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Deutschland vor Crash oder Höhenflug? Rocket-Internet-Star und Promis zur Massenzuwanderung

Etwa eine Million fremder Menschen drängen alleine in diesem Jahr nach Deutschland. Die Flüchtlingskrise ist in erster Linie ein gesellschaftliches Problem. Doch sie wird auch Auswirkungen auf die Wirtschaft, die finanzielle Kraft des Staates, der Stärke des Euros und indirekt auf den DAX haben. Im neuen Buch „Ins Offene: Deutschland, Europa und die Flüchtlinge“ sind sich alle zu Wort gekommenen Prominenten zumindest in einem Punkt einig: Das Deutschland der letzten Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte wird es so nicht mehr geben.

Herausgeber und Politik-Profi Jens Spahn ist mit dem Buch ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Diskussion gelungen mit zahlreichen lesenswerten Meinungen ganz unterschiedlicher Autoren.

Bernd Fabritius, Präsident des Bundes der Vertriebenen, schreibt etwa: „Realistisch müssen wir uns eingestehen, dass sich die Zusammensetzung unserer Gesellschaft und damit unser Lebensumfeld durch den Flüchtlingszuzug nachhaltig verändern wird.“

Der spätestens seit dem Börsengang von Rocket Internet als extremer Optimist bekannte Oliver Samwer verweist auch in der jetzigen Krise mehr auf die Chancen als auf die Risiken: Es sei zwar eine Mammutaufgabe. Doch das Smartphone habe bei der beschwerlichen Integration in die fremde Heimat das Zeug zum „Game Changer“. „Die Digitalisierung gibt uns schließlich die Mittel, einer fast beliebig skalierbaren Zahl an Fluchtlingen individuell zugeschnittene Integrationshilfen im wahrsten Sinne des Wortes in die Hand zu geben", so Samwer.

Willkommenskultur als Happening
Auch Buchautorin Sineb El Masrar sieht die grenzenlose Offenheit Deutschlands in weiten Teilen positiv. Die Schattenseite bestehe aus jenen, die aus der Bedürftigkeit ein Happening betreiben und über soziale Medien jedes bisschen Hilfe als ultimative Tat der uneigennützigen Großherzigkeit verbreiten würden. „Ein Keks, ein Fluchtling und ein Grosstadtheld – verewigt mit einem Smartphone-Klick und schon weiß die halbe World-Wide-Web-Welt, wie knorke der Held oder die Heldin ist“, so Masrar. 

Der selbst nach Deutschland zugewanderte Politiker Paul Ziemiak ist ein Beispiel für eine gelungene Integration: „Es war von unschätzbarem Wert, dass wir aus dem katholischen Polen geflohen sind und wir uns auch dank des gemeinschaftlichen Besuchs der Messe am Sonntag mit den Iserlohnern verbunden fühlten.“ Er fordert dennoch: „Die Außengrenzen der Europaischen Union sind zu sichern. (…) Wir müssen festlegen, wie vielen Fluchtlingen wir Asyl gewähren können.“

Islam und Toleranz?
Die wenigsten Flüchtlinge dürften im bislang christlich geprägten Deutschland so leicht Anschluss, finden wie damals Ziemiak. CDU-Politiker Carsten Linnemann spricht eine „Wahrheit“ offen aus: „Wenn man die Fluchtlinge aus den sicheren europäischen Herkunftsländern außer Betracht lässt, weil sie keine Bleibeperspektive haben, muss man feststellen: Die überwiegende Mehrheit der übrigen Fluchtlinge stammt aus islamischen Ländern. (…) Dort werden Menschen unterdruckt und Minderheiten – nicht zuletzt christliche – diskriminiert und verfolgt.(…) Wir müssen also davon ausgehen, dass viele der Fluchtlinge aus diesen Ländern keine realistische Vorstellung von Menschenrechten, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und freiheitlicher Ordnung haben, von gesellschaftlicher Liberalität und Toleranz ganz zu schweigen.“

Die ersten Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit seien alarmierend. Demnach liege beim Durchschnitt der Flüchtlinge die Integrationsfähigkeit in den Arbeitsmarkt nur bei 10 Prozent. Sein Fazit fällt ernüchternd aus: „Kein Land der Welt ist dazu in der Lage, auf Dauer einen Zustrom von Menschen zu verkraften, die die Landessprache nicht sprechen, ein deutlich niedrigeres Qualifikationsniveau haben und einen völlig anderen sozio-kulturellen Hintergrund mit sich bringen.“

