- Andreas Deutsch - Redakteur

Egbert Prior: Hier stimmt die Chemie

Er kennt die Börse aus dem Effeff. Die Rede ist von Egbert Prior. Der langjährige Herausgeber der Prior Börse schreibt für Sie über seine Favoriten: deutsche Nebenwerte. Lesen Sie seine Analyse.

„Das erste Börsenjahr war durchwachsen. Nach einer Gewinnwarnung im Oktober stürzte der IBU-tec-Kurs ab. IBU-tec produziert beispielsweise Materialien, die in Autokatalysatoren zum Einsatz kommen und wurde zum Opfer des Dieselskandals.

 In einem verunsicherten Markt schrumpften die Umsätze. Ende vergangener Woche machte die Aktie aber einen Freudensprung von 16 auf 18 Euro. Das Unternehmen mit Sitz in Weimar meldete eine große Übernahme. Ein Quantensprung. Durch die Akquisition soll sich der annualisierte Umsatz mehr als verdoppeln auf 45 bis 50 Millionen, für den Gewinn wird eine unterproportionale Zunahme erwartet.

Statt der bisherigen Prognose für das Ebitda – knapp fünf Millionen – wird jetzt eine Bandbreite zwischen 5,5 und 7 Millionen in Aussicht gestellt. Einmalige akquisitionsbedingte Effekte bleiben dabei außen vor. IBU-tec sieht sich als Entwicklungs- und Produktionsdienstleister der Industrie für Thermische Verfahrenstechnik zur Behandlung anorganischer Pulver und Granulate.

Immer mehr Gewicht bekommen Stoffe, die in Batterien zum Einsatz kommen. Ein großer Chemiekonzern mit Sitz Ludwigshafen hat beispielsweise unlängst beschlossen, in das Geschäft mit Grundstoffen zur Produktion der Akkus einzusteigen, die in Elektroautos zum Einsatz kommen.

IBU-tec unterstützt dabei den Kunden bei der Entwicklung und baut am eigenen Standort eine Pilotproduktion auf. Der Zukauf, BNT Chemicals aus Bitterfeld, scheint wie eine ideale Ergänzung. Eine der Kernkompetenzen von IBU-tec ist die Trocknung unter sehr hohen Temperaturen, während sich BNT auf die Nasschemie spezialisiert hat. Schnittmenge beider Verfahren ist die Trocknung.

Während IBU-tec bislang als Dienstleister unterwegs war, verfügt BNT über ein Produktportfolio. Auch die Kundenbasis verspricht eine Ausweitung der Geschäfte. IBU-tec erschließt sich neue Zielbranchen wie die Pharma- oder Glasindustrie. Synergien ergeben sich auch daraus, dass IBU-tec einen zusätzlichen Standort in Bitterfeld aufbaut, nur einen Steinwurf entfernt von der BNT-Produktionsstätte. Die verhältnismäßig niedrige Profitabilität kann man auch als Chance sehen.

Unternehmensgründer, Hauptaktionär und CEO Ulrich Weitz möchte BNT in den kommenden Jahren auf Effizienz trimmen. Wenngleich wir den Eindruck gewonnen haben, dass man sich von der langfristigen Zielrendite – 20 Prozent Ebit – vorerst verabschiedet hat.

Fazit: IBU-tec setzt den langjährigen Wachstumskurs fort. Mit einem Börsenwert von rund 72 Millionen ist die Aktie moderat bewertet. Langfristig orientierte Anleger sollten auf ihre Kosten kommen.“

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