ElringKlinger
- Markus Horntrich - Chefredakteur

ElringKlinger: "Keine Panik"

Dr. Stefan Wolf, Vorstandsvorsitzender der ElringKlinger AG sieht in der aktuell angespannten Lage im Automobilsektor keinen Grund zur Panik. Im Interview mit dem AKTIONÄR macht er deutlich, wie und wo die MDAX-Firma in den nächsten Jahren wachsen wird.

Die Bremsspuren in der Automobilindustrie sind unverkennbar. Vor allem südeuropäische Hersteller haben mit der Nachfrageschwäche zu kämpfen. Allen voran die PSA-Gruppe, der kürzlich sogar Zahlungsunfähigkeit unterstellt wurde. Über die Lage in der Branche und die Aussichten beim Automobilzulieferer ElringKlinger sprach DER AKTIONÄR mit Vorstandschef Dr. Stefan Wolf.

In der Autokonjunktur gibt es erste Bremsspuren, die großen Autobauer werden vorsichtiger, wie sieht es bei ElringKlinger aus, welche Signale erhalten Sie aus der Branche?

2d - Dr. Stefan Wolf, Vorstandsvorsitzender der ElringKlinger AGDr. Stefan Wolf: Die Situation ist noch gut, wir können uns nicht beschweren. Wir hängen auch nicht ganz so stark am Markt, da wir sehr viele Produktneuanläufe haben. Diese Neuanläufe kompensieren Schwächen im Altgeschäft.

Europa ist natürlich schwach, die kleineren und mittleren Volumenhersteller in Europa haben Probleme, da in deren klassischen Märkten Portugal, Italien, Spanien wegen der Eurokrise nicht besonders viel läuft. Die USA sind dagegen noch auf einem hohen Niveau, während sich der Absatz in Asien auf hoher Basis ein wenig abschwächt. Es ist jedoch aus meiner Sicht keine Panik angesagt.

Zählen Hersteller wie PSA oder Renault zu Ihren größeren Kunden?

Es sind Kunden von uns, aber sie gehören nicht zu unseren größten Kunden. Man muss auch sagen, dass wir trotzdem gute Geschäfte mit ihnen machen, weil sie Motoren für andere Hersteller fertigen. PSA zum Beispiel für BMW, Renault liefert Motoren an Dacia und hat Lieferbeziehungen mit Nissan. Es läuft schwächer als im letzten Jahr, aber nicht unerwartet schwach.

Wie läuft die Integration der zugekauften Firmen?

Der Flachdichtungsbereich Freudenberg ist weitgehend integriert, in Frankreich können wir noch ein paar Synergieeffekte nutzen. Bei Hug Engineering, also dem Bereich Abgasnachbehandlungssysteme, haben wir noch am meisten zu tun. Hier trifft uns extrem die Stärke des Schweizer Franken, da die Gesellschaft etwa 95 Prozent ihrer Erlöse in Euro hat und 90 Prozent der Kosten in Schweizer Franken. Daher haben wir die Firma Thawa in Sachsen-Anhalt gekauft und bereits in die ElringKlinger AG integriert. Dort bauen wir derzeit eine große Halle und werden dann Teile der Produktion aus der Schweiz nach Sachsen-Anhalt verlagern, um die Abhängigkeit von der Währung zu eliminieren. Das wird aber noch bis ins erste Halbjahr 2013 dauern. Wir haben das Unternehmen durch die Restrukturierung bereits nahezu auf Null, die Gewinnzone werden wir 2013 erreichen. Wir haben mit Hug vor Kurzem auch die CARB-Zertifizierung in den USA erhalten, so dass wir im Lkw-Bereich und im stationären Bereich im Nachrüstgeschäft tätig werden können und wir haben Gespräche mit Kreuzfahrtlinien zur Ausrüstung von Schiffen mit Abgasreinigungssystemen, was sehr erfolgversprechend ist. Insofern sind wir bei Hug auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel.

Beim Werkzeugbauer Hummel ist die Integration ebenfalls weit fortgeschritten, wir werden die Firma zum 1.1.2013 auf die AG verschmelzen, und das Unternehmen dann komplett in unseren Werkzeugbau integrieren.

Welche Marge kann man mit Blick auf die Hug Engineering AG 2013 erwarten?

2013 werden wir bei Hug noch eine Konsolidierungsphase haben. Wenn wir im zweiten Halbjahr eine gute einstellige EBIT-Marge haben, sind wir zufrieden. Ab 2014 kann ich mir eine zweistellige EBIT-Marge vorstellen.

Die Märkte außerhalb der Autoindustrie scheinen immer mehr für ElringKlinger interessant zu werden. Wie interessant?

Es kommen sehr strenge Abgasvorschriften und zwar nicht nur in Europa und in den USA, sondern auch in den Emerging Marktes. Das eröffnet uns zusätzliche Absatzpotenziale. Erste Effekte werden wir bereits 2013 sehen, 2014/15, denke ich, wird es richtig losgehen.

Welche Umsatzverteilung Automotive / Nicht-Automotive ist da realistisch?

Ich denke, dass wir bei Hug auf eine Verteilung von 50 zu 50 Prozent kommen werden. Der Off-Road-Bereich, also Landmaschinen, Baumaschinen, stationäre Generatoren, ist relativ groß.

Wann erreicht ElringKlinger im E-Mobility-Bereich die schwarzen Zahlen?

Unser Ziel ist es, bereits Ende 2013 schwarze Zahlen im E-Mobility-Bereich zu schreiben. Da sich der Hybrid-Bereich gut entwickelt, müsste das auch möglich sein.

Wie wirken sich die steigenden Rohstoffpreise auf ElringKlinger aus?

Wir haben überwiegend feste Rohstoffpreise vereinbart. Wenn wir damit nicht hinkommen, verhandeln wir mit den Kunden Materialpreiszuschläge.

Zum Abschluss: Trotz der Bremsspuren im Autosektor - an Ihren Zielen für das laufende Jahr halten Sie weiterhin fest?

Wir erwarten fünf bis sieben Prozent Umsatzzuwachs, wobei ich sagen würde, dass wir eher am oberen Ende liegen werden. Dazu kommen zusätzlich rund 20 Millionen Euro aus den Akquisitionen. Und wir bleiben auch bei unserer Guidance in Bezug auf das EBIT von 145 bis 150 Millionen Euro.

Vielen Dank für das Interview.

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