- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Deutsche Champions: "Es geht sicher weiter"

Deutschlands mittelgroße Unternehmen stellen 1.300 Weltmarktführer – Weltrekord! Kein Land ist stärker. Buchautor Prof. Dr. Hermann Simon verrät das Erfolgsgeheimnis des deutschen Mittelstandes und verrät seinen Favoriten.

Relaxt in die Hängematte legen und dem wilden Löwenzahn beim Wachsen zusehen. Für manche ein Traum - doch für den typischen Deutschen ein Graus. Er steht in diesen Tagen lieber schwitzend im Garten, mäht den Rasen, vertikutiert zusätzlich alles Moos aus dem Boden und schneidet auf den Zentimeter genau die Hecke. Es ist genau dieses ewige Streben nach Perfektion und Verbesserung, das die Welt an Deutschland und seinen Produkten so schätzt.

Jägermeister, Haribo, Grimms Märchen, Nivea, Mercedes und Adidas sind weltweit ein Begriff. Doch einen mindestens ebenso wertvollen Beitrag zum heimischen Wohlstand liefern relativ unbekannte Firmen und Produkte. Hinter dem so langweiligen Wort „Mittelstand" versteckt sich pures Dynamit: Deutschlands mittelgroße Unternehmen stellen 1.300 Weltmarktführer - Weltrekord! Prof. Dr. Hermann Simon zufolge hat Deutschland 16 „Hidden Champions" pro eine Million Einwohner, während die USA und Frankreich nur auf 1,2 beziehungsweise 1,1 kommen.

DER AKTIONÄR: Herr Prof. Dr. Simon, Sie sind dem Geheimnis des deutschen Exporterfolgs auf den Grund gegangen. Was machen heimische Firmen besser?

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Hermann Simon: Es gibt viele Gründe. Die deutsche Kleinstaaterei hat etwa jedes Unternehmen, das wachsen wollte, sehr schnell zur Internationalisierung gezwungen. Wer aus Bayern seine Produkte nach Württemberg oder Sachsen vertrieb, der war im internationalen Geschäft. Offenbar steckt diese Historie bis heute in der DNA deutscher Firmen. In vielen Regionen gibt es traditionelle Kompetenzen. Aus der Uhrmacherei im Schwarzwald ist eine medizintechnische Industrie entstanden. In Göttingen gibt es 39 Messtechnikfirmen, ein Erbe der jahrhundertelang weltweit führenden Göttinger Mathematiker. Schließlich ist unser Berufsbildungssystem zu nennen, das in der Welt einmalig ist. Und nicht zuletzt: Die mentale Internationalisierung der deutschen Gesellschaft, die derjenigen anderer großer Länder (Frankreich, Japan) weit voraus ist.

Kann Deutschland diese Stellung verteidigen, setzt sich der positive Trend fort?

Langfristig bin ich für die deutsche Wirtschaft und insbesondere die Hidden Champions sehr optimistisch. Der Bedarf der Welt an Wasser- und Energieversorgung, Mobilität, Flughäfen, Eisenbahnen, Häfen und Gebäudetechnik ist unersättlich. Allerdings kann man den Kauf einer Maschine, eines Autos oder eines Haushaltsgeräts anders als den Kauf von Lebensmitteln oder Pharmazeutika aufschieben. Das hat in der Krise 2009  zu massiven Umsatzeinbrüchen geführt. Irgendwann braucht man die Produkte aber. Diese Unverzichtbarkeit hat dann zu dem schnellen Aufschwung nach 2009 geführt. Und dieses Szenario kann sich jederzeit wiederholen, auch 2013. Aber genauso sicher geht es danach weiter. Kurzum: Hidden Champions eignen sich eher nicht für kurzfristige Spekulationen.

Was ist Ihr börsennotierter Favorit?

Rational ist mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent Weltmarktführer bei Garautomaten für Großküchen. Diese Firma ist einer der Superstars unter den Hidden Champions.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieses Interview ist im Rahmen der Titelstory "Geheime Weltmarktführer" in der AKTIONÄR-Ausgabe 22/2013 erschienen.­­

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