- DER AKTIONÄR

Erfolgreiches Modell

Der Aktionär sprach mit dem Finanzvorstand der AWD Holding, Ralf Brammer, über Rürup- und Riester-Rente sowie die Wachstumstreiber und -regionen der Gesellschaft.

Der Aktionär sprach mit dem Finanzvorstand der AWD Holding, Ralf Brammer, über Rürup- und Riester-Rente sowie die Wachstumstreiber und -regionen der Gesellschaft.

Von Thomas Bergmann

DER AKTIONÄR: Herr Brammer, AWD hat über eine Million Kunden und jährlich sollen 200.000 neue dazukommen. Ist das realistisch?

Ralf Brammer: Ein klares Ja! Denn die Nachfrage nach unabhängiger Finanzberatung und maßgeschneiderten Produkten für die Altersvorsorge ist ungebrochen hoch - und wird aufgrund der europaweit rasant fortschreitenden Privatisierung der Altervorsorge langfristig noch deutlich steigen. Im letzten Jahr haben unsere Berater 256.000 neue Kunden beraten, im Jahr davor waren es 233.000. Die Kundenbasis der AWD-Gruppe hat sich innerhalb von nur drei Jahren auf jetzt 1,45 Millionen verdoppelt. Bis zum Jahr 2008 wollen wir deshalb unsere Beratermannschaft von derzeit 6.144 auf 8.000 erhöhen und über zwei Millionen Privatkunden in ganz Europa betreuen.

DER AKTIONÄR: Sie bieten Privatkunden und Firmenkunden unabhängige Beratung und Financial Planning. Wie sieht so eine Beratung aus? Gerät man da nicht auch in den Verdacht, provisionsorientiert zu arbeiten?

Ralf Brammer: Wer sich für AWD entscheidet, entscheidet sich für kompetente, individuelle Finanzberatung, das umfassendste Produktportfolio in Europa und vor allem für Unabhängigkeit. Der Kunde erhält eine umfassende Analyse seiner finanziellen Situation. Anschließend bietet der Finanzberater mittels einer Vergleichssoftware, die auf Originalrechenkernen von über 300 renommierten Herstellern basiert, alternative Lösungskonzepte an. Die konkrete Produktauswahl erfolgt dann durch den Kunden. Hier greifen unsere Berater nur noch moderierend und erklärend ein. Der Verzicht auf eigene Produkte garantiert dem AWD-Kunden eine objektive Auswahl und eine unabhängige Beratung.

DER AKTIONÄR: Im letzten Jahr hatten Sie ein starkes Jahresendgeschäft im Bereich der Lebensversicherungen in Deutschland. Wie wollen Sie diesen Boomeffekt im Jahr 2005 ausgleichen?

Ralf Brammer: Die Basis hierfür ist unser erfolgreiches Geschäftsmodell. Unabhängige Beratung und Financial Planning sind die Garanten, um den Menschen in den unzähligen Fragen der privaten Vorsorge verlässliche Antworten zu geben. Wir können uns zudem jederzeit flexibel dem Bedarf unserer Kunden anpassen. 2005 erwarten wir in Deutschland starke Zuwächse im Bereich der staatlich geförderten Vorsorgeprodukte wie der Basis-Rente nach Rürup, der Riester-Rente und der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Aber auch die traditionelle private Rentenversicherung, flexible Fondssparpläne und der exklusiv bei AWD erhältliche Policenfonds sind Produkte mit großem Potenzial.

DER AKTIONÄR: Die Reform der sozialen Sicherungssysteme führt neben der starken Aufwertung der privaten Altersvorsorge zu substanziellen Zuwächsen bei der betrieblichen Altersvorsorge. Sie sind bereits sehr erfolgreich in diesem Marktsegment vertreten. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung?

