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Die tapferen Schneiderlein

Das Welttextilabkommen ist Ende 2004 ausgelaufen. Chinesische Stofffabrikanten wie Fountain Set können jetzt ihre Nadeln heißlaufen lassen und den westlichen Markt bedienen.

Das Welttextilabkommen ist Ende 2004 ausgelaufen. Chinesische Stofffabrikanten wie Fountain Set können jetzt ihre Nadeln heißlaufen lassen und den westlichen Markt bedienen.

Von Sascha Grundmann

Seit einigen Wochen erleben die Handelsbeziehungen zwischen China und Europa, die es dank der "Seidenstraße" schon vor Christi Geburt gab, eine Renaissance. Das verdanken sie dem Ablaufen des Welttextilabkommens ATC zum Ende des Jahres 2004. Das hatte zuvor dafür gesorgt, dass der weltweite Handel mit Textilien und Bekleidung durch strikte Importbeschränkungen reguliert wurde. Die westlichen Industrieländer sollten so vor der Niedrigpreiskonkurrenz aus dem Ausland - unter anderem eben aus China - geschützt werden. Nun unterliegt der Textilhandel aber nicht mehr dem ATC, sondern den Regeln der WTO. Und damit sind die Tore offen für Stoffe aus dem Fernen Osten.

"Schneiderei der Welt"

Viele Marktbeobachter rechnen damit, dass China der Hauptprofiteur einer globalisierten Bekleidungsproduktion sein wird. Die Deutsche Bank spricht in diesem Zusammenhang in einer Studie aus dem Januar bereits vom Reich der Mitte als "Schneiderei der Welt". Und das ist gar nicht so weit hergeholt: Schon im Jahr 2003 - noch vor der Aufhebung des ATC - hatte China einen Anteil am weltweiten Handelsvolumen von Textilien von 20 Prozent. Dass dort in Zukunft vor allem aufgrund extrem niedriger Lohnstückkosten noch mehr an standardisierter Massenware produziert werden dürfte, liegt nahe.

Allrounder aus Hongkong

Bemerkbar dürfte sich die steigende Nachfrage bei Unternehmen machen, die ein breites Spektrum in der Produktion von Kleidern und Textilien anbieten. Das gilt etwa für Fountain Set. Die Angebotspalette des Hongkonger Unternehmens reicht von Maschenwaren über Nähzwirn bis hin zu Garnen. Zudem bietet Fountain Set Dienstleistungen wie das Färben und Bedrucken von Stoffen an. Analysten rechnen bei Fountain Set für das kommende Jahr (per Ende August 2006) bei einem Umsatzplus von rund 17 Prozent mit einem Gewinnwachstum von 50 Prozent. Daraus ergibt sich ein KGV von gerade einmal 9. Und das ist vor dem Hintergrund solcher Wachstumsperspektiven und der vielzitierten China-Fantasie nicht zu teuer.

Fazit: Limitieren! Wer auf einen Boom der chinesischen Textilwirtschaft setzt, sollte sich einige Aktien von Fountain Set ins Depot legen. Anleger sollten aber angesichts der geringen Handelsumsätze hierzulande die Orders streng limitieren.

Tapferes Schneiderlein

Fountain Set

 

ISIN HK0420001817
Kurs am 09.03.2005 0,50 €
Empfehlungskurs 0,49 €
Ziel 0,80 €
Stopp 0,39 €
KGV 05e 9
Chance/Risiko 4/3

 

Hinweis: Der Artikel ist in Ausgabe #11/05 von DER AKTIONÄR erschienen.

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