- Andreas Deutsch - Redakteur

Das wollen wir nicht hören

Der Begriff "Euro-Rettungsschirm" ist von Börsenprofis mit Abstand zum Börsen-Unwort des Jahres gewählt worden. Laut der Börse Düsseldorf, die die Wahl bereits zum zehnten Mal veranstaltet hat, werden sich die Anleger an das Wort gewöhnen müssen. So schnell wird er nicht wieder zugespannt werden.

Die Börse Düsseldorf schreibt zur Begründung der Wahl: "Rettung bezeichnet die Beendigung einer Notlage oder das Entkommen aus einer gefährlichen Situation. Ist die Rettung erfolgt, geht das Leben glücklich weiter wie zuvor. Davon kann beim Euro-Rettungsschirm keine Rede sein. Die Hilfestellung ist zeitlich begrenzt und muss vom Empfänger zurückgezahlt werden, wobei teilweise unklar ist, ob und wie dies gelingen kann. Ohne Rückzahlung würde es sich schon eher um eine Rettung handeln, da dann die Verpflichtungen des Geretteten tatsächlich erledigt wären."

"Vertrackte Situation"

Weiter heißt es: "Außerdem ist nicht klar, um welche Art Schirm es sich handeln soll. Ist es eine Art Regenschirm, so ist die Kombination mit Rettung zumindest ungewöhnlich. Regen kommt meist in Schauern oder seltener als andauernder Wasserfall von oben. Der Regen hört früher oder später auf und die Sonne scheint wieder. Beim Euro-Rettungsschirm bleiben die Schulden übrig. Oder handelt es sich um einen Rettungsschirm für Fallschirmspringer? Unter diesen kann man nicht einmal schlüpfen, denn im Fall der Fälle hängt man daran. Definitorisch eng ist er sogar gar kein Notschirm, da die Nichtöffnung des normalen Schirmes nur als Störung und nicht als Notfall bewertet wird. Auch das passt in keiner Weise auf die vertrackte Situation der Euro-Rettungsschirmnutzer."

Bad Bank und Gewinnwarnung

Passender wäre es laut Börse Düsseldorf gewesen, den "Euro-Rettungsschirm" als Notkreditlinie auf Zeit für bis über die Ohren verschuldete Staaten zu bezeichnen.

Das "Börsen-Unwort des Jahres" wird von der Börse Düsseldorf in Anlehnung an die sprachkritische Aktion des Frankfurter Germanisten Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser ermittelt. Zum "Unwort des Jahres" wählte dessen Jury in diesem Jahr die Formulierung "Alternativlos".

Zu den bisherigen Börsen-Unwörtern zählen Bad Bank (2009), Börsen-Guru (2006) und Gewinnwarnung (2001).

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