erlöse im Breitbandgeschäft, in das die Sparte VOD fällt, kletterten um beeindruckende 45 Prozent.

Die Zukunft beginnt heute

Maßgeblichen Anteil am Sinneswandel der Multis dürfte gehabt haben, dass Seachange das Problem mit der Werbung gelöst hat. Eine eigens entwickelte Software ermöglicht den Sendern nun die intelligente, zielgruppengerichtete Vermarktung entsprechender Einblendungen. Insgesamt meldete der Konzern Rekordumsätze von 45 Millionen Dollar. War das Angebot an verfügbaren Inhalten bislang eher gering, rüsten die Sender nun kräftig auf. Neben Nachrichten, Serien und Spielfilmen, gibt es eine Vielzahl von Spartenkanälen, aus denen der Zuschauer auswählen kann.

Der Anfang ist gemacht

Das Geschäft bei Seachange kommt auf Touren, ebenso der Aktienkurs. Nach dem jüngsten Kursanstieg von sieben auf neun Dollar sollten Investoren aber zunächst einen kleinen Rücksetzer abwarten. Kurse um acht Dollar sind klare Kaufkurse.

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