PERMA-FIX ENVIRON...
- DER AKTIONÄR

Dreckige Gewinne

Die Welt erstickt im Müll. Jedes Jahr werden allein in Deutschland 400 Millionen Tonnen Abfall produziert. 60 Prozent davon entfallen auf Bauschutt und Bodenaushub. Bergbau und Gewerbe kommen auf eine weitere Menge von 80 Millionen Tonnen. Zusätzliche 50 Millionen entfallen auf Abfälle aus Privathaushalten – je Bürger sind das über 600 Kilogramm Müll. Doch Müll ist nicht gleich Müll.

Weltweit wachsen die Müllberge. Darum sind Innovationen gefragt, die den Abfall in „teure Rohstoffe“ verwandeln können.

Die Welt erstickt im Müll. Jedes Jahr werden allein in Deutschland 400 Millionen Tonnen Abfall produziert. 60 Prozent davon entfallen auf Bauschutt und Bodenaushub. Bergbau und Gewerbe kommen auf eine weitere Menge von 80 Millionen Tonnen. Zusätzliche 50 Millionen entfallen auf Abfälle aus Privathaushalten – je Bürger sind das über 600 Kilogramm Müll. Doch Müll ist nicht gleich Müll. Was früher unbeachtet auf Deponien geworfen wurde, wird heute als „teurer Rohstoff“ deklariert. So werden Bauabfälle bei Straßenbauarbeiten wiederverwertet. Und Haushaltsmüll wird in Kategorien wie Kompost, Glas, Papier und Kunststoffe unterteilt und recycelt. Dass man mit Müll ein ordentliches Geschäft betreiben kann, zeigt ein Blick auf das Duale System Deutschland (DSD), das den Grünen Punkt auf Verpackungen verwaltet. Derzeit kommt DSD auf einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Euro. Nach Einschätzung von Experten dürfte in den nächsten Jahren noch eine Steigerung von einer halben Milliarde Euro drin sein, da eine Novelle der Verpackungsverordnung ansteht, die eine Ausdehnung des Recyclings verlangt.

Interseroh sammelt mit

Zu den interessantesten deutschen „Müll-Aktien“ zählt Interseroh. Das Unternehmen will bis 2008 rund 15 Prozent des jährlichen Umsatzvolumens mit dem Grünen Punkt auf sich vereinen. Die letzte Hürde dafür ist getan, vor wenigen Tagen bekam Interseroh von Hessen und Baden-Württemberg die Genehmigung, ein konkurrierendes Abfallentsorgungssystem zum DSD aufzubauen. Hessen und Baden-Württemberg waren die letzten Bundesländer, in denen eine solche Zulassung noch ausstand. Interseroh verfügt zudem über eine ordentliche Portion an Übernahmefantasie. Denn der Konkurrent Alba wollte vor einigen Monaten Interseroh für 26,20 Euro je Anteilschein aufkaufen. Allerdings wurde die Offerte von nahezu allen Interseroh-Aktionären als zu niedrig abgelehnt. Auf ein höheres Kaufangebot kann also spekuliert werden.

Perma-Fix kann strahlen

Einem ganz besonderen Müll hat sich Perma-Fix verschrieben. Das US-Unternehmen entsorgt radioaktiv verseuchtes Material. Zu den Kunden zählen neben verschiedenen Forschungslabors und dem US-Verteidigungsministerium auch Betreiber von Atomkraftanlagen. Der nukleare Müll wird entweder dekontaminiert oder, wenn dies nicht möglich ist, für eine Endlagerung vorbereitet. Weltweit werden derzeit neue Atomkraftwerke geplant. Vor allem Indien und China wollen ihre Nuklearkapazitäten massiv ausbauen. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) geht davon aus, dass der globale Anteil an Atomstrom bis zum Jahr 2030 um das 2,5fache steigen wird. Bis zum Jahr 2050 erwartet die Organisation sogar eine Zunahme um das Vierfache. Diese Entwicklung spielt Perma-Fix in die Arme, da der Bedarf nach der Entsorgung von radioaktivem Müll stark wachsen wird.

Wenn in der Tiefe nach Rohstoffen gebuddelt wird, türmt sich oben jede Menge Abraum auf. In Deutschland sind dies jährlich 45 Millionen Tonnen. Der Abraum ist dabei häufig mit metallischen und chemischen Stoffen versetzt – für Mensch und Tier hochgradig giftig. Er muss deshalb auf Sonderdeponien aufwändig gelagert oder sogar in Absetzteichen mit Wasser bedeckt werden, damit keine gefährlichen Stäube aufsteigen. Trotz eines hohen Sicherheitsstandards kommt es dabei selbst in Europa immer wieder zu schweren Zwischenfällen. So verseuchte zum Beispiel 1998 ein Dammbruch auf einer Deponie den spanischen Nationalpark Donana. Mit einer von Intec entwickelten Technologie will man diesen giften Abraumhalden nun zu Leibe rücken. In Zusammenarbeit mit der Universität von New South Wales wurde eine Recyclinganlage gebaut, die große Mengen der im Abraum befindlichen metallischen Stoffen herausfiltern soll. Zurück bleibt im Idealfall unbelastete Erde. Derzeit wird die Anlage in einem Pilotprojekt getestet, richtig losgehen soll es 2008.

Konservativ, spekulativ, hochspekulativ

In Interseroh können konservative Anleger investieren. Das Unternehmen agiert in einem sicheren Wachstumsmarkt. Zudem bieten die Papiere eine ordentliche Portion an Übernahmefantasie. Perma-Fix ist für spekulative Investoren interessant, die auf den Boommarkt „Uran“ wetten möchten. Intec ist nur als hochspekulative Depotbeimischung geeignet. Die Technologie des Unternehmens wird derzeit in einer Pilotanlage getestet. Sollte diese allerdings gute Ergebnisse liefern, wären die Aktien ein potenzieller Vervielfacher.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 36/2006.

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| Alfred Maydorn | 0 Kommentare

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