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Die Rückkehr der Internethelden

Jahrelang als Synonym für die Spekulationsblase im Internet gemieden, geraten die Beteiligungsgesellschaften CMGI und Internet Capital Group jetzt wieder in den Fokus der Anleger.

Jahrelang als Synonym für die Spekulationsblase im Internet gemieden, geraten die Beteiligungsgesellschaften CMGI und Internet Capital Group jetzt wieder in den Fokus der Anleger.

Von Martin Weiß

Eine einfache Regel für das erfolgreiche Investieren lautet: Kaufe, was du verstehst, und lass die Finger von Sachen, die du nicht verstehst. Eine weitere Regel sollte lauten: Verkaufe, wenn sich abzeichnet, dass das Management größenwahnsinnig geworden ist. Im Falle der US-Beteiligungsgesellschaft CMGI hätten sich Anleger auf diese Art etwa 90 Prozent Kursverlust erspart. Im Jahr 2000 hatte der Firmengründer und damalige Vorstandschef David Wetherell beschlossen, die Namensrechte für ein Football-Stadion zu kaufen. Für schlappe 100 Millionen Dollar. Was CMGI mit dem Club verband? Beide kamen aus Boston. Zum Zeitpunkt der Ankündigung befand sich das Papier zwar schon auf dem absteigenden Ast, notierte bei etwa 40 Dollar, dennoch: Konsequente Verkäufer hätten sich weitere 39 Dollar Kursverlust in fünf Jahren ersparen können.

Der richtige Riecher

CMGI war im Sommer 2000 eine klare Verkaufsposition, fünf Jahre später ist das Unternehmen hingegen einen genaueren Blick wert. Und das nicht nur, weil der Konzern seit einigen Quartalen profitabel wirtschaftet und Joseph C. Lawler das Ruder als Vorstandschef übernommen hat. Das Konzept der Beteiligungsgesellschaft, die sich mit Kapital und Know-how an jungen, aussichtsreichen Gesellschaften beteiligt und diese schließlich mit hohen Gewinnen an die Börse bringt oder aber an andere Firmen verkauft, hat in letzter Zeit wieder stark an Bedeutung gewonnen. Und CMGI hat - trotz einiger Fehlgriffe - bewiesen, dass man in der Lage ist, junge Firmen mit Potenzial aufzustöbern. @Ventures, der Beteiligungsarm von CMGI, hat seit der Gründung Kapital in mehr als 70 Gesellschaften investiert, aktuell befinden sich 18 Unternehmen - vom Solaranbieter bis hin zum E-Learning-Spezialisten - im Portfolio.

Spekulativer Kauf

Im operativen Geschäft ist CMGI mit ModusLink, einem Anbieter von Software zur Steuerung der Warenwirtschaft, und dem Marketingspezialisten SalesLink gut aufgestellt. Im Fiskaljahr 2004/05 (bis Ende Juli 2005) erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 1,1 Milliarden Dollar und einen operativen Gewinn von 32 Millionen Dollar. Unter dem Strich blieben 26 Millionen Dollar hängen. Während CMGI operativ den Turnaround vollzogen hat, steht eine Trendwende beim Aktienkurs noch aus. Zwar konnte sich das Papier in jüngster Zeit vom Septembertief bei 1,46 Dollar lösen, das reicht aber noch nicht aus, um das Vertrauen in die Titel wiederherzustellen. Um den Kurs auf ein attraktives Niveau zu hieven, erwägt CMGI deshalb einen Reverse-Split. Mutige Investoren bauen schon jetzt eine erste kleine Position auf.

99 Prozent Kursverlust

Der Name Internet Capital Group, kurz ICG, ist untrennbar mit CMGI verbunden. ICG ist ebenfalls eine Beteiligungsgesellschaft mit einer Vorliebe für schnellwachsende Technologiefirmen. Die Aussicht auf Milliardengewinne katapultierte die Börsenbewertung im Jahr 2000 auf über 60 Milliarden Dollar. Aktuell ist davon kaum mehr als 350 Millionen Dollar übrig geblieben, dennoch ist auch Internet Capital Group für Investoren wieder interessant - und nicht nur, weil der Aktienkurs seit vergangenen Mai 60 Prozent im Wert gestiegen ist.

Fette Beute

In den letzten Monaten sind viele hundert Millionen Dollar für Werbung in das Internet geflossen. Hauptprofiteure: Multimedia-Agenturen und Werbebanner-Vermarkter, darunter der Softwareentwickler LinkShare. Die Gesellschaft wechselte Mitte September für 425 Millionen Dollar zu Rakuten und bescherte ICG, die mit 40 Prozent an LinkShare beteiligt war, Einnahmen von rund 140 Millionen Dollar. Der Verkauf ist für ICG aber nicht das Ende der Fahnenstange, sondern wohl erst der Beginn: Aktuell befinden sich weitere acht vielversprechende Unternehmen im Beteiligungsportfolio, darunter StarCite, ein Softwareentwickler für die Reiseindustrie.

Ohne Vorschusslorbeeren läuft nichts

ICG verfügt über mehr als 100 Millionen Dollar an Reserven (netto), steht also nicht unter Zeitdruck bei der Entwicklung seiner Beteiligungen. Hinzu kommt - wie bei CMGI auch - die vorhandene Expertise beim Aufstöbern von aussichtsreichen Beteiligungen. Wer vom wachsenden Interesse an Beteiligungsgesellschaften frühzeitig profitieren will, kommt um den Aufbau einer kleinen Position nicht herum.

Artikel aus DER AKTIONÄR 48/05

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