Klöckner: Kein Platz für Antisemitismus

CDU-Politikerin Julia Klöckner macht sich Sorgen um die Freiheit der Frau: Hunderttausende aus eher patriarchalisch geprägten Kulturen würden jetzt mit dem westlichen Frauenbild konfrontiert. „Sie lehnen es ab, von Frauen in der Unterkunft das Essen gereicht zu bekommen oder von Arztinnen den Gesundheitstest machen zu lassen. Sie weigern sich, Frauen die Hand zu reichen. Das geht hier bei uns schlichtweg nicht. Die Vollverschleierung muss im Herkunftsland bleiben!“ Sie ist optimistisch: „Dieses Land hat die Kraft, Menschen zu integrieren.“ Doch: „Wer hier leben will, muss unterwegs den antisemitischen Rucksack abwerfen, der schon im Nahen Osten eine Schande ist.“

Fast 30 Prozent nicht erwerbstätig

Professor Michael Hüther und Wirtschaftsexperte Wido Geis gehen konkret auf die Ausbildung ein. Zuwanderer mit Flüchtlingshintergrund seien deutlich schlechter qualifiziert als andere Zuwanderer, die zu 24,9 Prozent einen Hochschulabschluss, zu 39,5 Prozent einen beruflichen Abschluss und nur zu 35,6 Prozent keinen Abschluss hätten. Es seien nur 73 Prozent der Männer im Alter zwischen 25 und 64 Jahren mit Flüchtlingshintergrund erwerbstätig.

Offenheit auf Kosten der Schwachen
CSU-Politiker Markus Söder sieht den Zuwandererstrom von rund einer Million überwiegend junger muslimischer Männer mit Sorge: „Im Gegensatz zur medialen Darstellung kommen nicht überwiegend gut ausgebildete Facharbeiter oder gar Akademiker zu uns. Manche von ihnen können nicht Lesen und Schreiben. Sie werden wir nur mit Mühe oder gar nicht in unseren Arbeitsmarkt integrieren können. (…) Ehrlicherweise muss man sagen, dass am Ende die Schwächeren der Gesellschaft die Hauptlast der Integration werden tragen müssen. Dort wird die Konkurrenz um Jobs, Wohnungen und Sozialhilfen vor allem stattfinden.“

Der ehemalige Hamburger Bürgermeister und SPD-Mitglied Klaus von Dohnanyi wird direkt: „Die Aufnahme aller Armuts- und Wirtschaftsflüchtlinge, oder auch nur aller Bürgerkriegsflüchtlinge der Welt, kann und darf Europa nicht anstreben.“

Versagen der Politik

Julian Reichelt, Chefredakteur der Bild.de gibt zu bedenken: „Die schiere Masse an Menschen mag uns überfordern und auch fürchten lassen. Aber wir sind ihnen den Schutz bei uns schuldig, weil wir ihnen den Schutz in ihrer Heimat verwehrt haben. Wenn Flüchtlingsströme zum innenpolitischen Problem werden, muss die Außenpolitik jahrelang versagt haben.“

Wolfgang Ischinger macht konkrete Vorschläge, die Flut an Flüchtlingen und Zuwanderern einzugrenzen: „Wir benötigen dringend mehr Flüchtlingshilfe vor Ort! (…) Flüchtlingshilfen der EU im Libanon, in Jordanien und auch in der Türkei sollten massiv aufgestockt werden.“ Er stellt die provokante Frage: „Was tun eigentlich die reichen arabischen Bruderstaaten am Golf, um die Katastrophe in Syrien, aber auch in Libyen, zu beenden? Wo ist die Arabische Liga, wo ist der saudische Beitrag zur Linderung des Flüchtlingselends?“

Trotz Gefahren: Es gibt Hoffnung
Dem Herausgeber des Buches „Ins Offene“, Jens Spahn, gelingt es trotz der gewaltigen Veränderungen, die auf Deutschland hereinbrechen, am Ende auch Zuversicht zu verbreiten. „Es wird anstrengend, es wird manche Enttäuschung geben und manche Wut. Aber es gibt auch Chancen, und wenn wir es richtig machen, überwiegen sie.“

Chancen für Sicherheits-Aktien

Aktionäre von Firmen, die Lösungen für die Herausforderungen der Flüchtlingskrise anbieten, wie die AKTIONÄR-Empfehlungen Mobotix (Überwachungskameras) und Ceotronics (Ausrüstung für Polizei-Anti-Terroreinheiten), profitieren schon jetzt.

Konkrete Aussagen zu möglichen Auswirkungen auf den Euro und dem DAX hat „Silberjunge“ Thorsten Schulte im jüngsten Interview gegeben.

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| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

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