- Andreas Deutsch - Redakteur

Egbert Prior: Solche Geschäftsmodelle sind Goldgruben

Er kennt die Börse aus dem Effeff. Die Rede ist von Egbert Prior. Der langjährige Herausgeber der Prior Börse schreibt für Sie über seine Favoriten: deutsche Nebenwerte. Lesen Sie seine Analyse.

„Das Karrierenetzwerk Xing ist ein Selbstläufer. Binnen zehn Jahren legte der Kurs um 825 Prozent zu. Aktuell 292 Euro. Mehr als eine Million zahlende Mitglieder hat das Portal. Die Online-Firma konnte abermals Umsatz und Gewinn nach vorne bringen. Im ersten Halbjahr erhöhte sich der Umsatz um 28 Prozent auf 110 Millionen Euro.

Zur wichtigsten Einnahmequelle sind erstmals Rekrutierungen für Firmenkunden geworden (B2B). Angesichts der brummenden Konjunktur und des leergefegten Arbeitsmarkts ist es ein lukratives Geschäft. Die Suche nach Mitarbeitern wird jedenfalls immer anspruchsvoller.

Xing hat für Firmen einen Talentpool entwickelt. Ein Algorithmus hilft, wechselwilliges Personal anzuzeigen. Anhand von 50 Kriterien errechnet das Programm die Bereitschaft. So verliert der Personaler keine Zeit und hat gute Karten, wenn er einen Kandidaten mit einem Jobangebot anschreibt.

„Wir konnten auch im ersten Halbjahr (…) unser Wachstum weiter fortsetzen. Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Wir bieten Unternehmen die Produkte, die ihnen helfen, im ‚War for Talents‘ zu gewinnen, und unseren Mitgliedern helfen wir, im Dschungel der Veränderungen die Chancen zu ergreifen, die ihnen helfen, das Arbeitsleben zu führen, das sie erfüllt“, fasste Vorstandschef Thomas Vollmoeller die Erfolgsformel zusammen.

KGV ist hoch

Im zweiten Quartal übernahm er das Hamburger Start-up asap, die Plattform hilft, freie Mitarbeiter zu managen. Vollmoeller begründet den Deal damit, dass die bisherigen „Kaminkarrieren“ der Vergangenheit angehört. Traditionelle Beschäftigungsverhältnisse wandelten sich häufig in freiberufliche Tätigkeiten. Freie Mitarbeiter seien immer wichtiger für Unternehmen. Es gäbe für die Verwaltung der Freelancer keine geeigneten Lösungen.

Selbstgestrickte Produkte auf Basis von Excel seien ein Missstand. asap ermögliche es, das Wissen über Freelancer zu systematisieren und zu strukturieren. Das reduziere die Bürokratie, erhöhe die Transparenz und helfe auch den Freelancern. Die Bewertung ist mit einem KGV von 45 (2018) üppig.

Die Dividende bringt es nur auf 0,8 Prozent.

Aber dank der Digitalisierung spricht viel dafür, dass der Erfolgskurs fortgesetzt wird. Der Burda-Verlag besitzt über 50 Prozent der Aktien. Daneben sind der norwegische Staatsfonds (3,2 Prozent), Oppenheimer (fünf Prozent) und Wasatch Advisors (drei Prozent) mit von der Partie. Schlank ist Xing mit nur 1.300 Mitarbeitern.

Weiter auf Hochtouren?

Eine Erfolgsstory durch und durch: 2003 gegründet, 2006 an die Börse. Rekorde am laufenden Band. Xing ist im deutschsprachigen Raum vor dem US-Rivalen LinkedIn (im Besitz von Microsoft) führend. Xing hat 15 Millionen Mitglieder. Selbst wenn das Portal seine Websites nicht mehr ausbauen sollte (Funktionen, Webdesign), würde die Cashkuh mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter auf Hochtouren laufen. Solche Geschäftsmodelle sind Goldgruben, wenn sie schlank bleiben. Steht einmal die Website, muss man nur den Geldhahn aufdrehen. Fazit: Die Zukunft der Arbeit.

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