Deutsche Börse
- Andreas Deutsch - Redakteur

Deutsche Börse: Alles aus?

Der geplante Zusammenschluss der Börsen von Frankfurt und London steht nach dem Nein der Briten zur EU auf der Kippe. Was bedeutet das für die Aktie der Deutschen Börse?

"Gottgewollt" und genau das Richtige für die Weltwirtschaft - geradezu pathetisch wirbt Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter seit Ende Februar öffentlich für die Fusion des DAX-Konzerns mit der London Stock Exchange (LSE). Doch das Nein der Briten zur Europäischen Union könnte den Frankfurtern auch im dritten Anlauf einen Strich durch die Rechnung machen.

Der Chor der Kritiker wird nach dem Brexit-Votum lauter. Als eine der niedrigsten Hürden galt die Abstimmung der LSE-Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am Montag. Und in der Tat stimmten die LSE-Anteilseigner fast einstimmig für die Fusion. Doch darüber hinaus sind die Widerstände groß.

"Es ist schwer vorstellbar, dass der wichtigste Börsenplatz im Euroraum von einem Standort außerhalb der EU gesteuert wird", sagte der Präsident der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld. "Da wird man sicher nachjustieren müssen."

Hufelds Wort hat Gewicht, auch wenn die Bafin in dem Fall formal kein Vetorecht hat. "Ein Hauptsitz außerhalb der Eurozone war schon bisher schwer zu begründen, außerhalb der EU halte ich eine gemeinsame europäische Börse für nicht vermittelbar", sagt Sparkassen-Verbandschef Georg Fahrenschon und spricht vielen am Finanzplatz Frankfurt aus dem Herzen.

Der Betriebsrat der Deutschen Börse opponiert ebenfalls. "Der Hauptsitz muss nach Frankfurt", fordert die Vorsitzende des Gremiums, Jutta Stuhlfauth. Angesichts des wohl bevorstehenden EU-Austritts Großbritanniens wäre es aus Sicht der Arbeitnehmervertreter "widersinnig, wenn der Hauptsitz nach London verlegt würde".

Skeptisch zeigt sich auch die hessische Börsenaufsicht, die letztlich das Zünglein an der Waage spielen könnte. Denn sie muss über den ordnungsgemäßen Betrieb der Frankfurter Wertpapierbörse wachen.

Offiziell rütteln die Konzerne bisher nicht an ihren Vereinbarungen. Doch auch bei der Deutschen Börse wächst die Einsicht, dass es im Falle eines EU-Austritts Großbritanniens politisch kaum durchsetzbar sein dürfte, London zum Kern der europäischen Superbörse zu machen.

Dabei bleiben

Die britische Metropole sei als rechtlicher Hauptsitz des fusionierten Konzerns nicht mehr vorstellbar, sagen Insider. Jetzt muss sich die Politik in London bewegen und ihre Forderung zum Hauptsitz aufgeben. Andernfalls ist der Deal tot. Der Verlierer wäre ohne Frage die LSE. Die Verantwortlichen werden den Bedeutungsverlust durch den Brexit kaum kompensieren können. Die Deutsche Börse sollte an Bedeutung gewinnen. So könnte die EZB fordern, dass eine größere Summe an in Euro begebenen Wertpapieren oder Zwins-Swaps von Clearinghäusern innerhalb der Eurozone abgewickelt werden soll, meinen die Analysten vom Bankhaus Metzler. Deutsche-Börse-Aktionäre bleiben dabei und beachten den Stopp bei 60 Euro.

(Mit Material von dpa-AFX)

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