Deutsche Bank
- Werner Sperber - Redakteur

EamS: Selbst DAX-Konzerne und Konkurrenten müssen der Deutschen Bank schon (verbal) helfen

Die Euro am Sonntag verweist auf alte Gerüchte um eine notwendige Kapitalerhöhung der Deutschen Bank und neue Gerüchte, die sich um die Solvenz, also Zahlungsfähigkeit, drehen. Derzeit wird vor allem über die drohende Strafe von bis zu 14 Milliarden Dollar in den USA gesprochen. Das dortige Finanzministerium fordert diese Summe, wegen des Vorgehens der Deutschen Bank bei der Vergabe und der Risiko-Weitergabe von Hypotheken in den USA. Dabei hat das Institut lediglich noch fünf Milliarden Euro für alle 8.000 derzeit laufenden Rechtsstreitigkeiten zurückgelegt. Weitaus gefährlicher sind die Spekulationen einiger Hedgefonds, die den Handel mit der Bank teilweise eingestellt haben, weil sie vermuten, die Bank könnte zu wenig Geld haben, um allen aktuellen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

 

Frank Engels, Fondsgesellschaft Union Investment, beteuert dagegen: „Die Deutsche Bank ist für uns keine Krisenbank.“ Es bestehe keine Gefahr, dass die Bank ihre finanziellen Verpflichtungen nicht erfüllen könne. Jürgen Hambrecht, Aufsichtsrats-Vorsitzender von BASF, mahnt: „Die deutsche Industrie braucht eine Deutsche Bank, die uns in die Welt hinaus begleitet.“ Mittlerweile wird sogar über eine Geldspritze von DAX-Unternehmen für die Deutsche Bank spekuliert.

 

Daraufhin sackte der Aktienkurs ab. Vorstandsvorsitzender John Cryan sagte, die Bank verfüge über flüssige Mittel von 215 Milliarden Euro, eine Gefahr wie bei der insolventen US-Bank Lehman Brothers drohe nicht. Wettbewerber wie Goldman Sachs oder JP Morgan bezeichneten die Liquiditätslage der Deutschen Bank als stabil und – sollen – weitere Hilfen angeboten haben, unter anderem Geld für eine Kapitalerhöhung. Darüber hinaus gab es Meldungen, wonach die Strafe in den USA geringer ausfallen könnte. Die Notierung der Deutschen Bank erholte sich daraufhin sehr kräftig.

 

Cryan spart, was aber zumindest noch wenig bringt. Cryan möchte weniger Investmentbanking, was aber bislang die Erträge für die Bank eingebracht hat – und die Gründe für die Gerichtsverfahren. Cryan muss die riskanten Geschäfte verringern. Zudem belasten auch die Branchenprobleme mit den niedrigen Zinsen beziehungsweise den Strafzinsen. Wegen dieser schwachen Ertragslage ist es auch zumindest ein langfristiges Unterfangen, die finanzielle Lage der Bank durch das Einbehalten von Gewinnen stärken zu wollen. Andererseits ist eine Kapitalerhöhung aufgrund des abgesackten Aktienkurses schwierig. Zudem muss Cryan nicht nur Geld für die Bank beschaffen sondern auch Vertrauen in sie zurückholen; er muss überzeugend darlegen, wie eine neue Organisation das Bestehen und Gewinne der Bank tragen soll. Cryan möchte vielleicht werthaltige Unternehmensteile verkaufen. Jedenfalls berichtet die Financial Times, die Deutsche Bank prüfe einen Börsengang der Vermögensverwaltungssparte Deutsche Asset Management. Cryan schloss noch im September einen Verkauf aus.

 

Die Euro am Sonntag erklärt, wenn die Deutsche Bank in den kommenden Tagen über Verhandlungserfolge mit dem US-Finanzministerium berichten kann, dürfte der Aktienkurs zulegen. Andererseits wird die Notierung wohl weiter stark schwanken, weil die Risiken in der Bilanz und die Risiken aus den zahlreichen anderen Rechtsstreitigkeiten hoch sind. Deshalb sollten Anleger die mit einem KBV von 0,3 und einem KGV von 8 für das nächste Jahr bewertete Aktie verkaufen.

 


 

Kasse statt Masse
Autor: Dellinger, Elisabeth / Fisher, Ken

ISBN: 9783864703188
Seiten: 352
Erscheinungsdatum: 22.07.2015
Verlag: Börsenbuchverlag
Art: gebunden
Verfügbarkeit: als Buch und als eBook erhältlich

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten finden Sie hier

Ken Fisher ist unter Investoren und Börsianern eine Legende. Als Anleger ist er ein sogenannter Contrarian. Das heißt, er denkt und handelt anders, als es die Masse der Anleger tut. Sind alle skeptisch, steigt er ein. Sind alle euphorisch, wird er vorsichtig.
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