- Andreas Deutsch - Redakteur

Egbert Prior: Nischenplayer vor Quantensprung

Er kennt die Börse aus dem Effeff. Die Rede ist von Egbert Prior. Der langjährige Herausgeber der Prior Börse schreibt für Sie über seine Favoriten: deutsche Nebenwerte. Lesen Sie seine Analyse.

„Liebhaber klassischer Musik schätzen seit vielen Jahren den Sender Klassik Radio. Doch die Aktie fristete lange Zeit ein Mauerblümchendasein. Das hat sich geändert. In den letzten beiden Jahren hat sich der Kurs nahezu verdreifacht. Aktuell 7,15 Euro. Über die Hintergründe und die weiteren Perspektiven sprechen wir mit Ulrich Kubak.

Der Mehrheitsaktionär und CEO berichtet, dass sich die Reichweite der Augsburger in den letzten 36 Monaten verdoppelt hat. Der Sender profitiert dabei vor allem von der Digitalisierung. Früher war Klassik Radio über UKW vielerorts nicht zu empfangen, inzwischen gibt es den fast überall verbreiteten Digitalstandard DAB+.

Hohe Marge

Viel genutzt wird auch die Möglichkeit, das Programm über das Internet zu verfolgen. Die Augsburger haben zwei Rekordjahre in Folge abgeliefert. 2017 gingen 14 Millionen Euro durch die Bücher, der Jahresüberschuss 1,3 Millionen. Nettomarge fast zehn Prozent!

Vergleichen Sie: 2015 lag der Umsatz erst bei zehn Millionen und es gingen 1,3 Millionen verloren. Auch für 2018 kündigt Kubak einen weiteren Anstieg der Erlöse an. Klassik Radio ist der größte private Hörfunksender in Deutschland. Und der zweitgrößte Klassiksender weltweit! Jetzt steht das Unternehmen möglicherweise vor einem Quantensprung.

Kubak und sein Team sind Anfang des Jahres mit einem Klassik-Streamingdienst an den Start gegangen. Das Konzept ist einzigartig. Abonnenten könnten jederzeit zwischen mehr als 100 Kanälen auswählen, differenziert nach Genres, Komponisten, leichter oder schwerer Kost und so weiter. Kubak hat entsprechende Lizenzvereinbarungen mit Musikverlagen wie Universal, Sony oder Naxos abgeschlossen.

100.000 Kunden angestrebt

Der Streamingdienst Klassik Radio Select kostet im Abo 5,90 Euro monatlich. Bis Silvester möchte Kubak 10.000 zahlende Nutzer gewinnen, Ende 2019 sollen es bereits 100.000 sein. Das bedeutete – die Mehrwertsteuer rausgerechnet – einen zusätzlichen Umsatz von rund sechs Millionen! Eine Marge von 50 Prozent unterstellt, bliebe ein Vorsteuergewinn von drei Millionen hängen beziehungsweise netto schätzungsweise 2,4 Millionen.

Lange Rede, kurzer Sinn: „Klassik Radio Select“ hat das Potential den Gewinn im kommenden Jahr mehr als zu verdoppeln. Bedenken Sie, dass sich die Kosten für die Kundengewinnung – ganz im Gegensatz zu den meisten Streamingdiensten – in Grenzen halten. Das traditionelle, werbefinanzierte Klassik Radio hat aktuell eine Reichweite von 5,9 Millionen Menschen. Die Werbebotschaft kann also ohne größere Kosten genau unter der Zielgruppe gestreut werden. Besser geht es nicht!

Die Abonnenten können sich zurücklehnen und müssen sich nicht durch kilometerlange Titellisten wie bei Spotify oder Apple Music durcharbeiten. Das oben dargestellte Szenario unterstellt ergibt für 2019 einen Jahresüberschuss von mehr als drei Millionen.

Marktkapitalisierung rund 35 Millionen. Das KGV – grob geschätzt – um die 10. Lächerlich niedrig für einen – wie es Kubak formuliert – digitalen game changer. Erst möchte Kubak den Streamingdienst im deutschsprachigen Raum etablieren, später soll die internationale Expansion folgen.

Fazit: Die Börse hat das Potential des neuartigen Musikstreamingdienstes noch nicht annähernd erkannt. Die Aktie hat ein Kurspotential von mehr als 100 Prozent. Wegen der verhältnismäßig geringen Investitionen ist das Risiko überschaubar. Limitieren! Die Aktie ist wenig liquide.“

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