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- DER AKTIONÄR

Dunkle Wolken über dem Tech-Sektor

Dass das zweite Quartal für viele Technologiefirmen traditionell die schwächste Periode des ganzen Jahres ist, ist kein Geheimnis. Allerdings waren die jüngsten Ergebnisse einiger US-Unternehmen selbst vor diesem Hintergrund noch so enttäuschend, dass ihre Aktienkurse förmlich einbrachen. Ausreißer im positiven Sinn gab es nur wenige. Generell zeigt sich die Tech-Börse Nasdaq derzeit nicht in bester Verfassung.

Die jüngsten Quartalsergebnisse der amerikanischen Hightech-Unternehmen haben ein uneinheitliches Bild geliefert. Sind IT-Aktien überhaupt noch kaufenswert?

Dass das zweite Quartal für viele Technologiefirmen traditionell die schwächste Periode des ganzen Jahres ist, ist kein Geheimnis. Allerdings waren die jüngsten Ergebnisse einiger US-Unternehmen selbst vor diesem Hintergrund noch so enttäuschend, dass ihre Aktienkurse förmlich einbrachen. Ausreißer im positiven Sinn gab es nur wenige. Generell zeigt sich die Tech-Börse Nasdaq derzeit nicht in bester Verfassung.

Internet-Riesen auf Talfahrt

Regelrecht eingeschlagen hat es etwa bei Yahoo und Amazon: Das Internetportal und das Online-Kaufhaus gaben für das zweite Jahresviertel wesentlich schwächere Zahlen bekannt als erwartet. Zwar lag bei Yahoo der Gewinnrückgang von 78 Prozent im Rahmen der Prognosen der Wall-Street, allerdings enttäuschten sowohl Umsatz als auch Ausblick. Lange Gesichter auch bei den Amazon-Aktionären: Aufgrund höherer Investitionen und eines kostspieligen Versandkostenprogramms ging das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr um rund 58 Prozent zurück. Die Aktienkurse von Yahoo und Amazon gaben am Tag der Bekanntgabe der Zahlen jeweils um über 20 Prozent nach. Ebay präsentierte sich ebenfalls von der schwachen Seite. Das Online-Auktionshaus musste einen Gewinnrückgang um 14 Prozent hinnehmen. Zudem bestätigte es seinen vorsichtigen Ausblick. Prompt stiegen die Sorgen der Anleger vor einer Verlangsamung des Wachstums – und die Notierung setzte ihre seit einem halben Jahr andauernde Talfahrt fort. Aus dem Kreis der Internet-Giganten überzeugte lediglich Google. Die Online-Suchmaschine konnte das Nettoergebnis mehr als verdoppeln – und damit die Erwartungen der Analysten wieder einmal weit übertreffen. Google verdiente 721,1 Millionen Dollar oder 2,33 Dollar pro Aktie. Ohne Sonderfaktoren waren es 2,49 Dollar; die Wall Street hatte 2,22 Dollar erwartet. Der Umsatz wuchs um 77 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar.

Renner "Mac" und "iPod"

Auch in anderen Tech-Bereichen gab es Licht und Schatten. So überzeugte etwa der Mobiltelefon-Anbieter Motorola. Vor allem dank seines ultraflachen Handy-Modells „Razr“ konnte der Konzern sowohl Umsatz (um 29 Prozent auf 10,9 Milliarden Dollar) als auch Gewinn (um 50 Prozent) steigern. Apple glänzte ebenfalls: Hohe Verkaufszahlen für „Mac“-Rechner und die verschiedenen Modelle des MP3-Players „iPod“ sorgten für steigenden Umsatz und Gewinn; Apple übertraf die Analystenschätzungen deutlich. Eher durchwachsen präsentierte sich Intel. Der Chip-Hersteller schloss mit einem deutlich niedrigeren Gewinn ab als im Vorjahr. Der war, da Intel aufgrund des wachsenden Konkurrenzdrucks durch AMD seine Preise gesenkt hatte, auch erwartet worden. Allerdings fiel der Umsatz niedriger aus, als die Analysten prognostiziert hatten.

Bereits vor der tatsächlichen Bekanntgabe seiner Quartalszahlen Mitte August versetzte Dell den Markt in Schockzustand. Aufgrund des Preiskampfes im PC-Markt schraubte der Computer- und Drucker-Anbieter die Erwartungen der Anleger herunter: Die Analysten hatten ein Plus von 0,32 Dollar pro Aktie erwartet, der Konzern rechnet jetzt mit nur noch 0,21 bis 0,23 Dollar. Die Nachricht führte zu einem Ausverkauf bei Technologieaktien, was den Index Nasdaq Composite auf ein Niveau drückte, das er zuletzt vor 14 Monaten gesehen hatte. Es war die schärfste Korrektur seit über zwei Jahren, das Minus seit Mitte April beträgt nun fast 20 Prozent. Zu den wenigen Lichtblicken gehörte IT-Gigant Microsoft. Der musste zwar, bedingt durch die hohen Entwicklungskosten der Spielkonsole Xbox 360, einen Gewinnrückgang verbuchen, erzielte allerdings ein besseres Ergebnis als prognostiziert. Zudem überraschte Microsoft mit einem freundlichen Ausblick: Der Konzern peilt nun einen bis zu 200 Millionen Dollar höheren Umsatz an als vorher. Was die Aktionäre derzeit ebenfalls überzeugt, ist die Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms und das Potenzial des neuen Betriebssystems Vista.

Microsoft und Motorola ins Depot

Nach den jüngsten Zahlen herrscht Katerstimmung im Tech-Sektor. Nur in wenigen Bereichen locken Aktien zum Einstieg. So sind Internet-Papiere wie Yahoo und Ebay derzeit definitiv nicht erste Wahl; Google hat zwar starke Zahlen abgeliefert, ist aber mit einem 2007er-KGV von 29 bei einem prognostizierten Wachstum von 30 Prozent auch schon angemessen bewertet. Wer Tech-Werte in sein Depot nehmen will, sollte auf Microsoft (Vista-Fantasie) und Motorola (neue Handymodelle) setzen.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 32/2006.

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