Gold
- Markus Bußler - Redakteur

Euro, Dollar, Yen oder Gold: Währungskrieg 2014

Der Dollar wird immer stärker – zumindest wenn man ihn im Vergleich zu den gängigen Währungen wie Euro oder Yen sieht. Und auch beim Goldpreis spiegelt sich die Stärke des Dollars wider. Die US-Wirtschaft hat sich bislang am besten von der Lehman-Pleite erholt, heißt es nahezu einhellig in den Medien. Und die USA werden als erste die Zinsen wieder nach oben schrauben. Werden sie das wirklich?

Nun: Zunächst einmal scheint der Ausstieg aus QE3 beschlossene Sache zu sein. Im Oktober will die US-Notenbank FED ihr Anleihekaufprogramm auf 0 zurück fahren. Und anders als bei den vergangenen Versuchen, aus dieser lockeren Geldpolitik auszusteigen, soll es diesmal auch wirklich gelingen. Schließlich hat man genau aus diesem Grund diesmal einen schrittweisen Ausstieg genutzt. Man hat den Markt, den manch einer schon als „süchtig nach billigem Geld“ bezeichnet hat, langsam entwöhnt. Mit einer Zinserhöhung rechnen die Experten für das Frühjahr beziehungsweise dem Frühsommer 2015.

Importierte Deflation?
Die FED wiederum hat sich bislang nicht in die Karten schauen lassen. Die Zinsen werden auf absehbare Zeit niedrig bleiben, heißt es von der FED. Und die FED tut dies meines Erachtens aus gutem Grund. Denn der starke Dollar könnte für die US-Konjunktur zum ernsthaften Problem werden. Zwar ist die US-Wirtschaft nicht in dem Maße wie der Euro-Raum von Exporten abhängig, sondern lebt von der Binnenkonjunktur. Doch ein schwacher Euro und Yen beflügeln günstigere Importe von Europa beziehungsweise Japan in die USA. Und während die FED das Schreckgespenst Deflation eigentlich überwunden zu haben schien (die Inflation lag zuletzt bei 2,1 Prozent), könnte man sich über billige Importe die Deflation gleich mit importieren. Dazu könnten genau diese billigen Importe auch der US-Wirtschaft beträchtlich schaden.

Positive Realzinsen
Würde die FED aber jetzt ankündigen, die Zinsen in naher Zukunft erhöhen zu wollen, dann dürfte dies den Dollar weiter stärken. Schließlich wird damit der Dollar-Raum als Anlage für Investoren wesentlich interessanter – zumal im Dollarraum damit bald wieder positive Realzinsen winken könnten, die man im Euroraum wohl lange Zeit noch vergeblich suchen würde. All dies aber wäre Gift für die US-Wirtschaft. Die FED sitzt also in der Zwickmühle – und das dürfte die vorsichtige Haltung erklären.

Strafzölle und Interventionen
Wertet der Dollar weiter zu Euro und Yen auf – oder werten Euro und Yen weiter ab –, dann wird dies zu einem ernsthaften Problem für die FED. Freilich, die USA könnten mit Strafzöllen auf Billigimporte reagieren. Das haben die USA in der Vergangenheit mehrfach praktiziert. Doch riskiert man wirklich einen Handelskrieg mit Europa? Das scheint eher unwahrscheinlich. Denkbar wären auch direkte Interventionen auf dem Währungsmarkt. Doch die schrecken die Marktteilnehmer meist nur kurz.

Der starke Dollar spricht gegen eine Zinsanhebung. Wertet die US-Währung in den kommenden Wochen weiter auf und schadet dies der US-Wirtschaft, dann dürfte dies zu Unruhe auf den Märkten führen. Und was dann? Wird die FED wieder regulierend eingreifen? Kommt eventuell QE4? So unwahrscheinlich das heute auch klingen mag – ausschließen würde ich es nicht.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Markus Bußler | 0 Kommentare

Gold: Black Tuesday?

Der Goldpreis bricht heute zum Handelsauftakt rund 10 Dollar ein. Grund zur Panik besteht dennoch nicht. Eine Korrektur ist nach der 90-Dollar-Rallye überfällig. Anleger sollten den Bereich von 1.300 Dollar im Auge behalten. Im Idealfall fällt das Edelmetall nicht mehr unter diese Unterstützung. mehr
| Jochen Kauper | 0 Kommentare

Experte Thomas Gebert: "Vielleicht ein wenig Gold"

Möglicherweise steht der Dollar vor einer längeren Abwärtsbewegung. Der Goldpreis könnte davon profitieren. "Ich hatte an dieser Stelle vor einem Jahr eine unmittelbar bevorstehende große Dollar-Wende erwartet. Meine damalige Annahme stand diametral den Prognosen der Banken und Brokerhäuser … mehr
| Markus Bußler | 0 Kommentare

2018, das Jahr von Gold?

Starker Endspurt, starker Jahresauftakt. Der Goldpreis meldet sich eindrucksvoll zurück. Nachdem das Edelmetall schon die 200-Tage-Linie überwinden konnte, fiel auch der Widerstand bei 1.300 Dollar, als ob er nicht existent gewesen ist. Sehen wir 2018 das fulminante Comeback von Gold? mehr
| Markus Bußler | 0 Kommentare

Gold: Zehn Prognosen für 2018

2017 hat die Edelmetallangeleger nicht gerade verwöhnt. Zwar werden Gold und Silber das Jahr im Plus abschließen. Doch vor allem seit September war das Umfeld schwierig. Viele Aktien sind unter Druck geraten. Und Anleger haben frustriert das Handtuch geworfen. Doch was erwartet die Anleger 2018? mehr