- DER AKTIONÄR

Die "grüne" Rendite

Von Ingo Hübner

Während die Deutsche Bank trotz eines Rekordgewinns im vergangenen Jahr erneut Stellen abbauen will, hat die kleine Nürnberger Umweltbank für 2004 ebenfalls ein Rekordergebnis vorgelegt - und das ganz ohne den schalen Beigeschmack der sozialen Anstößigkeit. So hat die Bilanzsumme der Bank nach vorläufigen Zahlen für das Jahr 2004 um 19,5 Prozent auf nunmehr 581 Millionen Euro zugelegt (Geschäftsvolumen: 648 Millionen Euro). Der Vorsteuergewinn kletterte gegenüber dem Vorjahr um 68 Prozent auf knapp 5,2 Millionen Euro. Über 5.000 neue Kunden konnten die Nürnberger im Jahr 2004 für sich gewinnen. Die Umweltbank zählt damit mittlerweile mehr als 40.000 Kunden. Die Zinsspanne, ebenfalls eine wichtige Renditegröße, dürfte für das vergangene Jahr bei rund 1,4 Prozent liegen. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank hat es im Jahr 2003 auf 0,7 und die Postbank auf 1,3 Prozent gebracht.

Profiteur des Solar-Booms

Die Nachfrage nach ethisch-ökologischen Geldanlagen steigt ebenso wie nach Krediten für Ökohäuser und Solaranlagen jedes Jahr weiter. 4,56 Milliarden Euro betrug das Gesamtvolumen der in Deutschland zugelassenen Fonds dieser Art - insgesamt knapp 100 - zu Beginn des Jahres 2005. Ein Jahr zuvor hatten Anleger 4,22 Milliarden Euro in solche Fonds investiert. Als das Ökozentrum Nordrhein-Westfalen 1998 erstmalig die Daten der deutschen Umwelt- und Nachhaltigkeitsfonds ermittelte, gab es erst zwölf dieser Finanzprodukte mit einem Gesamtvolumen von 300 Millionen Euro. Vom Boom der Solarindustrie profitiert die Bank ebenfalls - als Kreditgeber für den Bau von Solaranlagen.

Fazit: Klarer Kauf. Für konservativere Anleger, denen Investments in Solaraktien zu spekulativ sind, die aber dennoch auf ökologische Renditen aus sind, ist das Papier der Umweltbank eine gute Alternative. Zwar mindern die Ansprüche der stillen Gesellschafter den Gewinn, dennoch ist die Aktie aufgrund der Fundamentaldaten der Bank und der Fantasie für den Sektor ein klarer Kauf.

Interview mit Umweltbank-Vorstand Horst P. Popp

DER AKTIONÄR: Wodurch unterscheidet sich die Umweltbank von einem klassischen Kreditinstitut?

Horst P. Popp: Wir sind ein Geldinstitut, das sich auf die Förderung und Finanzierung von Umweltprojekten spezialisiert hat. Zusätzlich ist die Umweltbank eine Direktbank, die Tagesgeldkonten führt - wie etwa die Diba auch -, nur mit dem Unterschied, dass wir dieses Geld nicht am Kapitalmarkt anlegen, sondern damit Umweltprojekte finanzieren.

DER AKTIONÄR: Was macht ihren Erfolg aus?

Horst P. Popp: Für uns ist einfach der richtige Markt vorhanden: Wind-, Sonne- oder auch Biomassefonds sind Trendthemen, die weiter im Kommen sind. Darüber hinaus verfügen wir über einen soliden Geschäftsplan. Bei der Gründung 1994 haben wir einen Zehn-Jahres-Plan aufgestellt. So ein Plan diszipliniert einfach, auch wenn nicht alle Prognosen eingetroffen sind. Dennoch ist er ein guter Fahrplan, an den man sich halten kann.

DER AKTIONÄR: Nach den vorläufigen Zahlen liegt Ihre Eigenkapitalrendite bei 18,7 Prozent und damit sogar höher als die der Deutschen Bank. Haben Sie auch das Ziel, wie die Deutsche Bank, 25 Prozent zu erreichen?

Horst P. Popp: Nein, das haben wir nicht. Wir sind schon von der hohen Rendite von 18,7 Prozent ein wenig überrascht. Zudem muss man wissen, dass aus der Gründungsphase noch stille Gesellschafter an Bord sind, die wesentliche Risiken getragen haben. Zum Ausgleich erhalten sie heute einen ordentlichen Gewinnanteil. Die stillen Gesellschaften sind kündbar und werden mit Sicherheit auch noch in diesem Jahr gekündigt oder in Aktien der Umweltbank getauscht werden.

DER AKTIONÄR: Gerade bei der Kreditvergabe für ökologische Investitionen wie etwa Solarstromanlagen sind alteingesessene Banken oft noch sehr zögerlich. Warum ist die Umweltbank hier risikofreudiger?

Horst P. Popp: Wir sind nicht risikofreudiger, wir sind sehr risikobewusst. Wir gehen nur ohne Manschetten und Vorurteile an neue Dinge heran, prüfen diese kritisch und wenn es uns rentabel erscheint, dann finanzieren wir es.

DER AKTIONÄR: Heißt das, die anderen Banken haben einfach die Zeichen der Zeit nicht erkannt?

Horst P. Popp: Zum Teil schon. Aber natürlich haben wir nicht 100 Prozent Marktanteil. Es gibt schon andere Banken, die solche Projekte ebenfalls finanzieren. Großbanken und Landesbanken sind durchaus sehr aktiv, allerdings meist bei größeren Projekten ab 50 Millionen Euro aufwärts. Wir bewegen uns deutlich darunter.

DER AKTIONÄR: In welchen Geschäftsbereichen sehen Sie die besten Wachstumsmöglichkeiten für die Umweltbank?

>Horst P. Popp: Besonders die Förderung von Solarprojekten hat im vergangenen Jahr in unserem Kreditportfolio stark zugelegt, ich denke das wird auch in Zukunft erst einmal so bleiben. Auch von den Segmenten Biomasse und Biogas verspreche ich mir einiges, vor allem für die Finanzierung von Biogasanlagen steigt die Nachfrage zurzeit spürbar.

Das Gespräch führte Ingo Hübner.

Umweltbank

 

ISIN DE0005570808
Kurs am 21.02.2005 9,93 €
Empfehlungskurs 7,95 €
Ziel 12,50 €
Stopp 6,50 €
Chance/Risiko 4/3

 

Hinweis: Der Artikel ist in Ausgabe #08/05 von DER AKTIONÄR erschienen.

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