- DER AKTIONÄR

Drei Stars und ein Sternchen

Sie sind hoch geflogen und dann tief gefallen: Die Aktien von Human Genome Sciences, Millennium, Myriad Genetics und Vertex gehörten zu den Stars am Aktienhimmel von 1999/2000. Was sind die Papiere der Biotech-Firmen heute noch wert?

Sie sind hoch geflogen und dann tief gefallen: Die Aktien von Human Genome Sciences, Millennium, Myriad Genetics und Vertex gehörten zu den Stars am Aktienhimmel von 1999/2000. Was sind die Papiere der Biotech-Firmen heute noch wert?

Von Frank Phillipps

Im Frühjahr 2000 schien an der Börse alles möglich. Dow Jones und Nasdaq markierten historische Höchststände. Die Ökonomen träumten von unbegrenztem Wachstum, die Börsianer von nicht enden wollenden Kursgewinnen. Die New Economy war auf ihrem Höhepunkt.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Die Technologie-Blase platzte, die Aktienmärkte gingen auf Talfahrt. Mit im Abwärtsstrudel: die Aktien von Biotech-Unternehmen wie Human Genome Sciences, Millennium, Myriad und Vertex. Was hat sich bei den einstigen Anleger-Lieblingen in der Zwischenzeit getan, wie sind die Aussichten?

Human Genome Sciences - erneuter Rückschlag

Die Aktie von Human Genome notierte im März 2000 im Hoch bei über 116 Dollar. Bis zum Tief im Februar 2003 ging es für das Papier um 95 Prozent auf 6,31 Dollar abwärts. Zwar verfügt Human Genome über eine interessante Produktpipeline mit vielversprechenden Medikamenten gegen Krebs und Infektionskrankheiten, doch von der Zulassung sind diese Präparate noch weit entfernt. Auch die Hoffnung auf eine baldige Vermarktung der Arznei Lymphostat-B zur Behandlung der Autoimmunerkrankung Lupus zerschlugen sich vor kurzem. In Tests der klinischen Phase II floppte das Mittel für diese Indikation. Da die Einführung des ersten Produktes noch auf sich warten lassen wird, ist auch die Gewinnzone noch in weiter Ferne. Kurzum, es gibt aktuell sicher interessantere Titel im Biotech-Bereich. Das AKTIONÄRS-Urteil lautet deshalb: Verkaufen!

Millennium Pharmaceuticals -Gewinnzone in Sicht

Die Aktie von Millennium notierte im Hoch bei fast 90 Dollar. Das war im November 2000. Im Juli 2002 betrug der Wert des Papiers gerade noch 6,24 Dollar - ein Minus von 93 Prozent. Zumindest ein Teil der Kursverluste dürfte der Informationspolitik des Unternehmens geschuldet sein, das mehrfach Ziele in Aussicht stellte, die dann nicht erreicht wurden. So wurde Anlegervertrauen leichtfertig verspielt. Hinzu kamen einige Rückschläge bei der Entwicklung von Medikamenten.

Für Millennium spricht jedoch, dass das Unternehmen bereits drei Produkte auf den Markt gebracht hat, die mit Erfolg bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und in der Krebstherapie eingesetzt werden und im laufenden Jahr immerhin für rund 550 Millionen Dollar Umsatz sorgen sollen. Im kommenden Jahr wird Millennium nach Einschätzung der Analysten den Break-even schaffen. Auch charttechnisch sieht das Papier derzeit interessant aus. Das AKTIONÄRS-Urteil lautet deshalb: Kaufen!

Myriad Genetics - Blockbuster im Gepäck?

Bei 138 Dollar markierte das Myriad-Papier im Oktober 2000 seinen historischen Höchststand - und stürzte bis März 2003 auf 8,43 Dollar ab. Unter dem Strich ein Minus von 94 Prozent. Doch seit diesem Tief hat sich die Aktie ordentlich entwickelt und einen stabilen Aufwärtstrend ausgebildet. Verantwortlich dafür ist in erster Linie das Medikament Flurizan, das derzeit in klinischen Studien der Phase III auf seine Wirksamkeit bei der Behandlung von Alzheimer geprüft wird. Eine Zulassung von Flurizan dürfte Myriad einen Geldsegen bescheren, denn für die Demenzerkrankung gibt es bisher kaum Therapieoptionen. Da Myriad noch einige aussichtsreiche Krebsmittel in der Pipeline hat, lautet das aktionärs-Urteil: Kaufen!

Vertex - Phönix aus der Asche

Die Aktie von Vertex kratzte im November 2000 mit 99,25 Dollar an der 100-Dollar-Marke. Drei Jahre später war das Papier für 7,83 Dollar zu haben - ein sattes Minus von 92 Prozent. Doch seit diesem Jahr geht es für das Papier wieder steil aufwärts. Wer der Empfehlung im aktionär vom Februar dieses Jahres gefolgt ist, liegt bereits satte 180 Prozent vorn. Grund für den Aufschwung: Vertex entwickelt derzeit ein Medikament gegen Hepatitis C, das in den bisherigen Tests äußerst vielversprechende Resultate geliefert hat. Mit dem Präparat zielt das Unternehmen auf einen Milliardenmarkt und scheint nach Ansicht von Experten im Wettlauf mit mehreren Unternehmen derzeit die Nase vorn zu haben. Nach dem starken Anstieg in diesem Jahr könnte die Luft allerdings vorerst raus sein. Langfristig bleibt der Wert interessant. Das AKTIONÄRS-Urteil lautet: Halten!

 

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