PFERDEWETTEN.DE AG
- DER AKTIONÄR

Die Entscheidung

Mit ihrer Lizenz in Österreich und Gibraltar ist das Anbieten von Sportwetten auch in allen anderen europäischen Ländern legal, so die Überzeugung der Bwin-Chefs. Eine Einschätzung der Rechtslage, die bisher nicht alle Staaten teilen: Im September 2006 wurden die Bwin-Vorstände in Frankreich wegen des Verdachts des illegalen Glücksspiels vorrübergehend verhaftet.

Stehen Sportwettanbieter wie Bwin und Bet-at-home.com vor ihrem zweiten Frühling? Am 6. März fällt die Entscheidung.

Mit ihrer Lizenz in Österreich und Gibraltar ist das Anbieten von Sportwetten auch in allen anderen europäischen Ländern legal, so die Überzeugung der Bwin-Chefs. Eine Einschätzung der Rechtslage, die bisher nicht alle Staaten teilen: Im September 2006 wurden die Bwin-Vorstände in Frankreich wegen des Verdachts des illegalen Glücksspiels vorrübergehend verhaftet. Auch in Deutschland werden die lukrativen staatlichen Monopole vehement verteidigt. Selbst Jogger wurden von der Polizei aufgefordert, ihre Bwin-Trikots auszuziehen. Neben solchen Werbeverboten leiteten einzelne Bundesländer gegen private Wettanbieter Unterlassungverfahren ein. Die Aktie des größten europäischen Internet-Wettanbieters Bwin hat sich daraufhin innerhalb eines Jahres gefünftelt. Doch jetzt könnte sich der Wind, der der Wettbranche 2006 eiskalt ins Gesicht geweht hat, drehen.

Rückenwind aus Europa?

Die bisherige europäische Rechtsprechung (Gambelli-Urteil) spricht sich bereits generell für die länderübergreifende Dienstleistungsfreiheit aus, lässt den einzelnen Staaten im Falle „des Allgemeininteresses“ (z. B. Verbraucherschutz) aber Raum für Ausnahmen. Doch jetzt kommt Placanica: Voraussichtlich am 6. März fällt die Entscheidung. „Das Urteil dürfte für die privaten Wettanbieter ein Stück weiter in die richtige Richtung gehen“, schätzt Wettrechtsexperte Martin Arendts im Gespräch mit dem aktionär. Die neuen Vorgaben würden dann relativ schnell auch in nationales Recht einfließen – und das Umfeld für Sportwettanbieter freundlicher machen.

Auch operativ geht es für Bwin wieder aufwärts. Nach einem schwachen dritten Quartal 2006 haben die Österreicher das Steuer herumgerissen. Die aggressive Wachstumsstrategie werde zugunsten einer profitablen, verstärkt Cashflow generierenden Unternehmensentwicklung abgeändert. Da die Werbekosten reduziert werden, ist im laufenden Jahr von einem hohen Gewinn auszugehen. Das laufende KGV liegt bei attraktiven 17. Sogar bei der US-Tochter Ongame, welche Ende 2006 ihr Echtgeldgeschäft aufgeben musste, gibt es einen Hoffnungsschimmer: Am 21. Februar tauchten Spekulationen auf, wonach das Verbot für US-Banken, Geldüberweisungen mit Internet-Wettbüros abzuwickeln, aufgehoben werden könnte.

US-Gambling

Spekulationen, die jetzt sogar die Aktien von Sportingbet und PartyGaming zurück ins Spiel bringen. Beide Internet-Wettanbieter wurden vom US-Verbot hart getroffen: Sportingbet erzielte in den Vorjahren rund 60 Prozent und der Pokerspezialist 80 Prozent seiner Umsätze in Nordamerika. Die Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Geschäfts beruht jedoch derzeit auf reinen Spekulationen – nur wer das Risiko liebt, sollte sich diese Zocker-Aktien ins Depot legen.

Bet-at-home.com hat weniger Ärger mit den Gerichten. Die mit einer Malta-Lizenz operierenden Österreicher setzen auf Osteuropa. Die meisten Nutzer der Wettplattorm kommen aus Polen, der Slowakei und Tschechien. Im Gespräch mit dem AKTIONÄR bestätigte Bet-at-home-com-Gründer Franz Ömer die erst im Herbst angehobene Brutto-Umsatzprognose von 320 Millionen Euro (Vorjahr: 70 Millionen Euro). Das Ziel eines ausgeglichenen Ergebnisses dürfte 2006 erreicht worden sein.

Eine Sonderstellung nimmt auch die Sportwetten AG ein. Die Firma macht den Großteil Ihrer Umsätze mit deutschen Pferdewetten. Diese sind ausdrücklich erlaubt. Für das vierte Quartal 2006 stellt die Firma die Rückkehr in die Gewinnzone in Aussicht.

Für Spieler

Direktester Profiteur einer positiven Placanica-Entscheidung wäre Bwin. Spekulative Investoren steigen vor der Entscheidung ein, vorsichtige warten den 6. März ab. Auch die Aktien von Bet-at-home.com und der Sportwetten AG dürften bei einem Comeback der Wettbranche aus ihrem Seitwärtstrend ausbrechen. Sportingbet und PartyGaming sind hingegen nur Zockern zu empfehlen.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 10/2007.

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