DAX
- Jochen Kauper - Redakteur

Experte: DAX steigt 2013 über 8.000 Punkte

Vermögensverwalter Thomas Grüner sieht gute Chancen für weiter steigende Kurse. Die Skepsis im Markt ist weiterhin hoch, viele institutionelle Anleger sind noch unterinvestiert.

Der DAX bewegte sich nach starker Eröffnung gestern kaum. Das charttechnische Widerstandsbollwerk um 7.400 Punkte hat weiter Bestand. DER AKTIONÄR nennt hier noch einmal die wichtigen Handelsmarken. Wie es im kommenden Jahr weiter gehen könnte, fragte DER AKTIONÄR Vermögensverwalter Thomas Grüner.

DER AKTIONÄR: Vor wenigen Tagen gingen die Märkte noch auf Tauchstation, bedeuten vier weitere Jahre für Obama nun vier Jahre mit bescheidenem Wachstum?

THOMAS GRÜNER: Das Ergebnis war keine echte Überraschung. Alles bleibt nahezu unverändert. Die politische Pattsituation zwischen Senat und Repräsentantenhaus wird auch in der zweiten Amtsperiode Obamas umfangreiche gesetzgeberische Eingriffe verhindern. Die erneut aufgeflackerte Angst der Investoren vor einem demokratischen Präsidenten wird bald verschwinden und den Märkten Erleichterung verschaffen. Präsidenten mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit sind gut für die Börse. Märkte lieben das.

Die Frühindikatoren in den USA zeigen in der langfristigen Betrachtung ein zuversichtliches - aber ein nicht sonderlich aufregendes Bild. Geht es weiter wie bisher, oder erwarten Sie in den USA bald eine deutliche Beschleunigung des Wachstums?

Die US-Wirtschaft wächst ganz ordentlich. Wichtig ist, dass man künftige Aktienkurse nicht eins zu eins von der BIP-Statistik ablesen kann. Anstatt auf Kleinstschwankungen im BIP zu achten, sollte man lieber das Umsatzwachstum im Auge behalten, weil Absätze die weltweite Nachfrage unmittelbar widerspiegeln. Die Aktienmärkte können sich auch bei schwacher Konjunktur hervorragend behaupten und sich im Aufschwung nur seitwärts bewegen. Das war in den 90er Jahren nicht anders. Insgesamt hat die Kursentwicklung von Aktien jedoch das BIP-Wachstum um ein Vielfaches überschritten. Das wird sich in den nächsten Jahren wiederholen. Viele Anleger sind für das kommende Jahrzehnt viel zu pessimistisch. Der Raum für positive Überraschungen ist gewaltig.

Wie gehen Sie derzeit mit dem Thema „Fiscal Cliff" um. Wird dieses von einzelnen Marktteilnehmern wieder zu sehr in den Mittelpunkt gerückt?

Die drohende US-amerikanische "Haushaltsklippe" schürt bei vielen Investoren Angst vor einer tiefen Rezession. Sie ist jedoch kein volkswirtschaftliches Problem - sie ist beinahe Politik in Reinform. Hier in Deutschland wird diese Prozedur kaum verstanden. Hätten wir in der Bundesrepublik eine ähnliche Gesetzeslage, müssten wir auch ständig mit dieser „Fiscal Cliff" umgehen und die Verschuldungsobergrenze ständig erhöhen. Auch Deutschland verschuldet sich - trotz der angeblich so guten Haushaltslage - ständig neu! Zurück in die USA: Die Mehrheit der demokratischen Senatoren wird versuchen, die Haushaltsklippe bis zu ihrer Wiederwahl im Jahr 2014 zu umschiffen. Diese Fristverlängerung wird dafür sorgen, dass das Thema „Fiscal Cliff" in der Kategorie „unbegründete Ängste" landen sollte. Isoliert betrachtet wird das Ausbleiben dieser Krise - in dem aktuellen von diversen Ängsten geplagten Märkten - für 2013 einen positiven Effekt auslösen.

Auch in Europa kämpft man an allen Ecken und Enden mit der anhaltenden Krise. Drohen Ihrer Ansicht nach keine neuen Störfeuer - schließlich ist ja das Problem um Griechenland ungelöst, was ja mitunter eine hohe Belastung für Deutschland werden könnte...

Diese Ängste sind alles andere als neu und längst vom Markt eingepreist. Trotz kurzfristiger Schwankungen bei einer Eskalation der Schuldenproblematik und einem Euro-Austritt Griechenlands - mittel- bis langfristig wird die Erleichterung überwiegen. Das Thema sorgt immer wieder für Störfeuer, aber gehört mittlerweile zur Tagesordnung. Nach und nach wird dieser negative „Bleiklotz-Effekt" auf die Märkte nachlassen.


 

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