Adecco S.A.
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Fachpersonal verzweifelt gesucht

Weltmarktführer im Bereich der Zeitarbeit ist die Schweizer Firma Adecco. Lange setzte das Unternehmen vor allem auf den Massenmarkt, also auf die Vermittlung von Industriearbeitern und Bürokräften. Dieser Bereich macht bis jetzt rund 78 Prozent des Gesamtumsatzes aus, der im letzten Jahr bei umgerechnet 18,3 Milliarden Euro lag. Auch in Zukunft wird dieser Geschäftszweig die zentrale Säule von Adecco bleiben.

Zeitarbeit ist ein gutes Geschäft. Vor allem die Vermittlung von Fachkräften lässt bei den Anbietern die Kassen klingeln. Auf welche Unternehmen sollten Anleger setzen?

Weltmarktführer im Bereich der Zeitarbeit ist die Schweizer Firma Adecco. Lange setzte das Unternehmen vor allem auf den Massenmarkt, also auf die Vermittlung von Industriearbeitern und Bürokräften. Dieser Bereich macht bis jetzt rund 78 Prozent des Gesamtumsatzes aus, der im letzten Jahr bei umgerechnet 18,3 Milliarden Euro lag. Auch in Zukunft wird dieser Geschäftszweig die zentrale Säule von Adecco bleiben. Der neue Vorstandschef Dieter Scheiff kündigte jedoch an, dass dieses Geschäft zukünftig kostengünstiger betrieben werden soll. Die längere Bindung der Arbeitskräfte an Adecco und eine zentrale Abrechnung in den einzelnen Ländern sollen zur Kosteneinsparung beitragen. Zudem hat Adecco mit der Übernahme des deutschen Wettbewerbers DIS den ersten Schritt in eine wachstumsstarke Zukunft gemacht. DIS ist spezialisiert auf die Vermittlung von Fachkräften und die verspricht nicht nur ein größeres Wachstum, sondern auch deutlich höhere Margen. Zum Vergleich: Von 2004 auf 2005 steigerte Adecco den Umsatz um 6,2 Prozent. Bei DIS erhöhten sich die Erlöse um fast 19 Prozent. Während Adecco im Geschäftsjahr 2005 eine Gewinnmarge von 3,4 Prozent erzielte, lag diese bei DIS mit über 14 Prozent mehr als viermal so hoch. Die Zahlen, die Adecco jüngst für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres vorgelegt hat, verdeutlichen bereits, dass sich die DIS-Übernahme für Adecco auszuzahlen scheint: Der Umsatz erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um elf Prozent auf 5,3 Milliarden Euro, der Nettogewinn kletterte sogar um 38 Prozent auf 164 Millionen Euro. Die Gewinnmarge legte auf 4,6 Prozent zu. Die Adecco-Aktie hat seit August bereits ordentlich zugelegt. Dennoch lässt die aktuelle Bewertung noch Spielraum nach oben. Auf Basis der Schätzungen für das kommende Jahr weist Adecco ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 0,4 und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15 auf. Für einen Weltmarktführer wäre auch eine höhere Prämie durchaus gerechtfertigt. Konservativ eingestellte Anleger, die in die Boombranche Zeitarbeit investieren wollen, kommen an dem Adecco-Papier nicht vorbei.

Teurer Spezialist

Auf der britischen Insel, einem Mekka der Zeitarbeit, hat die Firma Michael Page die Branche fest im Griff. Das Unternehmen, das sich voll und ganz auf die Vermittlung von Fachkräften spezialisiert hat, setzt auf Kontinuität. Auf Vorstandschef Terry Benson, der das Unternehmen 16 Jahre lang leitete, folgte im April Steve Ingham. Auch er ist bereits seit fast 20 Jahren im Unternehmen und hat angekündigt, die in der Vergangenheit erfolgreiche Unternehmensphilosophie auch in der Zukunft fortzusetzen. Und die sieht vor allem Wachstum auf organische Weise vor. Akquisitionen plant Ingham ebenso wenig wie den logisch erscheinenden Zusammenschluss mit einem größeren Wettbewerber. Warum auch? Schließlich hat Michael Page bewiesen, dass das Unternehmen auch alleine wachsen kann. Und zwar durchschnittlich um rund 20 Prozent pro Jahr in den letzten 15 Jahren. Die Qualität, die Michael Page nicht nur in Form seines hochqualifizierten Fachpersonals verkörpert, hat ihren Preis: Auf Basis der 2007er-Schätzungen errechnet sich ein KUV von 1,8 und ein KGV von 17. Die Aktie hat in den letzten Monaten bereits eine beachtliche Performance gezeigt und notiert aktuell nur knapp unter dem Allzeithoch vom Mai dieses Jahres. In diesen Regionen könnte die Luft für das Papier dünn werden. Anleger sollten deshalb vor einem Einstieg einen Rücksetzer abwarten.

Schwedischer Geheimtipp

Ein wenig bekannter Vertreter aus dem Bereich Zeitarbeit ist die schwedische Firma Proffice. Das Unternehmen mit Sitz in Stockholm hat sich auf die Vermittlung von Arbeitskräften in Skandinavien fokussiert – und macht damit gute Geschäfte: 2005 erreichte Proffice die Gewinnzone und erzielte bei einem Umsatz von umgerechnet 263 Millionen Euro ein Plus von knapp 0,07 Euro je Aktie. Für das laufende Jahr gehen die Analysten von einem Umsatz in Höhe von rund 304 Millionen Euro und einem Gewinn von neun Cent je Anteilschein aus. Dies entspräche einer Steigerung beim Umsatz von knapp 16 und einem Gewinnplus von etwa 29 Prozent. Ähnliche Wachstumsraten prognostizieren die Experten auch für die kommenden drei Jahre.

"Zeit ist Geld"

Unter den Zeitarbeitsfirmen ist Adecco der Top-Tipp für konservative Anleger. Die Aktie von Michael Page ist gut, aber aktuell zu teuer und zudem korrekturgefährdet. Investoren, die eine etwas höhere Risikobereitschaft mitbringen, können bei Proffice zuschlagen. Die Schweden versprechen für die kommenden Jahre ein rasantes Wachstum.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 46/2006.

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