- Andreas Deutsch - Redakteur

Egbert Prior: Verzehnfachung, dann Absturz - wie geht es mit dieser Aktie weiter?

Er kennt die Börse aus dem Effeff. Die Rede ist von Egbert Prior. Der langjährige Herausgeber der Prior Börse schreibt für Sie über seine Favoriten: deutsche Nebenwerte. Lesen Sie seine Analyse.

„Der Kurs der Vectron-Aktie hatte sich innerhalb von weniger als zwei Jahren mehr als verzehnfacht. Im Mai 2017 schoss die Notiz bis auf 38,55 Euro. Die Börse war begeistert über eine Kooperation mit Coca-Cola. Gemeinsam wollten die Partner auf Basis der bestehenden GetHappy-App eine Restaurant-Plattform (Tisch reservieren, Essen bestellen, liefern lassen und so weiter) aufbauen.

Ursprünglich sollte das Portal im Herbst letzten Jahres an den Start gehen. Doch der Launch wurde immer wieder verschoben. Prompt geriet die Aktie auf die schiefe Bahn und halbierte sich bis Anfang Juli.

Plötzlich ist der Chef weg

Dann erfolgte am 6. Juli. der Paukenschlag: CEO Oliver Kaltner, der zur Umsetzung der Digitalisierungsstrategie erst im Februar an Bord geholt worden war, verlässt das Unternehmen Knall auf Fall. Das Zepter übernimmt Mitgründer Thomas Stümmler, der das Unternehmen schon vorher geleitet hatte.

Der Aktie bekam die Rolle rückwärts nicht gut, der Kurs stürzte nach der Mitteilung um 35 Prozent von 20,55 Euro auf zwischenzeitlich nur noch 13,46 Euro am Dienstag vergangener Woche. Mittlerweile hat sich die Notiz wieder etwas erholt auf 16,28 Euro.

Über die Hintergründe und wie es weitergeht, sprechen wir mit Stümmler. Er sei nicht der richtige Mann gewesen, begründet der alte und neue CEO die Trennung von Kaltner. Der ehemalige Microsoft-Manager habe zu sehr durch die Brille eines Großkonzerns geblickt. Das habe zum Mittelständler aus der westfälischen Provinz nicht gepasst.

Noch Fantasie

„GetHappy ist nicht vom Tisch“, tritt Stümmler Anlegersorgen entgegen. „Wir haben eine Reihe von Eisen im Feuer“, versichert der Unternehmer. Über Coca-Cola hinaus sei man mit weiteren Firmen im Gespräch und sondiere Potentiale, die über GetHappy noch hinaus gingen.

Die grundlegende Strategie bleibe indes unverändert, das heißt, das traditionelle Kassengeschäft soll in Richtung Onlineplattform entwickelt werden.

Schon in den nächsten Wochen könnte diesbezüglich die eine oder andere positive Meldung über den Ticker gehen. Für den laufenden Turnus dämpft Stümmler die Erwartungen. 2018 sei ein „Übergangsjahr“.

Der Umsatz dürfte zwischen 25 und 30 Millionen landen, wobei der break even bei 28 Millionen liege. Das heißt, auch ein Verlust ist möglich. 2017 gingen 32 Millionen durch die Bücher, unter dem Strich blieb eine Million Gewinn. Für die kommenden beiden Jahren erwartet Stümmler aber eine Sonderkonjunktur.

Von 2020 an schreibt der Gesetzgeber „manipulationssichere Kassen“ vor. Ein großer Teil der Kassen in der Gastronomie muss noch umgerüstet werden. 2019 und 2020 könnten hieraus ein zusätzlicher Umsatz von 75 Millionen jährlich resultieren.

Jetzt kommt’s drauf an

Grob geschätzt bliebe 2019 und 2020 jeweils ein Nettogewinn von 16 bis 20 Millionen hängen. Aktuell beträgt die Marktkapitalisierung gut 100 Millionen. Damit ist der Börsenwert – zumindest teilweise – vom traditionellen Kassengeschäft abgedeckt. Obendrauf gibt es die weiter bestehende Phantasie, Vectron zu einer Onlineplattform in der Cloud auszubauen. Fazit: Einen entsprechenden positiven newsflow vorausgesetzt, kann die Aktie wieder steigen."

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV