- DER AKTIONÄR

Essanelle - "Unser Ziel ist der SDax!"

Der erfolgreiche Expansionskurs der Essanelle AG, der umsatzstärksten Friseursalonkette Deutschlands, wird mittlerweile auch vom Aktienmarkt honoriert. DER AKTIONÄR hat Finanzvorstand Achim Mansen zu den Perspektiven der Gesellschaft befragt.

Der erfolgreiche Expansionskurs der Essanelle AG, der umsatzstärksten Friseursalonkette Deutschlands, wird mittlerweile auch vom Aktienmarkt honoriert. der aktionär hat Finanzvorstand Achim Mansen zu den Perspektiven der Gesellschaft befragt.

DER AKTIONÄR: Sie wollen in 2005 und 2006 insgesamt bis zu 80 neue Salons eröffnen. Ist das nicht eine riskante - weil kostenträchtige - Strategie angesichts der schwachen Konjunkturaussichten?

Achim Mansen: Die Neueröffnung von Salons ist der richtige Weg, um beim Umsatz und damit auch beim Ertrag zu wachsen. Wir wissen aus unserer jahrelangen Erfahrung, dass bei neuen Salons die Standort- und dazu passende Konzeptwahl ganz entscheidend ist. Wir schauen also ganz genau hin, wo wir welche Salons eröffnen und können damit sicher gehen, sukzessive unsere Kennzahlen zu verbessern. Durch unterschiedliche Konzepte können wir dabei eine schwache Konjunkturentwicklung abfedern. Darum konzentrieren wir das Wachstum auf die dafür entsprechenden Konzepte.

Den Umsatzzuwächsen bei den "Trend-Salons" Super Cut und Hair Express stehen Rückgänge im Kerngeschäft Essanelle gegenüber. Machen Sie sich selbst Konkurrenz?

Nein. Super Cut und HairExpress sprechen zielgerichtet ganz bestimmte Kundenwünsche und damit andere Zielgruppen als essanelle an. Die Umsatzrückgänge bei essanelle resultieren zum Teil auch aus der Umfirmierung in andere Konzepte, die im bestehenden Umfeld besser zu der jeweiligen Kundenstruktur passen. Aber es ist richtig, dass Super Cut und HairExpress ganz hervorragend im Markt funktionieren.

Welche Ihrer Konzepte bringen derzeit die größten Margen? Wo wird das ertragsstärkste Konzept in fünf Jahren stehen?

Mit Blick auf den Wettbewerb machen wir keine konkreten Aussagen zu unseren einzelnen Margen. Sie können aber davon ausgehen, dass wir vor allem die margenstarken Konzepte ausbauen. Bei Super Cut und HairExpress werden wir in fünf Jahren jeweils rund 150 Salons (derzeit zusammen knapp 160) besitzen.

Wo liegt der Vorteil Ihrer Konzept-Struktur im Vergleich zum Wettbewerb?

Es ist kein Geheimnis, dass sich die Gesellschaft immer mehr nach verschiedenen Trends richtet und entsprechend konsumieren möchte. Diese Trends bilden wir in den Konzepten ab. So erreichen wir beispielsweise seit jetzt fünf Jahren mit HairExpress die weithin bekannten Schnäppchenjäger, die eine ordentliche Qualität zu einem günstigen Preis suchen. Auf der anderen Seite können wir junge und junggebliebene, trendorientierte Kunden mit Super Cut erreichen. Diese verschiedenen Entwicklungen können naturgemäß Einzelsalons nicht miteinander vereinen. Darüber hinaus fehlt hier auch häufig die Finanzierungskraft solche Konzepte im Salon umzusetzen.

Wie wollen Sie den Anteil des Handelsumsatzes von derzeit rund 14 Prozent vom Gesamtumsatz in den nächsten Jahren steigern?

Aufgrund unserer Unternehmensgröße können wir in unseren Salons die Produkte verschiedener Anbieter und unsere Eigenmarken wie keranelle anbieten. Darüber hinaus steigern wir mit unseren Beauty Hair Shops, einer Kette reiner Verkaufsoutlets, den Produktumsatz deutlich. Dieses Konzept werden wir weiter ausbauen. Wir liegen bereits jetzt beim margenstarken Verkauf weit über dem Marktdurchschnitt.

Planen Sie einen weiteren Ausbau der Konzept-Strategie?

