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Führungswechsel und Zerschlagungsfantasie bei DaimlerChrysler, neue Modelle von Porsche - was tut sich bei BMW und Volkswagen? Deutsche Auto-Aktien im DER AKTIONÄR-Check!

Führungswechsel und Zerschlagungsfantasie bei DaimlerChrysler, neue Modelle von Porsche - was tut sich bei BMW und Volkswagen? Deutsche Auto-Aktien im DER AKTIONÄR-Check!

Von Andreas Deutsch

Selten hat ein Rücktritt für einen derartigen Kurssprung gesorgt wie der von Jürgen Schrempp vor knapp zwei Wochen: Kaum war die Katze aus dem Sack, legte die Aktie von DaimlerChrysler über zehn Prozent zu. Die Anleger feierten den Abgang eines der umstrittensten Vorstandsvorsitzenden Deutschlands. Doch wird nun alles besser für den Stuttgarter Autobauer? Und wie läuft es bei den Konkurrenten Porsche, BMW und Volkswagen?

Kursziel 70 Euro

Die Hoffnungen der Anleger richten sich nun auf Schrempps designierten Nachfolger Dieter Zetsche. Der 52-Jährige mit dem prägnanten Walrossschnauzer gilt als hervorragender Sanierer: Als er im November 2000 Chrysler übernahm, war der US-Autobauer nur noch ein Schatten seiner selbst. Zetsche gelang es, Überkapazitäten abzubauen, die Qualität der Autos zu steigern und die Ergebnisse des Konzerns deutlich zu verbessern. Mittlerweile sind die Chrysler-Werke produktiver als die Mercedes-Benz-Fabriken. Im zweiten Quartal 2005 verbuchte die US-Einheit mit 544 Millionen Euro den höchsten operativen Gewinn aller Geschäftsfelder im Konzern.

Angesichts dieser Leistung ist es gut möglich, dass Zetsche auch weitere angeschlagene DaimlerChrysler-Sparten wie Smart und Maybach erfolgreich saniert. Für Smart sucht das Management derzeit einen Kooperationspartner, heißt es. Falls es Zetsche nicht gelingt, die Kleinwagensparte profitabel zu machen, dürfte der Schrempp-Nachfolger nicht zögern, Smart entweder zu schließen oder zu verkaufen. Eine Konsequenz, die man Schrempp nie zugetraut hat.

Für Kursfantasie bei DaimlerChrysler sorgt zudem, dass die Deutsche Bank ihren Anteil an den Stuttgartern vor kurzem von 10,4 auf 6,9 Prozent reduziert hat. Ein weiterer Abbau ist nur eine Frage der Zeit. Da es nun keinen schützenden Großaktionär mehr gibt, rückt DaimlerChrysler verstärkt ins Visier von Hedgefonds, deren Anteil derzeit bereits auf bis zu 15 Prozent geschätzt wird. Ziel der Hedgefonds wäre eine Zerschlagung von DaimlerChrysler, weil die Einzelteile zusammen weit mehr wert sind als der Konzern im Ganzen. Experten zufolge sind die Sparten - gemessen an der Konkurrenz - derzeit zusammen bis zu 70 Milliarden Euro wert - oder rund 70 Euro pro DaimlerChrysler-Aktie!

Das beste Mittel gegen eine feindliche Übernahme ist ein hoher Börsenwert. Die DaimlerChrysler-Führung dürfte deswegen alles dafür tun, den Aktienkurs weiter zu steigern. Die Aktionäre profitieren folglich so oder so.

Panamera folgt Cayman S

Auch bei Porsche liegen die Anleger goldrichtig. Der kleinste deutsche Autobauer will im Segment der viertürigen Sportlimousinen Platz nehmen. Ein Modell mit dem Namen Panamera soll 2009 auf den Markt kommen. Damit stößt Porsche in eine sehr lukrative, stark wachsende Klasse vor. Wem die Wartezeit zu lang ist, kann sich im November den Cayman S kaufen.

Das zweisitzige Coupé sollte dazu beitragen, dass der Absatz von Porsche im Geschäftsjahr 2005/06 von etwa 84.000 auf 90.000 steigen wird. Auf Basis des erwarteten Gewinns von 411 Millionen Euro ergibt sich ein 2005/2006er-KGV von 13, was angesichts der Ausnahmestellung von Porsche sehr günstig ist.

Nicht so gut wie bei Porsche läuft es zurzeit bei BMW und Volkswagen. BMW konnte mit den Zahlen für das zweite Quartal nicht überzeugen. So sank der Vorsteuergewinn um 15,5 Prozent auf 916 Millionen Euro, während die Analysten mit 1,05 Milliarden Euro gerechnet hatten. Unter anderem machte den Münchnern der gestiegene Rohstoffpreis und der harte Wettbewerb in den USA zu schaffen. Trotzdem bleibt die BMW für langfristige Anleger ein Kauf.

Volkswagen hat zwar besser als erwartete Halbjahreszahlen vorgelegt, allerdings hat das Unternehmen immer noch große Probleme in den USA und in China. Zudem läuft es bei der Kernmarke VW Pkw immer noch nicht rund. Da die VW-Aktie seit Mai eine fulminante Rallye hingelegt hat, ist eine Konsolidierung nur eine Frage der Zeit. Deswegen drängt sich ein Kauf des Papiers momentan nicht auf. Auf lange Sicht ist Volkswagen aber wie BMW ein Investment wert.

Die Favoriten des AKTIONÄRS

Porsche und besonders DaimlerChrysler liefern derzeit viel Stoff, aus dem Anlegerträume sind. Schrempp-Nachfolger Zetsche sollte den Konzern schnell wieder auf die Erfolgsspur führen. Steigen zudem Hedgefonds ein, winken hohe Kursgewinne. Porsche überzeugt durch eine geniale Produktstrategie. Auf Jahressicht sollten DaimlerChrysler und Porsche deutlich besser performen als Volkswagen und BMW.

 

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