Volkswagen St.
- DER AKTIONÄR

Elf Kostbarkeiten

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein Unternehmen bekannt gibt, dass es ein anderes kaufen will - oder dass entsprechende Gerüchte die Runde machen. Längst spielt es keine Rolle mehr, wie viel Gewicht ein Konzern auf die Waage bringt. Etliche Konzerne, Finanzinvestoren und Beteiligungsgesellschaften sitzen auf enorm viel Cash und können selbst Milliardendeals locker stemmen.

An der Börse grassiert das Übernahme- und Fusionsfieber – heftiger als je zuvor. Wer ist der nächste beim „großen Fressen“?

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein Unternehmen bekannt gibt, dass es ein anderes kaufen will – oder dass entsprechende Gerüchte die Runde machen. Längst spielt es keine Rolle mehr, wie viel Gewicht ein Konzern auf die Waage bringt. Etliche Konzerne, Finanzinvestoren und Beteiligungsgesellschaften sitzen auf enorm viel Cash und können selbst Milliardendeals locker stemmen. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg belief sich das Volumen bei Übernahmen und Fusionen in Europa im vergangenen Jahr auf 1,4 Billionen Euro. Im laufenden Jahr wurden hier bereits 323 Milliarden Euro investiert. DER AKTIONÄR hat analysiert, welche deutschen Gesellschaften weit oben auf dem Kaufzettel von Konkurrenten oder Investoren stehen könnten.

Fantasie auf dem Bau

Der Einstieg des spanischen Bauriesen ACS bei Hochtief vergangene Woche hat die Übernahmefantasie bei Bilfinger Berger neu angeheizt. Bilfinger Berger steht seit Langem glänzend da. Zudem ist die Gesellschaft mit einem 2008er-KGV von 19 günstiger zu haben als etwa Hochtief (KGV für 2008: 42). Nach den starken Zahlen für 2006 ist sich Vorstandschef Herbert Bodner sicher, dass der Konzern auch im laufenden und in den kommenden Jahren die Gesamtleistung erneut deutlich steigern wird. „In den letzten Jahren sind wir um zehn Prozent gewachsen. Das soll so bleiben“, so Bodner. Dabei profitiert Bilfinger Berger vor allem von der florierenden Baukonjunktur in Deutschland, wo das MDAX-Unternehmen knapp ein Drittel seiner Umsätze erzielt. Branchenkenner gehen von einer anhaltend stabilen Nachfrage aus.

Nachdem die britische Barclays Interesse an ABN Amro bekundet hat, spekulieren die Börsianer darüber, welche Bank als Nächstes ins Visier eines Konkurrenten gerät. In Deutschland gibt es gleich zwei Kaufkandidaten: Commerzbank und Postbank. Die Commerzbank wird schon seit längerem als Übernahmeziel gehandelt. Durch eine beeindruckende Restrukturierung konnte Konzernchef Klaus-Peter Müller den Börsenwert in den vergangenen Jahren deutlich steigern und so eine Übernahme (noch) verhindern. Finanzinvestoren, aber auch Konkurrenten wie die Schweizer Großbank UBS werden regelmäßig als mögliche Käufer genannt. Die Postbank ist vor allem wegen ihrer attraktiven Kundenbasis interessant. Im vergangenen Jahr steigerte das DAX-Unternehmen die Kundenzahl um 960.000 auf 14,6 Millionen. Die Experten sind sich einig, dass hier noch jede Menge Potenzial schlummert. Frischen Wind erwarten die Analysten von Wolfgang Klein, der im Juli Wulf von Schimmelmann an der Konzernspitze ablöst. Klein will die Eigenkapitalrendite der Postbank auf über 20 Prozent steigern und die Cost-Income-Ratio – also das Verhältnis von Kosten zu den Einnahmen – unter 63 Prozent senken.

Weitere Spekulationen

Ein weiteres Übernahmeziel aus dem DAX ist Volkswagen. Der Sportwagenhersteller Porsche hat vor Kurzem bekannt gegeben, dass er seinen Anteil an VW auf 29,9 Prozent ausbauen wird. Sollte die EU-Kommission im Laufe des Jahres das VW-Gesetz endlich kippen, könnte Porsche ein Kaufangebot für Volkswagen abgeben. Auch MLP ist ein Übernahmekandidat. Durchaus wahrscheinlich ist, dass sich die Deutsche Vermögensberatung AG den Heidelberger Finanzdienstleister einverleibt. Nach Problemen im vergangenen Jahr ist die jüngste Entwicklung bei MLP vielversprechend. In Deutschland profitiert MLP vor allem durch den Boom bei der privaten Altersvorsorge, im Ausland will die Gesellschaft 2007 die Gewinnzone erreichen. Zapf Creation stand bereits im vergangenen Sommer ganz kurz vor einer Übernahme. Doch weil das Management zu hoch pokerte, zog der japanische Spielzeughersteller Namco Bandai sein Angebot entnervt zurück. Langfristig ist es allerdings denkbar, dass Zapf Creation doch noch gekauft wird. Wesentlich schneller könnte es bei Techem gehen. Der Hedgefonds Elliott International hat jüngst seinen Anteil an dem Energiedienstleister deutlich auf rund 15 Prozent ausgebaut. Laut Presseberichten halten nun insgesamt 30 bis 40 Hedgefonds knapp 40 Prozent an Techem. Elliott hatte gemeinsam mit anderen Investoren Anfang Februar die Übernahme Techems durch die australische Bank Macquarie verhindert.

Auch bei Repower ist es spannend. Seit Wochen liefern sich die französische Areva und die indische Suzlon einen erbitterten Bieterkampf um das Windkraftunternehmen. Areva hat mit 140 Euro je Aktie bislang das höchste Gebot gemacht. Das Ende der Fahnenstange dürfte damit aber noch nicht erreicht sein. Weitere Übernahmekandidaten: EM. TV und Itelligence. An dem Medienunternehmen sollen sowohl Premiere als auch Highlight Communications interessiert sein. Der SAP-Dienstleister könnte gut zu IDS Scheer passen. IDS-Chef Thomas Volk plant im laufenden Jahr Zukäufe. Itelligence ist mit einem Börsenwert von 100 Millionen Euro ein Schnäppchen.

Spielen Sie mit!

Das Übernahmekarussell dreht sich so schnell wie lange nicht mehr; ein Ende des Trends ist nicht abzusehen. Hierzulande erscheinen die aufgeführten Unternehmen als aussichtsreichste Kandidaten. Bei Techem und Repower könnte die Übernahme schon bald über die Bühne gehen. Wer auf die Übernahme der anderen Konzerne setzen möchte, sollte Geduld haben.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 14/2007.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zum Magazin.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema: