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- Thomas Bergmann - Redakteur

EZB-Chefvolkswirt malt den Teufel an die Wand - crasht der Markt bald?

Die Wirtschaft der Eurozone ist nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Europäischen Zentralbank nicht weit von einem Teufelskreis entfernt. "Das Wirtschaftsklima in der Eurozone verändert sich fundamental und nicht nur vorübergehend", sagte Peter Praet am Mittwoch in Frankfurt. Dies habe mit den Handelskonflikten und politischen Unsicherheiten, wie dem Brexit und der Lage in Italien, zu tun. "Wir sind jetzt noch nicht in einem Teufelskreis, aber wir sind nahe dran."

"Die wirtschaftlichen Bedingungen in der Eurozone sind eigentlich gut", sagte Praet. Es bestehe aber die Gefahr, dass die schlechtere Stimmung sich immer mehr auf die Realwirtschaft auswirkt. Er verwies auf die zuletzt deutlich verschlechterten Daten aus der Industrie. Es sei noch offen, ob die EZB ihr mittelfristiges Hauptszenario anpassen müsse. Er hoffe auf bald mehr Klarheit.

Wie reagiert die EZB?

Gegebenenfalls müsse auch die EZB auf die veränderten Bedingungen reagieren, so Praet. Er brachte auch neue langfristige Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs) ins Gespräch. "Die Diskussion wird bald im Rat der EZB stattfinden", sagte der Ökonom. "Das bedeutet aber nicht, dass wir eine Entscheidung treffen." Die nächste Ratssitzung mit einer Zinsentscheidung steht am 7. März an. Dann liegen auch die neuen Projektionen der Notenbank vor.

Handeln könnte laut Praet aber rasch nötig werden, falls sich die wichtige Konflikte nicht auflösten. Die Banken in der Eurozone seien wenig profitabel. Es bestehe die Gefahr, dass sie durch prozyklisches Verhalten den Abwärtstrend verstärken könnten. Er hoffe aber auch auf mehr Unterstützung durch die Politik bei der Bewältigung von Krisen. Die EZB habe in der Vergangenheit oft alleine handeln müsse. Die Notenbank sei jedoch nicht in erster Linie für die Entwicklung des Geschäftsklimas verantwortlich.

Nicht alles eitel Sonnenschein

Die Aussagen des Notenbankers scheinen die Anleger am Mittwoch nicht weiter zu stören. Nach Einschätzung des AKTIONÄR sollte man die Worte aber als Warnung im Hinterkopf behalten, denn in der Vergangenheit gab es solche Entwicklungen schon mehrfach. Sollte die Realwirtschaft tatsächlich in eine Rezession abgleiten, wäre die aktuelle Erholungsbewegung nur ein Strohfeuer in einem übergeordneten Abwärtstrend. Mehr Aufschluss darüber wird der Ifo-Index am Freitag geben.

mit Material von dpa-AFX

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