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- Andreas Deutsch - Redakteur

Experte: Das Thema Griechenland ist noch längst nicht durch

Nach wochenlangen Verhandlungen sieht es danach aus, als ob Griechenland den Euro behalten darf. DER AKTIONÄR sprach mit Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, darüber, wie es in der Eurokrise weitergeht.

Herr Kater, sind Sie mit dem Griechenland-Kompromiss zufrieden?

Ulrich Kater: Das Ergebnis war das, was man im Rahmen dieser Währungsunion erwarten konnte. Ich bin darüber nicht überrascht, eher schon darüber, wie weitgehend sich die Gläubiger durchgesetzt haben. Unzufrieden bin wohl nicht nur ich über die Zwänge, die die Währungsunion mit sich bringt.
Man kann nicht oft genug auf die Alternativen hinweisen: entweder eine Vertiefung der Integration, das heißt auch Elemente einer Transferunion, oder die Verkleinerung des Währungsgebiets auf eine homogenere Gruppe. Die Entscheidung muss nicht sofort fallen, aber sie muss innerhalb einer politischen Initiative diskutiert und abgestimmt werden, am besten in allen Mitgliedsländern. Sonst ist die nächste Krise im Euro so sicher wie der Sonnenschein in Griechenland.

Was passiert als nächstes?

Die eigentliche Arbeit hat erst begonnen. Zunächst kommt die Ausarbeitung einer Vereinbarung auf der Basis der Grundsatzbeschlüsse beim Gipfel. Es folgt die parlamentarische Zustimmung in vielen Euro-Ländern, allen voran Griechenland. Dann kommt die Umsetzung in Griechenland selber. Da kann noch vieles geschehen, was an den Märkten auch wieder sichtbar werden kann. Grundsätzlich war aber die Einschätzung richtig, dass die Finanzmärkte wie auch die Konjunktur in Euroland gegenüber dem Griechenland-Thema relativ robust reagiert haben.

Wenn Griechenland drin bleibt, wann wird uns das Thema wieder heimsuchen?

Griechenland hat einen Finanzrahmen, in dem es sich in den kommenden drei Jahren bewegen kann. Die Griechen haben in den letzten zwei Jahren gezeigt, dass sie einen solchen Finanzrahmen wohl einhalten können: Die Defizite im Haushalt und in der Leistungsbilanz sind verschwunden. Aber der politische Preis ist hoch.

Inwiefern?

Ein Abstieg im landesweiten Lebensstandard ist kaum vermittelbar, selbst, wenn er über Jahre hinweg künstlich hochgeschraubt worden war. Selbst wenn die Regierung positiv überrascht bei der Einführung von wirtschaftsfreundlicheren Bedingungen, wird eine spürbare Besserung lange dauern. Ein gelungener Strukturwandel kann zwar sehr gute Ergebnisse hervorbringen, er braucht aber viel Zeit.


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