- DER AKTIONÄR

Ebay - "Skype" statt Hype

Der Kurs der Ebay-Aktie hat seit Jahresbeginn ein Drittel seines Wertes eingebüßt. Zudem fehlt der Notierung des Online-Versteigerers derzeit die Dynamik. Kein Wunder - rückläufige Wachstumsraten und eine fragwürdige Übernahme machen die Anleger skeptisch.

Der Kurs der Ebay-Aktie hat seit Jahresbeginn ein Drittel seines Wertes eingebüßt. Zudem fehlt der Notierung des Online-Versteigerers derzeit die Dynamik. Kein Wunder - rückläufige Wachstumsraten und eine fragwürdige Übernahme machen die Anleger skeptisch.

Von Sascha Grundmann

Ebay-Aktionäre kennen an der Börse eigentlich nur eine Richtung: die nach oben. Denn innerhalb der sechs Jahre von seinem Börsengang 1998 bis zum Ende 2004 erzielte das Ebay-Papier eine Performance von fast 8.000 Prozent, das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von über 100 Prozent.

Einst gefeiert - und jetzt?

2005 scheint allerdings nicht das Jahr der Ebay-Aktie zu sein. Seit dem Höchstkurs im Dezember hat die Notierung deutlich korrigiert, bis April dieses Jahres verlor der Kurs gar die Hälfte seines Wertes. Seitdem zeigt sich die Börse uneinig über das Potenzial des Papiers, sein Kurs schwankt zwischen 30 und 45 Dollar. Aber was hat die Börsianer gegenüber dem einstigen Börsenliebling so unsicher gemacht? Immerhin wurde das Geschäftsmodell von Ebay - und das zu Recht - einst von Analysten und Anlegern gleichermaßen gefeiert. Denn wie die Marke "Tempo" für das Papiertaschentuch und "Tesa" für den Klebestreifen steht, steht "Ebay" für die Versteigerung im Internet.

Langsam reift aber an der Börse das Bewusstsein, dass die Wachstumsraten bei Ebay nicht in den Himmel wachsen: Wie man anhand der Grafik (siehe links) erkennt, baut Ebay seinen Gewinn seit 2000 zwar Jahr für Jahr aus - allerdings lässt die Dynamik nach. Und damit lässt sich schwerlich eine überhöhte Bewertung rechtfertigen.

Nur mäßig angetan

Doch nicht nur diese Entwicklung sorgt derzeit für fehlenden Zuspruch. Auch der jüngste Plan von Ebay, den Internet-Telekommunikationsdienst Skype zu übernehmen, stößt am Markt auf Skepsis. Skype, das unter anderem Voice over IP, also Internet-Telefonie anbietet, soll in das Ebay-Geschäft integriert werden. Käufer und Verkäufer, die über die Plattform Ebay zusammenkommen, sollen künftig via Skype über das Telefon verhandeln können. Doch auch wenn man sich von Seiten der Ebay-Führung um Vorstandschefin Meg Whitman überzeugt von dem Skype-Deal gibt und auf Synergieeffekte pocht - Fakt ist, dass Ebay bis zu 4,1 Milliarden Dollar für ein Unternehmen zahlen will, das im laufenden Geschäftsjahr gerade einmal 60 Millionen Dollar umsetzt. Und mal ehrlich - bezieht Ebay nicht gerade daher seinen Charme, dass man mehr oder weniger anonym im Versteigerungsangebot stöbern und mitsteigern kann? Wer will denn wirklich mit demjenigen am Telefon reden, dem man seine Mütze, seine Briefmarkensammlung oder sein Handy abkauft? Zudem weisen einige Experten daraufhin, dass die Übernahme von Skype für die von Ebay vorgegebenen Zwecke überhaupt nicht vonnöten gewesen wäre; der Kauf einer Lizenz für Skype oder einer vergleichbaren Software zur Internet-Telefonie hätte ausgereicht - und mit Sicherheit nicht mehrere Milliarden Dollar verschlungen.

Derzeit kein Kauf

Mit einem 2006er-KGV von 37 ist Ebay angesichts einer rückläufigen Gewinndynamik hoch bewertet. Zudem dürfte sich kurz- bis mittelfristig auch die Milliarden-Akquisition des Internet-Telekommunikationsdienstes Skype negativ auf die Kursentwicklung auswirken. Aktuell ist das Ebay-Papier daher nach Ansicht des AKTIONÄRS kein Kauf.

 

Artikel aus DER AKTIONÄR (40/05).

 

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