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Eine Schnapsleiche?

Auf den ersten Blick ist es düster um den Spirituosenkonzern Berentzen bestellt. Die Weichen für einen Turnaround sind jedoch bereits gestellt.

Auf den ersten Blick ist es düster um den Spirituosenkonzern Berentzen bestellt. Die Weichen für einen Turnaround sind jedoch bereits gestellt.

Von Michael Lang

Wenn es um "Prozente" geht, werden Börsianer hellhörig. Insbesondere dann, wenn diese das eigene Depot in Form bringen, wie im Fall der Bierkonzerne Holsten oder Brau und Brunnen. Die Übernahme der beiden größten deutschen Braukonzerne durch ausländische Konkurrenten bescherte den Aktionären satte Gewinne.

Starker Partner?

Mittlerweile hat die Konsolidierungswelle auch die Spirituosenbranche erreicht. Der französische Konzern Pernod Ricard schickt sich an, durch den Kauf des britischen Konkurrenten Allied Domecq zur weltweiten Nummer zwei hinter Marktführer Diageo aufzusteigen. Noch zeigt sich der deutsche Markt relativ unbeeindruckt von den globalen Konzentrationsprozessen. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch inländische Spirituosenhersteller wie Berentzen ins Visier der Branchenführer geraten. Denn die Berentzen-Gruppe hat einiges zu bieten. Neben den Aushängeschildern "Berentzen", "Bommerlunder" und "Puschkin" vermarkten die Emsländer als Exklusiv-Importeur ein großes Portfolio an internationalen Lizenzmarken. Bei fruchtigen Spirituosen ist Berentzen mit einem Marktanteil von 20 Prozent Marktführer in Deutschland. Zahlen, die Begehrlichkeiten wecken könnten. Selbst innerhalb der Konzernführung gibt es hitzige Debatten darüber, ob die Eigenständigkeit zugunsten der Anbindung an einen starken Partner aufgegeben werden sollte. Neben Synergien im operativen Bereich könnte eine Zusammenarbeit mit einem internationalen Player auch Potenziale im Ausland haben: Derzeit beträgt der Exportanteil gerade einmal 18 Prozent.

Zeitenwende im Vorstand

Dass Berentzen ein starker Partner gut zu Gesicht stünde, belegen die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2004. Bei einem Umsatzrückgang von 6,9 Prozent auf 180,1 Millionen Euro (ohne Branntweinsteuer) rutschte die Gesellschaft mit einem Minus von 13,8 Millionen Euro tief in die roten Zahlen. Ein von Vorstandssprecher Jan Berentzen initiiertes Sanierungskonzept soll Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich bringen und somit die Rückkehr in die Gewinnzone im Jahr 2006 gewährleisten. Mit dem früheren Holsten-Chef Andreas Rost hat man sich einen erfahrenen Sanierungsfachmann in den Vorstand geholt. Jan Berentzen selbst wird spätestens Anfang 2007 in den Aufsichtsrat wechseln und damit erstmals seit Firmengründung im Jahr 1758 die Unternehmensleitung in familienfremde Hände legen.

Hochprozentiges fürs Depot

Die Berentzen-Aktie ist eine reinrassige Turnaround-Spekulation mit einem Schuss Übernahmefantasie. Der angekündigte Wechsel im Vorstand dürfte auch institutionelle Investoren hellhörig werden lassen. Um jedoch bei diesem "hochprozentigen" Engagement einen Kater zu vermeiden, empfiehlt sich die strikte Einhaltung von Stoppkursen.

Berentzen Vz

 

ISIN DE0005201636
Kurs am 17.06.2005 4,77 €
Empfehlungskurs 4,70 €
Ziel 7,00 €
Stopp 3,60 €
KGV 06e -
Chance/Risiko 5/4

 

Artikel aus DER AKTIONÄR 25/05

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