E.on
- Nikolas Kessler - Volontär

E.on: So reagieren die Analysten auf das Kursdebakel

Nach dem Kursrutsch bei den Aktien der Energieversorger haben mehrere Analysten ihre Einschätzung zu E.on angepasst. Mit Ausnahme von Bernstein scheinen die Experten die Hoffnung auf Besserung vorerst verloren zu haben. Mittlerweile hat sich auch E.on selbst zu Wort gemeldet.

Nach Medienberichten, wonach den Energieversorgern Rückstellungen in Höhe von 30 Milliarden Euro für den Atomausstieg fehlen, hat sich nun auch E.on-Finanzvorstand Michael Sen geäußert. Die Rückstellungen von 16,6 Milliarden Euro seien richtig und nach geltendem Recht und Gesetz bilanziert. „Ich kann mir kein anderes Ergebnis des Stresstests vorstellen, als dass wir mit unseren Rückstellungen konform mit den internationalen Bilanzierungsregeln sind“, sagte Sen der Börsen-Zeitung.

DZ Bank und Independent Research raten zum Verkauf

Die DZ Bank hat ihr Kursziel für E.on von 8,30 auf 7,00 Euro gesenkt und ihre Verkaufsempfehlung bestätigt. Die Höhe der Rückstellungen für den Rückbau von Atomkraftwerken sowie für die Entsorgung des Atommülls sei ein erheblicher Unsicherheitsfaktor, schrieb Thorsten Wenzel. Er halte es aber für äußerst unwahrscheinlich, dass von den Konzernen tatsächlich gefordert werde, die Rückstellungen derart zu erhöhen.

Das Analysehaus Independent Research hat E.on derweil von "Halten" auf "Verkaufen" abgestuft und das Kursziel von 9,40 auf 8,00 Euro gesenkt. Nach den in der vergangenen Woche angekündigten milliardenschweren Wertberichtigungen wäre die massive Aufstockung der Rückstellungen ein weiterer Angriff auf die Bilanz- und Verschuldungskennzahlen des Konzerns, schrieb Analyst Sven Diermeier in einer Studie vom Dienstag. Die Dividendenpolitik dürfte nicht mehr tragfähig sein und eine Kapitalerhöhung sei nicht ausgeschlossen.

Bernstein bleibt bullish

Weiterhin optimistisch äußerten sich dagegen die Experten von Bernstein Research. Dass den deutschen Energiekonzernen für den Atomausstieg Rückstellungen von bis zu 30 Milliarden Euro fehlen, halte sie für ein Extrem-Szenario, schrieb Analystin Deepa Venkateswaran zur Begründung.

Zudem beziehe sich der Artikel auf einen Entwurf eines Gutachtens der Wirtschaftsprüfer und nicht auf die endgültige Version. Die Expertin hat ihr „Outperform“-Rating mit einem Kursziel von 16,40 Euro bestätigt. Ausgehend vom aktuellen Kursniveau würde dies einem Kurspotenzial von mehr als 100 Prozent entsprechen.

Aktie meiden

Die Spekulationen über die Atomrückstellungen haben die E.on-Aktie gestern schwer getroffen. Der Dax-Titel ging am Dienstag mit einem Abschlag von über sechs Prozent aus dem Handel. Da auf mittlere Sicht kaum Besserung in Sicht ist, sollten Anleger den Versorger-Titel weiterhin meiden.

(Mit Material von dpa-AFX)

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