- DER AKTIONÄR

Die Volksporsche AG

Porsche beteiligt sich mit 20 Prozent an Volkswagen. Die Börsianer rätseln, warum. Doch die Vorteile für beide Unternehmen sind nicht von der Hand zu weisen. DER AKTIONÄR hat die neue Situation um Porsche und VW analysiert.

Porsche beteiligt sich mit 20 Prozent an Volkswagen. Die Börsianer rätseln, warum. Doch die Vorteile für beide Unternehmen sind nicht von der Hand zu weisen. DER AKTIONÄR hat die neue Situation um Porsche un VM analysiert.

Von Andreas Deutsch

Viele Analysten, Anleger und andere Zeitgenossen wollten am vorletzten Sonntag ihren Augen nicht trauen: Porsche kündigte an, groß bei Volkswagen einzusteigen. Knapp drei Milliarden Euro müsste der Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen für das angestrebte 20-Prozent-Paket auf den Tisch legen. "Können die mit dem Geld denn nichts Besseres anfangen?", wunderten sich die Marktteilnehmer einen Tag nach Bekanntgabe des Plans und schickten die Porsche-Aktie auf eine heftige Talfahrt. Auf den ersten Blick scheint die Frage nicht unberechtigt zu sein, schließlich hätte Porsche das Geld in Form einer Sonderdividende ausschütten können. So gab es zunächst auch viel Kritik seitens der Experten. Deutsche-Bank-Analyst Christian Breitsprecher etwa stufte die Porsche-Aktie nach der Meldung auf "Verkaufen" ab. Einen Tag später stufte er sie allerdings wieder auf "Halten" hoch und erhöhte sein Kursziel von 550 auf 620 Euro. Eine wichtige Einsicht. Denn wer genauer hinsieht, erkennt, dass der Coup, der wohl vom mächtigen VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch eingefädelt worden ist, durchaus Sinn macht - und zwar für beide Konzerne.

Das macht Sinn

Man wolle die Unabhängigkeit des größten Autokonzerns Europas sichern, das heißt, als weißer Ritter das Wolfsburger Unternehmen vor feindlichen Übernahmen schützen, so die Begründung von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking für den Einstieg. Natürlich handelt das Porsche-Management nicht nur aus reiner Nächstenliebe, sondern auch aus Angst vor folgendem Szenario: Falls das VW-Gesetz eines Tages kippt und der Konzern dann übernommen und zerschlagen würde, hätte Porsche ein großes Problem: Man könnte einen fast schon lebenswichtigen Partner verlieren. Denn nur knapp ein Fünftel der Porscheteile stammt aus den eigenen Werken. Die Stärke von Porsche liegt nämlich nicht gerade in der Produktion, sondern in der Entwicklung.

Ein weiterer Grund dürfte auch eine engere Kooperation der beiden Unternehmen sein. Vor allem eine intensivere Zusammenarbeit von Porsche und der hochprofitablen VW-Tochter Audi dürfte die anderen Premiumanbieter erheblich unter Druck setzen.

VW gibt Gas

Bereits jetzt steht fest: Das Porsche-Management wird mit Vehemenz dafür sorgen, dass die Sanierung bei Volkswagen weiterhin zügig vorankommt. Laut Porsche-Finanzvorstand Holger Härter fordert der Konzern eine zweistellige Rendite auf das eingesetzte Kapital. Rund 1,3 Milliarden Euro binnen drei Jahren wollen die Wolfsburger allein in der Produktion einsparen. Modellcharakter für den harten Sparkurs hat die jüngste Einigung beim Bau des Marrakeschs: Der Geländewagen wird nur deshalb in Wolfsburg gebaut, weil der VW-Haustarif aufgebrochen wurde und die Produktion somit viel günstiger wird. Darüber hinaus hat der Konzern angekündigt, seine Töchter auf den Prüfstand zu stellen. Möglich sei etwa ein Verkauf oder Börsengang von Europcar und Gedas. Laut Presseberichten wird mittlerweile auch der Verkauf des Sorgenkinds Seat nicht mehr ausgeschlossen.

Dies dürfte ganz im Sinne von Porsche sein. Die Zuffenhausener haben offenbar erkannt, welches Potenzial Volkswagen zu bieten hat. Obwohl die VW-Aktie seit Jahresanfang 51,7 Prozent zugelegt hat, kommt das Unternehmen lediglich auf eine Marktkapitalisierung von 20,1 Milliarden Euro. Dies spiegelt laut Experten nicht mal annähernd den wahren Wert des Konzerns wider. Denn allein Audi hat laut Schätzungen einen Wert von knapp 20 Milliarden Euro.

Basisinvestments

Volkswagen kann sich derzeit nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen. Neuesten Gerüchten zufolge soll auch DaimlerChrysler an einem VW-Engagement interessiert sein. Sowohl VW als auch Porsche eignen sich gerade für langfristig orientierte Anleger als Basisinvestments.

 

Artikel aus DER AKTIONÄR (41/05).

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