Ralf Brammer: Wir sehen die betriebliche Altersvorsorge als einen der größten Wachstumsmärkte der Zukunft überhaupt. Erstens ist sie für unsere Kunden aufgrund hoher staatlicher Förderung äußerst attraktiv. Zweitens ist der Anteil der betrieblichen Altersvorsorge mit etwa sieben Prozent am Rentenvolumen gerade in Deutschland noch sehr gering. Für uns als Finanzdienstleister ist dieser Markt hochattraktiv, da wir Zugang zu den Belegschaften der beratenen Unternehmen gewinnen und so zusätzlich umfassende Cross Selling Potenziale ausschöpfen. Die AWD-Gruppe hat das Marktpotenzial im bAV-Bereich sehr früh erkannt. In Deutschland und Großbritannien gehören wir bereits zu den größten bAV-Beratern für mittelständische Firmen.

DER AKTIONÄR: Wie sehen Sie das Marktpotenzial in Zentral- und Osteuropa und die daraus resultierenden Wachstumschancen für AWD?

Ralf Brammer: Die AWD-Gruppe bietet als Erster in diesen Märkten Financial Planning nach den hohen westeuropäischen Standards an. Und dies verbunden mit einem internationalen Produkt- und Herstellerportfolio. Wir sehen klares Wachstumspotenzial durch Privatisierung, Dezentralisierung, das weitgehende Fehlen sozialer Sicherungssysteme und den wirtschaftlichen Aufholprozess in diesen Ländern.

DER AKTIONÄR: Wenn man sich die europäische Landkarte anschaut, sieht man immer noch weiße Flecken, in denen AWD noch nicht vertreten ist. Wie sind hier Ihre Planungen?

Ralf Brammer: Mit unserer jetzigen Aufstellung in elf europäischen Märkten sind wir sehr zufrieden. In Deutschland, Österreich, Großbritannien und der Schweiz wollen wir unsere Marktführerschaft ausbauen. In Italien und in Zentral- und Osteuropa streben wir mittelfristig eine führende Marktposition an. Sollten sich darüber hinaus interessante Alternativen bieten, werden wir uns diese genau anschauen.

DER AKTIONÄR: Was würde sich durch einen Regierungswechsel bei den geplanten vorgezogenen Bundestagswahlen für AWD ändern?

Ralf Brammer: Unabhängig von der dann regierenden Koalition ist eines klar: Zur notwendigen Verlagerung von staatlicher zu privater und betrieblicher Vorsorge, egal ob bei Gesundheit, Pflege oder Rente, gibt es keine Alternative. Den demographischen Realitäten muss sich jede Regierung stellen. Trotzdem erhoffen wir uns von einer möglichen Neuwahl eine Aufbruchstimmung in der Bevölkerung und wieder mehr Zuversicht. Zu erwarten ist dann statt Angstsparen eine sachlichere und dadurch professionellere Auseinandersetzung mit Themen wie Geldanlage, Vorsorge und Absicherung.

DER AKTIONÄR: Am 9. Juni haben Sie eine Dividende von 1,25 Euro je Aktie an Ihre Aktionäre gezahlt. Wie sieht die weitere Dividendenpolitik von AWD aus? Wird es so weitergehen?

Ralf Brammer: Mit der jetzigen Ausschüttungsquote von über 90 Prozent und einer Dividendenrendite von über vier Prozent setzen wir ein klares Zeichen und zeigen unseren Aktionären erneut, dass für AWD Wachstum und Dividendenstärke keinen Widerspruch darstellen. Unsere Ziele für 2008 sind klar formuliert: eine Milliarde Euro Umsatz mit 135 Millionen Euro Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Daran sollen dann auch unsere Aktionäre in umfassendem Rahmen teilhaben.

Umgekehrte Relationen

Die AWD Holding AG wird trotz ihrer Marktführerschaft derzeit mit einem Abschlag zum Konkurrenten MLP bewertet. Während MLP ein 2006er-KGV von 20 zugesprochen wird, beträgt bei AWD das Gewinnvielfache 18. Aufgrund der breiten Produktpalette und der internationalen Ausrichtung des Branchenführers müssten die Relationen normalerweise umgekehrt stehen. Auf Sicht von sechs Monaten hat die AWD-Aktie ein Potenzial von 20 bis 25 Prozent.

Artikel aus DER AKTIONÄR 29/05

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