Deutsche Börse
- Nikolas Kessler - Redakteur

Deutsche Börse: LSE-Fusion nicht mehr in diesem Jahr

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) wollen fusionieren und eine europäische Superbörse schmieden. Bis das Vorhaben abgeschlossen ist, könnte es allerdings länger dauern als ursprünglich gehofft – Schuld sind die hohen regulatorischen Hürden.

Vor dem ersten Quartal 2017 sei nicht mit einem Abschluss des Fusionsvorschlages zu rechnen, sagte Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter am Montagabend in Frankfurt. Zuletzt hatten die beiden Börsenbetreiber es für möglich gehalten, das geplante Gemeinschaftsunternehmen schon Ende 2016 aus der Taufe heben zu können, spätestens jedoch Anfang 2017.

Denn sollten die Aktionäre beider Konzerne im Juli grünes Licht für die Fusionspläne geben, müssen noch mehr als 20 Behörden das Vorhaben absegnen. Die Vorbehalte dagegen, dass der rechtliche Sitz der Dachgesellschaft des Gemeinschaftsunternehmens London sein soll, versuchte Kengeter bereits zu zerstreuen: „Die zwei Hauptsitze bleiben in ihrer rechtlichen, organisatorischen und regulatorischen Integrität erhalten.“

Fusion unumgänglich

Trotz der hohen Hürden sei ein solcher Schritt „absolut zwingend“, um im Wettbewerb mit der Konkurrenz aus den USA und Asien Boden gutzumachen, so der Deutsche-Börse-Chef. „Wenn wir auf Augenhöhe den globalen Finanzmarkt mitgestalten wollen, müssen wir den Börsenstandort Europa stärken.“ Andernfalls drohe die Deutsche Börse selbst ein Übernahmeziel zu werden.

Auch ein möglicher Austritt Großbritanniens aus der EU würde den Fusionsplan nach Kengeters Überzeugung nicht durchkreuzen. Aktionärsschützer warnen jedoch seit längerem davor, dass ein möglicher „Brexit“ den Wert des neuen Gemeinschaftsunternehmens deutlich senken würde. Die Entscheidung darüber steht am 23. Juni an.

80-Euro-Marke im Fokus

Die Aktie der Deutschen Börse reagiert am Dienstag positiv auf die Meldung und knüpft an ihre Gewinne der vergangenen Tage an. Mit dem Sprung über die 200-Tage-Linie hat der DAX-Titel kürzlich ein Kaufsignal generiert. Entsprechend können Neueinsteiger weiterhin zugreifen, investierte Anleger lassen die Gewinne laufen.

(Mit Material von dpa-AFX)

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Börse probt Befreiungsschlag

Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse, hat von den Aktionären eine zweite Chance bekommen. Trotz des geplatzten Zusammenschlusses mit der London Stock Exchange stimmten auf der Hauptversammlung 83,9 Prozent für seine Entlastung. Die Deutsche Börse arbeitet zudem parallel im … mehr
| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Börse: Kengeters Wundertüte

Vorstandsvorsitzender Carsten Kengeter wird am 17. Mai auf der Hauptversammlung der Deutschen Börse von allen Seiten unter Beschuss stehen. Auf eine Entlastung mit dem Traumergebnis von 99,9 Prozent wie im Vorjahr kann der Manager nicht hoffen, da noch ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts … mehr
| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Börse: Keine neue Mega-Fusion

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, hat sich erstmals seit der gescheiterten Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) öffentlich geäußert. Laut Handelsblatt zeigte er sich selbstkritisch: „Wir haben in der Kommunikation nicht so überzeugend und emotional agiert, wie … mehr
| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Börse: Luft bis 100 Euro

Das Verbot der EU-Kommission zum Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange (LSE) war am Ende keine Überraschung mehr. Zumal sich die LSE geweigert hatte, die Auflagen der Aufsichtsbehörde zu erfüllen. Die Entwicklung des Aktienkurses der Deutschen Börse ist deshalb umso … mehr