Gut möglich. Wir haben jederzeit das Ohr am Markt und schauen, wo sich neue Chancen bieten. Auch hier heben wir uns mit unseren Ressourcen beispielsweise in der Marktforschung deutlich vom Wettbewerb ab.

Ein Aufbau von neuen Salons wird sich erst mit einem Time Lag von sechs bis zwölf Monaten ertragswirksam zeigen. Heißt das für 2005 und 2006 rückläufige Ertragszahlen?

Anlaufkosten für neue Salons belasten natürlich erst einmal den Ertrag. Nach rund sechs Monaten erwirtschaften neue Salons bereits schwarze Zahlen. Nach zwölf Monaten haben wir dann einen deutlichen Ertragssprung realisiert, dadurch dass die Neueröffnungen des Vorjahres im Folgejahr ihre volle Ertragskraft erreichen. Außerdem besitzen wir nach zwei Jahren konsequenter Anpassung unserer Kostenstruktur eine hervorragende Basis, um auch in 2005 und 2006 trotz Expansion steigende Erträge realisieren zu können. In diesem Jahr werden wir unseren Jahresüberschuss wieder im zweistelligen Prozentbereich steigern - bei gleichzeitig 30 Neueröffnungen. Langfristig werden wir eben über diese neuen, starken Salons unsere Erträge weiter verbessern.

Im Jahr 2004 haben Sie die Verbindlichkeiten um elf Millionen reduziert. Im Halbjahres-Bericht sind die Bankverbindlichkeiten unverändert zum 31.12. Werden in 2005 keine weiteren Rückführungen erfolgen?

Wir werden im zweiten Halbjahr weitere Verbindlichkeiten zurückführen. So wurden bereits im August unsere Gesellschafterdarlehen in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro getilgt. Im Laufe des zweiten Halbjahres werden wir weitere rund vier Millionen Euro Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten zurückführen. Unser Ziel einer Eigenkapitalquote von 30 Prozent für das Jahresende werden wir mit ziemlicher Sicherheit übertreffen.

In 2004 haben sie exzellente Zahlen vorgelegt (EBITDA + 20,3 Prozent; EBIT + 64,7 Prozent; Vorsteuerergebnis verdreifacht). Was können die Aktionäre in 2005 und 2006 erwarten? Wann werden Sie eine Dividende ausschütten?

Eine Dividende können wir aufgrund unserer Verlustvorträge frühestens 2007/08 ausschütten - aber mit unserer derzeitigen Strategie steigern wir Jahr für Jahr den Wert unseres Unternehmens, was sich ja auch seit 2003 in der Kursentwicklung zeigt. Dies werden wir mit Umsatzwachstum ab 2006, weiter steigenden Erträgen auch in diesem Jahr und einer weiter verbesserten Eigenkapitalquote fortsetzen. Ich denke, dies dient unseren Aktionären.

Essanelle hat einen Marktanteil von zwei Prozent. Über 90 Prozent des Marktes sind kleine Familienbetriebe. Können die nicht viel flexibler auf veränderte Marktbedingungen regieren als ein Großbetrieb mit 3.600 Mitarbeitern?

Warum sollte einer unserer Salons nicht ebenso flexibel reagieren können wie ein Einzelsalon zwei Straßen weiter? Für Flexibilität brauchen Sie außerdem, wie oben ausgeführt, finanzielle Ressourcen, die vielen Kleinbetrieben fehlen. Auch in den Bereichen Einkauf, Marketing und Personal besitzen wir deutliche Vorteile. Der durchschnittliche Umsatz unserer Salons beträgt 200.000 Euro pro Jahr und liegt damit mehr als doppelt so hoch wie der Markt. Wir sind hervorragend aufgestellt und werden dies nutzen, um den Konsolidierungsprozess im Markt aktiv zu gestalten.

Sie sind seit Jahren einem stagnierenden bis rückläufigen Markt ausgesetzt. Die durchschnittlichen Ausgaben für den Friseur sind rückläufig. Wie wollen Sie trotz diesem Trend bei Umsatz und Ertrag wachsen?

Wir entwickeln uns seit Jahren besser als der Markt. Weiteres Umsatzwachstum werden wir jedoch vor allem über Neueröffnungen realisieren können, die von den Konzepten her zur Konjunktur oder zu Nachfrage-Trends passen. Ertragssteigerungen erreichen wir über noch mehr Salons in margenstarken Konzepten, entsprechender Fixkostendegression im Overhead und einen hohen Produktverkauf. Ich denke, unser Unternehmen steht gerade erst am Anfang dieser positiven Entwicklung.

