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- Nikolas Kessler - Redakteur

Citi plant neue Krypto-Zertifikate – Durchbruch für institutionellen Handel?

Am Kryptomarkt dominieren auf 24-Stunden-Sicht erneut die roten Vorzeichen. In den Top 10 nach Marktkapitalisierung können lediglich der Bitcoin und der (angeblich) an den US-Dollar gekoppelte Stable-Coin Tether leicht zulegen. Die Market Cap aller Kryptowährungen liegt damit weiter klar unterhalb der 200-Milliarden-Dollar-Marke. Trotz vergleichsweise positiver News mangelt es derzeit an Impulsen.

Wie Business Insider unter Verweis auf anonyme Quellen berichtet, arbeitet die Citigroup an einem Finanzprodukt, mit dem institutionelle Anleger mit Kryptowährungen handeln können, ohne diese selbst zu besitzen. Dazu greift die US-Großbank offenbar tief in die Trickkiste: Die neuen Produkte seien eine überarbeitete Version von American Depositary Receipts (ADR). Mit dieser Art von Wertpapier aus den 1920er-Jahren können US-Investoren quasi stellvertretend ausländische Aktien handeln, die in den USA nicht notiert sind. Dabei nehmen Banken die zugrundeliegenden Aktien in Verwahrung und geben die ADR-Zertifikate aus.

Nach genau diesem Prinzip sollen auch die geplanten Digital Asset Receipt (DAR) der Citigroup funktionieren: Die Kryptowährungen werden von einem Treuhänder gehalten, von Citi in Form der DARs verbrieft und an institutionelle Investoren verkauft. Wie weit das Projekt fortgeschritten ist und wann entsprechende Produkte auf den Markt kommen sollen, teilten die Insider nicht mit – Citi habe aber bereits Kontakt zu möglichen Partnern aufgenommen. Offiziell bestätigen wollte das Unternehmen die Pläne bislang nicht.

Die Vorteile solcher Produkte liegen auf der Hand: Speziell große Anleger wollen oder dürfen bislang nicht an den kaum regulierten Kryptobörsen handeln – über einen Treuhänder und die Verbriefung der Kryptos durch eine US-Bank könnte dieses Problem elegant umgangen werden, auch wenn bei der konkreten Umsetzung natürlich der Teufel im Detail steckt. Andere Risiken wie die hohe Volatilität von Bitcoin & Co lassen sich freilich auch mit DARs nicht aus der Welt schaffen.

Außerdem beachtlich an der Meldung: Die Citigroup hat sich bislang kaum durch besonderes Interesse am Kryptomarkt hervorgetan. Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Morgan Stanley oder Goldman Sachs wollte das Institut zunächst kein Clearing für Bitcoin-Futures anbieten und hat die Kreditkarten ihrer Kunden sogar für den Kauf von Kryptowährungen gesperrt. Zudem ist die Regulierung nach wie vor ein Unsicherheitsfaktor: Erst in der Vorwoche hatte Goldman Sachs deshalb die Pläne zur Eröffnung eines Trading-Desks für Kryptowährungen auf unbestimmte Zeit verschoben.

Ära der Stable-Coins?

Für Schlagzeilen haben auch die Winklevoss-Zwillinge gesorgt: Via Twitter haben sie gestern einen Durchbruch mit ihrem Stable-Coin-Projekt Gemini Dollar verkündet. Dieser wird von ihrer Treuhandgesellschaft Gemini herausgeben, ist 1:1 an den US-Dollar gebunden und wurde von der Regulierungsbehörde New York State Department of Financial Services (NYDFS) bewilligt. Im letzten Punkt unterscheidet man sich wohl am deutlichsten vom derzeit größten Stable-Coin Tether.

Auch der Stable-Coin Praxos Standard hat gestern die Freigabe vom NYDFS erhalten. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen Coin, der an den US-Dollar gekoppelt ist. Der Boom bei den Stable-Coins spiegelt den in gewisser Weise die Stimmung am Markt wider: Nach dem Kursrutsch der vergangenen Monate ist die Sehnsucht nach einem sicheren Hafen größer denn je.

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Autor Nikolas Keßler hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Bitcoin.

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