DAX
- Jochen Kauper - Redakteur

Experte Halver: "Aktien werden weiter steigen“

Zuletzt hat der DAX eine beeindruckende Rallye aufs Parkett gelegt. Zurzeit legt der Leitindex eine kleine Verschnaufpause ein. Geht es nach Robert Halver, Kapitalmarktexperte bei der Baader Bank, so werden Aktien auch in den nächsten Monaten erste Wahl bleiben.

DER AKTIONÄR: Herr Halver, müssen sich Anleger Sorgen machen weil die Kurse in letzter Zeit zu schnell und zu stark gestiegen sind?

ROBERT HALVER: Die Dynamik steigender Aktienkurse ist kein Grund, skeptisch zu werden. Dannhttp://www.deraktionaer.de/upload_beitrag/Robert%20Halver_150x200_778886.jpg wäre ja auch im Privatleben eine sehr harmonische, starke Beziehung der erste Ansatzpunkt für zukünftig völlig zerrüttete Verhältnisse. Ich denke, viele nehmen das Argument, von zu schnell und zu weit als willkommene Entschuldigung, bei Aktien nicht dabei zu sein. Die Frage ist, warum Aktien steigen. Die größte Alternativanlageklasse „Staatsanleihen" bietet teilweise negative Renditen, nach Inflation sowieso. Und Unternehmensanleihen sind mittlerweile auf Renditeniveaus abgerutscht, zu denen man früher ein Bundeswertpapier nicht mit der Kneifzange angepackt hätte.  Dazu sind viele, Anleger, auch institutionelle, immer noch zu schwach in Aktien investiert und die ultralockere Geldpolitik bleibt der beste Freund der Aktienmärkte. Im Übrigen ist der DAX ein sogenannter Performance-Index, der Dividenden mitberücksichtigt. Ohne Dividenden ist der reine Kursindex von seinen Hochständen 1997, 1999 und 2006/2007 noch teilweise weit entfernt. Luft nach oben ist also auch aus dieser Perspektive noch da.  

Sind Aktien derzeit ihrer Ansicht nach alternativlos?

Die weltweiten Notenbanken sorgen mit ihrer Liquiditätsschwemme alternativlos für Ruhe an der Krisenfront. Und schon historisch betrachtet waren Liquiditätshaussen immer schon die schönsten Aktienhaussen. Insofern ist Sachkapital insbesondere in Form von Aktien in der Tat ein alternativloses Anleger-Muss. Wer heutzutage in unserer neuen „schönen" Finanzwelt sein Geld weiter nur in Zinsvermögen statt auch in Aktien steckt, spielt Roulette, und zwar mit seiner alternativlosen Altersvorsorge. Dann muss man sich einen Spekulanten schimpfen lassen. Aktien werden weiter steigen (müssen).

Wann werden die Privatanleger die Angst vor einem Engagement in Aktien wieder ablegen?

Manche Anleger bekommen in Erinnerung z. B. an den Neuen Markt zwar schon beim Gedanken an Aktien Schnappatmung. Dass DAX & Co. neue Höchststände erreicht haben, wird vielfach als Blasenbildung abgetan. Überhaupt: Müsste man nicht Politiker oder Humorist sein, um zu behaupten, wir haben die Krise bald hinter uns? Aber es nützt nichts. Die Dinge haben sich geändert. Notenbankgeld regiert die Aktienwelt. Ich hoffe, dass es nicht bis zu einem DAX-Stand von 10.000 Punkten dauert, bis die deutschen Privatanleger an den Aktienmarkt zurückkehren. Natürlich müssen wir aufgrund der ungelösten Risiken in der Eurozone mit schwankungsintensiven Aktienkursverläufen rechnen. Dies ist aber kein Grund, nicht in Aktien zu investieren. Die Lösung dazu heißt regelmäßiges Aktiensparen: Steigen die Kurse, ist man vermögender, fallen sie, bekommt man für den gleichen Anlagebetrag mehr Anteile für z.B. die Altersvorsorge. Im Übrigen, wenn wir bei Aktien ungerechtfertigt von Blasen reden, dann sprechen wir bei Anleihen von der Mutter aller Blasen. Käme es angesichts der Krise zum Schwur, käme auch alles, was Zinsen zahlt - wie in der Finanzgeschichte üblich - unter die Räder. Das typische deutsche Übergewicht in Zinsvermögen - hier sparen wir durchschnittlich 80% an - würde zur Ruckzuck-Diät der Altersvorsorge.

