Eastman Kodak
- Martin Weiß - stellv. Chefredakteur

Eastman Kodak: 3-Milliarden-Dollar-Wette

Der einstige Dow-Jones-Wert Eastman Kodak hat einen brutalen Absturz hinter sich. Zuletzt legte die Aktie aber gegen den Trend zweistellig zu. Der Konzern will einen Teil seiner Patente versilbern und Anleger spekulieren auf Milliardengewinne.

Rauf, runter, rauf: Der Aktienkurs von Eastman Kodak fährt Achterbahn, seitdem bekannt wurde, dass der Foto-Riese einen Teil seines Patentportfolios zu Geld machen will. Die Käufer stehen Schlange. "Bei uns steht das Telefon nicht mehr still", sagte Eastman-Chef Antonio Perez. Gleiches gilt für den Aktienkurs. Der erhöhte sich am Dienstag um mehr als zehn Prozent auf 3,40 Dollar. Seit Mitte vergangener Woche beträgt das Plus damit schon 30 Prozent.

Heiße Spekulation

Als Eastman Kodak gegründet wurde, war Johannes „Jopi" Heesters, mittlerweile stramme 107 Jahre alt, noch überhaupt nicht auf der Welt. Mit anderen Worten: den Konzern gibt es schon eine halbe Ewigkeit. Das hohe Alter bleibt aber die einzige Gemeinsamkeit, die sich die Schauspiellegende und das US-Unternehmen teilen. Denn während Heesters in der Vergangenheit ziemlich viel richtig gemacht hat, lief beim Foto-Pionier etliches schief - vor allem in den letzten zehn Jahren.

Der Boom in der digitalen Fotografie wurde  zunächst verschlafen und die anschließende Aufholjagd kostete nicht nur hunderte Millionen Dollar, den Platz im Dow Jones Industrial Average (Dow 30) Index und Daniel Carp 2005 seinen Posten als Vorstandschef. Die Anstrengung war auch völlig nutzlos. 2006 wurde der Ausstieg aus der Produktion digitaler Fotokameras beschlossen.

Folgt Eastman Motorola?

Fünf Jahre später hat das Management zwar noch immer nicht den Weg aus der Krise gefunden - Analysten rechnen für 2011 mit einem Verlust von 452 Millionen Dollar -, dennoch schoss die Aktie Mitte August urplötzlich steil in die Höhe und erreichte bei drei Dollar das höchste Niveau seit Anfang Juli. Ein Auslöser war das Gerücht, wonach Google sich nach Motorola Eastman Kodak einverleiben könnte. Die Aussicht auf einen Deal ist dabei weit weniger utopisch, als es auf den ersten Blick erscheint. Eastman kooperiert mit Motorola seit 2006 bei mobilen Imaging-Technologien.

Ein weiterer Punkt: Kodak verfügt über zahllose Patente für die digitale Bildbearbeitung. Mit dem Portfolio könnte ein Käufer die Konkurrenz gehörig unter Druck setzen - sie sich zumindest aber vom Leib halten. Analysten haben das Portfolio bewertet und kommen auf einen möglichen Verkaufspreis von bis zu drei Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Selbst nach dem jüngsten Anstieg weist Eastman Kodak lediglich einen Börsenwert von 920 Millionen Dollar auf. Und für Google wäre das ein Klacks.

Für Mutige

DER AKTIONÄR hat die Aktie von Eastman Kodak (WKN 850937) vor dem Hintergrund eines möglichen Deals bereits in Ausgabe 35/11 zum Kauf empfohlen und hält an der positiven Einschätzung fest. Die Gerüchteküche brodelt und das dürfte den Aktienkurs weiter antreiben. Risikofreudige Anleger steigen im Bereich um 2,30 Euro mit „Spielgeld" ein. 

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