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Die Cash-Cow

Der Tabakmulti Altria ist ein echte Geldmaschine - allerdings gelten die Aktien als "political incorrect". Jetzt will der Konzern seine Zigarettensparte abspalten und dadurch zusätzliche Werte freilegen.

Der Tabakmulti Altria ist ein echte Geldmaschine - allerdings gelten die Aktien als "political incorrect". Jetzt will der Konzern seine Zigarettensparte abspalten und dadurch zusätzliche Werte freilegen.

Von Martin Weiß

Altria (bis 2003: Phillip Morris Companies) ist eigentlich ein Unternehmen, wie es die Börse liebt: Der Konzern erzielt seit Jahren nicht nur beständig hohe Umsätze, sondern steigert gleichzeitig auch den Profit - im letzten Jahr auf zehn Milliarden Dollar. In der Firmenkasse schlummern weitere rund 8,5 Milliarden Dollar. Der Haken: Altria sieht sich seit Jahren einer Klagewelle von Nichtraucher- und Gesundheitsverbänden ausgesetzt, die wie ein Damoklesschwert über dem Konzern (und damit der Aktie) hängt und potenzielle Investoren verschreckt.

Ende der Klagewelle in Sicht

Der Klage-Marathon könnte sich nun allerdings dem Ende nähern. Mitte August etwa hat das US-Justizministerium seine Forderungen gegen die Zigarettenindustrie auf 14 Milliarden Dollar Schadenersatz von ursprünglich 240 Milliarden heruntergeschraubt. In einem weiteren Fall, in dem der Altria-Tocher Phillip Morris vorgeworfen wird, Raucher mit dem Begriff "Lights" in die Irre geführt zu haben - die Schadenersatzforderungen belaufen sich auf 10,1 Milliarden Dollar - könnte es ebenfalls kurzfristig zu einem abschließenden Urteil kommen. Auch hier stehen die Chancen gut, dass der Konzern mit einem "blauen Auge" davon kommt. Und selbst beim elf Jahre andauernden Engle-Fall, in dem es um Schadenersatzleistugen der US-Zigarettenindustrie von 145 Milliarden Dollar geht, zeichnet sich ein Ende ab.

Aus 1 mach 3

Diese Entwicklung eröffnet den Investoren Chancen auf Kursgewinne, denn dann könnte Altria-Chef Louis Camillerie endlich seine Vision realisieren: die Zerschlagung Altrias in mehrere eigenständige Unternehmen. Die Analysten haben dieses Szenario mittlerweile in ihre Berechnungen einfließen lassen und daraus einen "fairen" Aktienkurs für Altria von 80 Dollar abgeleitet. Zum Masterplan Camilleries gehört es Kraft Foods und Phillip Morris International (PMI) herauszutrennen - übrig blieben die in Phillip Morris USA gebündelten Amerika-Aktivitäten. Die neue Struktur soll aber vor allem das wachstumsstarke und damit lukrative internationale Geschäft (44 Prozent Anteil am Gesamtumsatz; 42 Prozent Anteil am Gewinn) ins rechte Licht rücken, das nur durch die Aufspaltung eine eigene Bewertung erhielte.

Neue Produkte mit Milliardenpotenzial

Camillerie hat die Zeichen der Zeit erkannt und gemeinsam mit dem Konkurrenten British American Tobacco Millionen in die Forschung investiert - herausgekommen sind Zigaretten, die weniger Schadstoffe enthalten. Der Verkauf könnte noch in diesem Jahr beginnen. Nach Einschätzung von Branchenexperten hat die neue Zigaretten-Generation das Zeug zum Verkaufschlager, das Marktpotenzial wird auf bis zu 20 Milliarden Dollar im Jahr 2015 geschätzt.

Gut und günstig

Die Chancen, dass der Konzern noch 2006 aufgeteilt wird, stehen gut, insofern sollten sich Anleger, die kein Problem mit "Lasteraktien" haben, eine Position zulegen. Netter Nebeneffekt eines Investments: Altria schüttet traditionell recht üppige Dividenden aus und hat erst die Zahlungen für das letzte Quartal um zehn Prozent auf 0,80 Dollar pro Anteilschein erhöht.

 

Artikel aus DER AKTIONÄR 38/05

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