Wo liegen ihrer Meinung nach die größten Gefahren für die Märkte?

Wenn die nationale Politik ihren Bevölkerungen keine vernünftige Perspektive bieten kann, drohen unkontrollierbare soziale Unruhen, deren Anfänge teilweise in den südlichen Euro-Ländern schon zu beobachten sind. Aufgrund der Reformschwäche Frankreichs, ja sogar der Reformrückabwicklung werden dort keine Arbeitsplätze geschaffen, sondern gehen sie verloren. Das schürt Frustrationen. Hat man die Bevölkerung erst einmal politisch verloren, ist es zu spät. Daran könnte dann selbst die EZB nichts mehr ändern. Zur Kompensation wird man in Spanien, Italien und Frankreich höhere Verschuldungen zulassen, um die Wirtschaft zumindest staatlich zu stützen. Dagegen wird sich auch die Bundesregierung nicht mehr wehren. Berlin ist ein finanzinstabiles Euroland lieber als eine (sozial-)politische instabile Währungsunion.

Warum würden Sie derzeit in Aktien investieren- sind es die - noch  - schwachen wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa und in den USA die evtl noch für Jahre die beste Voraussetzung für weiter steigende Kurse darstellen?

Aktuell sehen einen sich selbst tragenden US-Aufschwung nur unerschütterliche Optimisten. Und die Wirtschaft der Eurozone hinkt nicht nur, sie fährt bereits seit sechs Quartalen im Rollstuhl. Geldpolitisch muss weiter gedüngt werden, es muss geklotzt, nicht nur gekleckert werden. Sie wird alles dafür tun, um der Konjunktur wie ein Energydrink Flügel zu verleihen. Ohnehin frage ich mich, wie manches Euro-Land, Japan, England oder die USA jemals wieder normale Zinsen auf ihre biblischen Überschuldungen stemmen wollen, ohne öffentliche Parkanlagen zu Streuobstwiesen verkommen zu lassen, die Straßenbeleuchtung nur noch an Nationalfeiertagen einzuschalten oder das Militär zur Landesverteidigung mit Mistgabeln auszustatten? Eine geldpolitische Trendumkehr hält unsere Finanzwelt nicht mehr aus. „Zinswende" dürfte das Börsen-Unwort der nächsten Jahr sein. An eine geldpolitische Trendumkehr, die Aktien das Wasser abgraben würde, ist lange, noch sehr lange nicht zu denken. Es ist aber nicht nur der Zuckerrausch der Geldpolitik, der für Aktien spricht. So wachsen in den Schwellenländer die Volkswirtschaften, von Euro-Krise ist dort nichts spüren. Das zieht die Weltwirtschaft insgesamt nach oben. Wir bezeichneten früher die USA mit ihren 320 Mio. Bürgern als die Weltkonjunktur-Lokomotive. Um wie viel stabiler muss die Welt wachsen, wenn die Schwellenländer das Zehnfache an Menschen auf die Waage bringen.

Welche Werte beziehungsweise welche Branche zählen zu Ihren Favoriten?

Zu empfehlen ist ein Dreiklang von substanzstarken Aktien aus den USA, den Schwellenländern und Europa. In Amerika entwickelt sich perspektivisch eine neue Wirtschaftsstärke über z.B. Öl- und Gas-Fracking. Die Schwellenländer bauen ihre Binnenkonjunktur als weitere Standbeine zum Export auf. Hiervon profitieren deutsche Industriewerte auch aus der zweiten Reihe. Sie sorgen dafür, dass weltweit die Drehbänke laufen können. Attraktiv sind daneben Aktien mit jährlich ausgeschütteten, hohen und stabilen Dividendenrenditen, die auch für ältere Anlegerjahrgänge eine gute Alternative für schmerzhaft vermisste Zinsen zur Erhaltung ihrer Kaufkraft im Alter sind.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

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