Hugo Boss
- Andreas Deutsch - Redakteur

Egbert Prior: Keine lumpigen Zahlen mehr von Hugo Boss

„Der Nobelschneider aus Metzingen ist zurück“, freut sich Egbert Prior, Herausgeber der Prior Börse. Lesen Sie seine ausführliche Analyse.

„Im zweiten Quartal klingelten 57 Millionen Euro netto in der Kasse. Fünfmal so viel wie im Vorjahreszeitraum, als nur 11 Millionen Euro verdient wurden. Allerdings hinkt der Vergleich: Im Vorjahr mussten hohe Schließungskosten im Handel verdaut werden. Der Umsatz stieg um zwei Prozent auf 636 Millionen Euro.

Die Erwartungen übertraf der MDAX-Konzern. Die Aktie legte am Mittwoch nach der Bekanntgabe um 6,5 Prozent auf 69,46 Euro zu.

„Das zweite Quartal ist erfreulich verlaufen. Überall wo wir Baustellen hatten, haben wir Fortschritte gemacht“, freut sich Chef Mark Langer. Besonders in den USA und Online läuft es besser.

Sie müssen wissen: Im Einzelhandel tobt ein gnadenloser Kampf ums Überleben. Das Internet hat das alte Ladengeschäft in der Innenstadt oder auf der grünen Wiese ins Abseits manövriert. Heute wird mit ein paar Klicks im Internet bestellt. Die Ware steht am Folgetag vor der Haustür. Online-Händler und traditionelle Krämer bieten neuerdings einen kostenlosen Versand an. Weniger Menschen wollen mit dem Auto herumfahren und sich durch Einkaufshallen quälen. Zumal die Verkäufer nicht immer freundlich sind.

Was die traditionsreichen Modehäuser angeht, so befinden die sich in einem Abwärtsstrudel. Hierzulande hält der Kampf von Tom Tailor und Gerry Weber an, sie arbeiteten sich ein klein wenig nach oben. Die Kurse sind aber auf lange Sicht verlumpt.

In den USA kämpfen GAP, Ralph Lauren, Coach, Michael Kors, Abercrombie & Fitch. Ihr Geschäft wächst nicht mehr. Den Vorständen fehlt ein Konzept. Hinzu kommen aggressive Fast-Fashion-Anbieter wie Zara, die alles mit moderner Billig-Kleidung aufrollen.

Allerdings sieht es so aus, als ob Hugo Boss die Kurve kriegt. Es bleiben zwei oder drei Quartale abzuwarten. Es gibt Konzerne, die wissen, wie man mit Mode in traditionellen Niederlassungen punktet. Hugo Boss scheint dazuzugehören.

Beim Online-Geschäft kommen die Schwaben weiter. Zwischen April und Juni legte hier der Umsatz um neun Prozent zu. In der gleichen Zeit sprudelte der freie cash flow mit 125 Millionen Euro. Die Nettoverschuldung sank im Gegenzug auf 166 Millionen Euro.

Hält der Schwung an, dürfte es in einigen Quartalen keine Schulden mehr geben. Es gibt 438 Länden. 14 wurden geschlossen und zehn eröffnet. Auf Jahressicht soll der Umsatz stabil bleiben.

Der freie cash flow soll auf 250 Millionen Euro steigen, das Ergebnis im niedrigen zweistelligen Prozentbereich voran kommen. Die beiden Kernmarken sollen Boss (gehobene Business- und Freizeitkleidung) und Hugo (trendige, junge Kunden) bleiben. Die Auftragslage beider Marken sei stabil, sagte Langer. Gut läuft das Freizeitsegment.

Bedenken Sie: 60 Prozent vom Umsatz entfällt auf normale Freizeitkleidung, 40 Prozent auf das Business-Segment. Der Börsenwert entspricht dem 1,7-fachen Umsatz. KGV (2018) circa 17. Dividende 4,3 Prozent. Allein die Dividende spricht für die Aktie. Fazit: Wir sehen 20 Prozent Kurspotential. Kaufen!

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

Milliardär und DFB = Top-Chance

Am 19. Januar hatte DER AKTIONÄR einen Turbo auf Hugo Boss in sein Hebel-Depot aufgenommen. Die Spekulation damals: Nachdem die Trendwende in China geschafft und die Position in einem schwierigen europäischen Markt verteidigt wurde, würde der Modehersteller mit der Fokussierung auf die Herrenmode … mehr