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Encysive Pharma - Vor dem Durchbruch

Encysive wartet auf einen positiven Bescheid der Zulassungsbehörden. Dann will das Unternehmen den Angriff auf den Marktführer starten. Ab 2007 sollen die Gewinne sprudeln.

Encysive wartet auf einen positiven Bescheid der Zulassungsbehörden. Dann will das Unternehmen den Angriff auf den Marktführer starten. Ab 2007 sollen die Gewinne sprudeln.

Von Frank Phillipps

Eines hat die US-Biotech-Firma Encysive Pharmaceuticals vielen von der Größe vergleichbaren Konkurrenten voraus: Das Unternehmen aus Bellaire im Bundesstaat Texas hat mit dem Gerinnungshemmer Argatroban bereits ein Produkt bis zur Marktreife entwickelt. Das Medikament kommt in den seltenen Fällen zum Einsatz, in denen das Standardmittel Heparin paradoxerweise lebensgefährliche Gefäßverschlüsse auslöst. Vermarktet wird Argatroban vom Pharmakonzern GlaxoSmithKline. Encysive ist an den Umsatzerlösen beteiligt. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stiegen die Argatroban-Erlöse für Encysive im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode um 34 Prozent auf 2,7 Millionen Dollar. Das ganz große Geld erwirtschaftet Encysive damit also noch nicht.

Angriff auf den Marktführer

Den Durchbruch will Encysive mit seinem Medikament Thelin schaffen. Das Präparat, das sich derzeit im Zulassungsverfahren der zuständigen Behörden in den USA und Europa befindet, soll zur Behandlung von Überdruck in der Lungenarterie (pulmonale arterielle Hypertonie) eingesetzt werden. Ein Entscheid wird für das kommende Jahr erwartet. Auch wenn sich die US-Gesundheitsbehörde FDA gerade in der jüngeren Vergangenheit wenig berechenbar gezeigt hat, zweifeln Branchenkenner nicht daran, dass Encysive die Zulassung für Thelin erhalten wird. Dann könnte Encysive mit Thelin den bisherigen Marktführer in diesem Bereich, die Schweizer Firma Actelion, angreifen. Dieser generiert mit dem Konkurrenzprodukt Tracleer rund 95 Prozent seines Gesamtumsatzes, und der betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 2004 immerhin 400 Millionen Dollar. Analysten sprechen Tracleer sogar ein Marktpotenzial von bis zu 750 Millionen Dollar jährlich zu. Von diesem Kuchen dürfte sich Encysive eine dicke Scheibe abschneiden, denn Thelin ist - das sagen nach Expertenansicht die Ergebnisse der klinischen Studie aus - besser verträglich als Tracleer und verursacht weniger Nebenwirkungen.

Ab 2007 sollen Gewinne sprudeln

Derzeit steckt Encysive noch in den roten Zahlen: Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erwirtschaftete das Unternehmen Umsatzerlöse von drei Millionen Dollar und einen Verlust von 19,2 Millionen Dollar oder 33 Cent je Aktie. Für das Gesamtjahr rechnen die Analysten mit einem satten Fehlbetrag von 1,38 Dollar je Aktie bei einem Umsatz von etwa 12,1 Millionen Dollar. Doch bereits für das kommende Jahr prognostizieren die Experten eine wahre Umsatzexplosion: Dann sollen rund 60,7 Millionen Dollar durch die Encysive-Bücher gehen und der Verlust auf 83 Cent je Anteilschein zurückgeführt werden. Die Gewinnzone wird Encysive voraussichtlich im Jahr 2007 erreichen. Dann soll ein Plus von 20 Cent je Aktie auf der Habenseite stehen. Der Umsatz soll sich 2007 auf 133 Millionen Dollar belaufen, sich im Vergleich zum Vorjahr also noch einmal mehr als verdoppeln.

Rechtzeitig einsteigen

Die Zulassung von Thelin dürfte bei der Encysive-Aktie für einen gewaltigen Kursschub sorgen - und das Unternehmen auf direktem Weg in eine neue Dimension hieven. Ab 2006 ist mit einer Explosion bei den Umsätzen zu rechnen, 2007 sollte Encysive erstmals Gewinne erzielen. Risikofreudige Anleger greifen auf dem aktuellen Niveau zu und legen sich einige Stücke als Beimischung ins Depot.

Artikel aus DER AKTIONÄR 37/05

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