- Martin Weiß - stellv. Chefredakteur

Die perfekte Welle

Das Satelliten-Radio steht vor dem Durchbruch. Firmen wie Sirius und XM Satellite kämpfen um die Vorherrschaft in der Branche. Nischenplayer versprechen ebenfalls Kursgewinne. Welche Aktie ist die beste Wahl?

Kapital ist wie ein scheues Reh und gibt es Probleme, ergreift es die Flucht. Diese Erfahrung mussten zuletzt diejenigen Anleger machen, die ihr Geld in Erwartung kräftiger Kursgewinne in die Aktien von Satelliten-Radio-Betreibern gesteckt hatten. Im Dezember hagelte es für XM Satellite, den am Jahresumsatz gemessen größten Radiobetreiber, Kursverluste von in der Spitze mehr als zehn Prozent, beim Erzfeind Sirius Satellite bissen die Verkäufe knapp 20 Prozent aus dem Firmenwert heraus. Allein „Benjamin“ Worldspace Radio verbuchte einen Zuwachs – allerdings hatten die Aktien zuvor stark verloren. Ausgelöst wurden die Verkaufswelle von Analysten, die sich kritisch zu den Aussichten der Branche geäußert hatten. Die Kritik bezog sich allerdings auf die Geräteverkäufe im Weihnachtsgeschäft und damit auf eine verhältnismäßig überschaubare Periode. Langfristig – das bestreiten auch jene Analysten nicht, die jetzt Kritik übten – bleiben die Aussichten für die Branche hervorragend.

Empfang vom Feinsten

Satelliten-Radio ist so, wie es sich Otto Normalhörer vorstellt – nur besser. Es gibt kein Rauschen, Kratzen oder Knistern wie bei herkömmlichen AM- und FM-Radios und auch die Überlagerung einzelner Sender ist kein Thema. Der Empfang ist aufgrund der digitalen Übertragungstechnologie jederzeit glasklar. Die Auswahl an möglichen Sendern ist enorm. So wirbt der Marktführer XM Satellite mit 150 Sendern, darunter vielen Special-Interest-Angeboten. Die Fans von Pop-Musik kommen ebenso auf ihre Kosten wie Anhänger von Heavy-Metal, Funk, Jazz oder Hiphop. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, dass das Radioprogramm vollständig werbefrei ist. Wer schon einmal einen amerikanischen Radiosender gehört und sich über die pausenlosen Einblendungen geärgert hat, weiß diesen Vorteil zu schätzen. Natürlich hat das alles auch seinen Preis: XM Satellite berechnet seinen Kunden 12,95 Dollar für den Dienst und damit ebenso viel wie Sirius Satellite. Der wesentlich kleinere Anbieter Worldspace Radio, der sein Programm über zwei Satelliten abstrahlt und damit Teile Europas, Africa, Aisen und den Mittleren Osten abdeckt, verlangt von seinen Kunden zwischen 5 und 9,99 Dollar. Der Angebotsumfang kann mit dem der US-Konkurrenten aber bei weitem nicht mithalten, weshalb die Aktien eher den Charakter einer Depotbeimischung besitzen.

XM Satellite ist der Platzhirsch

Mit annähernd sechs Millionen Abonnenten ist XM Satellite der Marktführer in einer Branche, die in den kommenden Jahren dynamisch wachsen und das traditionelle Radio weit hinter sich lassen dürfte. Die Leidtragenden sind Konzerne wie Clear Channel, die weiterhin auf herkömmliche Technologien setzen und deren Aktien nun schon seit mehr als einem Jahr in einem engen Kurskorridor zwischen 30 und 35 Dollar regelrecht gefangen sind. Wenn XM Satellite im Februar die Zahlen für das vierte Quartal meldet, werden die Analysten nicht allein auf das Ergebnis sehen – das ist zurzeit noch nebensächlich. Bedeutend wichtiger ist die Frage nach den Kosten für die Kundengewinnung. Im dritten Quartal hat XM Satellite 80 Dollar pro Neukunde ausgegeben und Experten schätzen, dass dieser Wert im vierten Quartal auf bis zu 110 Dollar gestiegen sein könnte. Je höher die Kosten pro Neukunden, desto niedriger die Margen und desto länger dauert es, bis die Firmen die Gewinnzone erreichen werden. Um für ein möglichst breites Publikum attraktiv zu sein, hat XM Satellite allein in den letzten beiden Jahren einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in den Kauf von Übertragungsrechten und den Ausbau der Unterhaltungssparte investiert.

Fazit

Das Thema Satellitenradios ist „heiß“ und die Kurse dürften sich nach der kleinen Schwächphase zügig erholen. Konservative Anleger setzen jetzt auf den Marktführer XM Satellite, der gegenüber Sirius Satellite deutlich günstiger bewertet ist. Wer es spekulativer mag, ist mit dem Verfolger besser bedient. Sirius hat derzeit schon wegen der Stern-Mania mehr und bessere Presse, ist aber wegen der damit verbundenen immensen Kosten auch klar spekulativer einzuordnen. Als kleinere Depotbeimischung eignen sich auch On2 Technologies und WorldSpace Radio. Allerdings sollten sich Anleger hier des hohen Kursrisikos bewusst sein.

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