Im Friseurbereich herrscht eine hohe Zufriedenheit der Kunden mit ihrem Friseur (96 Prozent). Wie wollen Sie den zahlreichen Wettbewerbern Marktanteile abnehmen?

Die hohe Zufriedenheit stellt uns ja erst einmal ein sehr gutes Zeugnis aus. Allerdings steigt trotz der Zufriedenheit sukzessive die Wechselbereitschaft der Kunden, wie einschlägige Studien belegen. Diese Kunden erreichen wir mit unseren Premium-Lauflagen in Einkaufscentern, Verbrauchermärkten und Kaufhäusern am besten. Die bereits besprochene Entwicklung hin zu verschiedenen Trends bilden wir mit unseren Konzepten ab. Ein 16-Jähriger zum Beispiel, der seit seiner Kindheit immer zum selben Friseur um die Ecke ging, möchte nun sein Lebensgefühl von Viva, der persönlichen Ansprache mit "du", und cooler Kleidung auch beim Friseur wiederfinden - deshalb wechselt er zu Super Cut.

Wo wollen Sie mit der Essanelle Hair Group in fünf Jahren stehen?

Wir wollen unsere Position als Nummer eins im Markt weiter ausbauen. Wir werden dann mehr als 800 Salons haben und uns der 200-Millionen-Euro-Grenze beim Umsatz nähern. Unsere Aktionäre sollen uns im SDAX finden und eine angemessene Dividende erhalten. Das sind unsere Ziele, die wir Schritt für Schritt angehen.

Im ersten Halbjahr hat sich die Halder Investment - ein langjähriger Partner - von ihrem Investment getrennt. Waren sie vom Konzept und den Zukunftsaussichten der Essanelle Hair Group nicht mehr überzeugt?

Die Beteiligungsgesellschaft Halder ist ihr Investment von vornherein befristet eingegangen, hat sich planmäßig getrennt und für seine Anleger eine gute Rendite erwirtschaftet. Wir freuen uns, unseren Freefloat nun auf rund 50 Prozent gesteigert und gleichzeitig renommierte institutionelle Investoren wie DIT, Frankfurter Performance Management oder Axxion gefunden zu haben. Dies kann unserer Aktie nur gut tun.

Sie wechseln im zweiten Halbjahr von General Standard in den Prime Standard und stellen auf Rechnungslegung nach IFRS um. Wie wirkt sich das auf Ihren Ergebnisausweis aus?

Wir können davon ausgehen, dass sich dies sehr positiv auswirkt. Unsere derzeitige HGB-Prognose von 2,3 Millionen Euro Vorsteuerergebnis wird sich um mindestens eine Millionen Euro erhöhen, da wir weitgehend auf Firmenwertabschreibungen verzichten können.

Ihr größter Wettbewerber Klier GmbH hält 25,8 Prozent Ihrer Aktien. Können Sie da noch unabhängige strategische Entscheidungen treffen?

Sicher. Für Klier ist dies nach eigenen Aussagen eine reine Finanzanlage. Klier kennt die Branche so gut wie wir und hat erkannt, wie günstig diese Beteiligung über unseren Aktienkurs in den letzten Jahren war. Für uns ist das kein Problem.

Wo sehen Sie den fairen Wert der Aktie?

Das müssen andere beurteilen. Fakt ist, dass beispielsweise der einzige andere börsennotierte Friseur, das US-Unternehmen Regis, nach allen Kennzahlen von Umsatz über Cashflow bis zum KGV noch deutlich, teilweise bis zu 50 Prozent, höher bewertet wird. Das Regis-Niveau sollte unsere Aktie mittelfristig auch erreichen können.

Fazit: Machen Sie Ihren Schnitt!

Mit einem 2006er-KGV von 8 sowie einem KUV von unter 0,3 zählt Essanelle zu den günstigsten deutschen Nebenwerten. Für die Aktie spricht darüber hinaus das Interesse institutioneller Investoren, das durch den geplanten Wechsel in den Prime Standard noch zunehmen dürfte. Da auch die Charttechnik grünes Licht gibt, sind Kurse im zweistelligen Bereich bis Jahresende realistisch.

Essanelle

 

ISIN DE0005851505
Kurs am 13.09.2005 7,80€
Empfehlungskurs 7,65€
Ziel 12,00€
Stopp 6,00€
KGV 06e 8
Chance/Risiko 4/3

 

Artikel aus DER AKTIONÄR (38/05).

 

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