Design Bau
- DER AKTIONÄR

Duell der Häuslebauer

Jungen Familien mit Kindern den Traum vom Eigenheim zu erfüllen, ist die Intention der Dienstleister Design Bau und Helma Eigenheimbau. Während der eine (Design Bau) schon seit gut einem Jahr an der Börse gelistet ist, wagte Helma Eigenheimbau erst vor drei Wochen den Sprung aufs Parkett. Allerdings musste die Gesellschaft das Aktienangebot und den Ausgabepreis reduzieren.

Nach der Design Bau AG ist seit kurzem mit der Helma Eigenheimbau AG ein weiterer Baudienstleister im Entry Standard der Frankfurter Börse gelistet. DER AKTIONÄR hat beide Gesellschaften unter die Lupe genommen.

Jungen Familien mit Kindern den Traum vom Eigenheim zu erfüllen, ist die Intention der Dienstleister Design Bau und Helma Eigenheimbau. Während der eine (Design Bau) schon seit gut einem Jahr an der Börse gelistet ist, wagte Helma Eigenheimbau erst vor drei Wochen den Sprung aufs Parkett. Allerdings musste die Gesellschaft das Aktienangebot und den Ausgabepreis reduzieren, um letztendlich ihre 700.000 Stücke zu je 20 Euro am Markt zu platzieren. Zur Erinnerung: 20 Euro (vor dem 1:1-Aktiensplit) betrug auch der Ausgabepreis bei Design Bau im Oktober 2005.

Auf den ersten Blick ähnelt sich das Geschäftsmodell der beiden Gesellschaften. Sie bieten beide Einfamilien, Zweifamilien- und Doppelhäuser in Massivbauweise an. Doch bei genauerem Hinsehen bestehen deutliche Unterschiede: Design Bau verkauft überwiegend Ausbauhäuser an Familien mit niedrigem Einkommen, während die Kunden von Helma in erster Linie aus den mittleren und höheren Einkommensschichten stammen.

Der gravierendste Unterschied liegt jedoch in der Tiefe der Wertschöpfungskette: Design Bau realisiert einen Großteil der Bruttomargen aus dem Verkauf selbst erworbener und erschlossener Grundstücke. Das Unternehmen erwirbt in der Regel große unerschlossene Grundstücksareale, die dann entwickelt und zusammen mit den Ausbauhäusern weiterveräußert werden. Im Gegensatz dazu konzentriert sich Helma auf den Verkauf der Eigenheime.

Unterschiedliches Vertriebskonzept

Beim Vertrieb gehen Design Bau und Helma ebenfalls unterschiedliche Wege. Im Rahmen seines Musterhauskonzeptes hat Helma in den letzten Jahren 26 Musterhäuser erstellt, die sich flächendeckend über den Norden und die Mitte Deutschlands verteilen. Ein voll etabliertes Musterhaus generiert etwa 25 Eigenheimverkäufe pro Jahr. Mit den Mitteln aus dem IPO will der Konzern in den nächsten Jahren deren Zahl verdoppeln, wobei etwa zwei Drittel der Neubauten in Bayern und Baden-Württemberg entstehen sollen. SES Research rechnet damit, dass Helma die Zahl der verkauften Häuser in den nächsten drei Jahren von zuletzt 412 auf rund 1.000 pro Jahr steigern kann.

Bei Design Bau vertraut man künftig auf die Vertriebskünste der Alt & Kelber Immobiliengruppe, mit 5.700 verkauften Wohnungen im Jahr 2005 eine der Top-Adressen für Immobilien-Dienstleister in Deutschland. Der Kooperationsvertrag sieht vor, dass Alt & Kelber ab dem 1. Dezember im Bereich Ein-, Doppel- und Reihenhäuser ausschließlich für Design Bau tätig wird. Für das erste Jahr ist der Verkauf von 250 mit Eigenheimen bebauten Grundstücken geplant. Mittelfristig soll die Zahl verdoppelt werden. Für Vorstand Werner Mattner ist dieser Deal ein „Quantensprung“, der es ermöglicht, „in neue Dimensionen wachsen zu können“.

Aktuelle Geschäftsentwicklung

Bei Helma haben sich die Geschäfte im ersten Halbjahr 2006 trotz des Wegfalls der Eigenheimzulage zum Jahresende 2005 und der schlechten Witterung zu Jahresbeginn sehr gut entwickelt. Der Auftragseingang im Konzern stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 43 Prozent auf 33,6 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund sah sich der Vorstand veranlasst, erstmals eine konkrete Prognose für das Gesamtjahr abzugeben: Man erwarte einen Umsatz von mindestens 50 Millionen Euro und ein EBIT von 3,5 Millionen Euro. Der Wegfall der Eigenheimzulage verbaut vor allem einkommensschwachen Haushalten den Traum vom Eigenheim. Entsprechend bezeichnete jüngst der Design Bau-Chef das Geschäft in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres (1.3. bis 31.8.) als „noch verhalten“. Auch die Kursentwicklung der letzten Monate lässt darauf schließen, dass die im November anstehenden Halbjahreszahlen eher schwach ausfallen werden. Zudem dürfte der Konzern die bisherigen Analystenschätzungen für das Gesamtjahr verfehlen. Torsten Klingner von SES Research hatte bislang einen Umsatz von 37 Millionen Euro und ein Nettoergebnis von 4,8 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Die Helma-Aktie wird derzeit auf Basis der Schätzungen für 2007 – Klingner erwartet einen Umsatz von rund 89 Millionen Euro und ein Nettoergebnis von 5,2 Millionen Euro – mit einem KGV von 10 bewertet. Im Vergleich dazu kommt Design Bau auf ein 2007er-Ratio von etwa 8, unter der Voraussetzung, dass sich die Kooperation mit Alt & Kelber wie erwartet erfolgreich gestalten wird. Nach unten ist der Design Bau-Kurs allerdings durch den aktuellen Grundstücksbestand abgesichert. Der vertraglich gesicherte Flächenbestand beträgt circa 442.000 qm, die sich auf über 1.200 Grundstücke verteilen. Setzt man als realistische Größe 150 Euro pro Quadratmeter an und zieht 20 Millionen Euro Erschließungskosten ab, errechnet sich ein Substanzwert von circa 46 Millionen Euro, was in etwa der Marktkapitalisierung von Design Bau entspricht.

Mehr Fantasie bei Design Bau

In Anbetracht der niedrigeren Bewertung sowie der künftigen Vertriebskooperation mit Alt & Kelber erscheint mittel- bis langfristig ein Engagement bei Design Bau aussichtsreicher. Vor einem Einstieg sollte der Anleger allerdings die Bekanntgabe der Halbjahreszahlenabwarten, da die Aktie anschließend wahrscheinlich günstiger zu haben sein dürfte. Das Papier von Helma Eigenheimbau hat aber ebenso noch Luft für – wenn auch moderate – Kurssteigerungen. Dank der frischen Mittel aus dem Börsengang ist das Unternehmen in der Lage, seinen Vertrieb zu stärken und zusätzliche Ertragspotenziale in der Grundstücksentwicklung zu heben.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 42/2006.

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